Landeskirchen, Werke und Ökumene
Archiv 2008
Sonntagsschutz kein ökonomischer Nachteil
Landesbischof: Sonntag ist unverzichtbares Element humaner Sozialkultur
Die Unterbrechung des Alltags durch den Sonntag darf nicht nur als ökonomischer Nachteil angesehen werden. Das bekräftigte Landesbischof Ulrich Fischer am Freitag in Rheinau bei Kehl. Dort hatte der badische evangelische Bischof anlässlich der Bezirksvisitation zu einem Empfang eingeladen.
"Der Sonntag ist Ausdruck des christlichen Grundverständnisses vom Menschen, das besagt, dass der Mensch nicht allein das ist, was er mit seiner Leistung aus sich macht", so Fischer. Die Sonntagsruhe sei daher ein praktischer Vollzug erfahrener Rechtfertigung des Menschen allein aus Gnaden: "Der Mensch erfährt am Sonntag ganz konkret, dass sein Lebenssinn nicht durch Arbeit und Leistung bestimmt ist." Dies sei auch der Kern, warum die Kirchen gegen die Ausweitung von verkaufsoffenen Sonntagen protestieren. Die Kirche müsse dann widersprechen, wenn "Spielräume des Lebens durch menschenunwürdigen Rechtfertigungs- und Leistungsdruck eingeengt werden, insbesondere dort, wo Menschen auf Kostenfaktoren im ökonomischen Kalkül reduziert werden", sagte der Landesbischof.
Der Sonntag sei ein unverzichtbares Element humaner Sozialkultur. "Um der Bürgergemeinde und ihrer menschlichen Gestaltung willen brauchen wir die durch den Sonntag gewährleisteten Räume, in denen eine Kultur des Betens und des Sozialen gepflegt werden kann", forderte Fischer. "Wer den Sonntag nicht heiligt, wird auch den Alltag nicht human gestalten können."
Im Zusammenspiel von Kirche und Kommune müsse sich die Kirche in erster Linie des Menschen annehmen, vor allem der Schwachen und Bedrohten. "Dabei müssen wir in der Wirtschafts- und Sozialpolitik immer wieder auch konstruktiven Streit mit kommunalen und staatlichen Behörden austragen", so Fischer. Konkret benannte der Landesbischof die Punkte gerechte Steuergesetzgebung, Hilfen für Hartz-IV-Empfänger und Migranten oder die Notwendigkeit der Schuldnerberatung.
Von Donnerstag bis Sonntag besucht eine Kommission der Kirchenleitung unter Leitung des Landesbischofs den Kirchenbezirk Kehl, um Ziele der künftigen Arbeit festzulegen. Neben der Vereinbarung von gemeinsamen Zielvereinbarungen stehen auch ein Betriebsbesuch bei den Badischen Stahlwerken Kehl und ein Bezirksältestentag auf dem Programm.
Rheinau/Kehl, 11. April 2008
Marc Witzenbacher
Kirchenrat
Pressesprecher der
Evangelischen Landeskirche in Baden

