Armut in ländlichen Räumen
Eine Herausforderung für Kirche und Diakonie
Ausgangspunkt
Armut in ländlichen Räumen unterscheidet sich grundlegend von der städtischen Armut. Es hat den Anschein, dass bestimmte Menschen, Dörfer und Regionen von den Zentren abgehängt werden und in die Gefahr geraten, den Anschluss an wichtige gesellschaftliche Entwicklungen zu versäumen. Es droht die Gefahr der Verdichtung von Armut in bestimmten Gegenden. Die Qualität der Teilhabe wird auf diese Weise erheblich eingeschränkt. Deutlich ist zudem, dass sich Armutsentwicklung, insbesondere was Altersarmut anbetrifft, auf dem Lande anders darstellt als in städtischen Regionen.
Ziel des Projektes
Von dieser Voraussetzung ausgehend untersucht das Projekt die Lage der Menschen, die in ländlichen Räumen leben. Welche spezifischen Problemfelder beschreiben die Betroffenen selbst? Wie erleben sie ihre Situation und welche Veränderungen wünschen sie? Darüber hinaus geht es um die Rolle der Kirche und Diakonie. Setzen sie sich ihrem Auftrag gemäß für gerechte Teilhabe und den Erhalt der Lebensqualität in ländlichen Räumen ein? Ziel ist, Modellvorhaben für die Praxis vor Ort an ausgewählten Standorten zu entwickeln.
Projektverlauf
Das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD (SI) untersucht seit März 2009 die Situation von Menschen in (ausgewählten) ländlichen Gebieten.
Wer wird angesprochen?
a) Menschen, die in ihrer Funktion mit dem Armutsthema zu tun haben (Pastoren/innen, Lehrer/innen, Bürgermeister, Kirchenvorsteher/innen)
b) im ländlichen Raum Lebende (zum Beispiel Familien mit Kindern, ältere Menschen, Alleinlebende die bereits Erfahrung haben, mit wenig Geld auszukommen).
Wo wird untersucht?
Das SI hat fünf Gebiete in Niedersachsen ausgewählt:
• Kirchenkreis Emden
• Kirchenkreis Uelzen
• Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg
• Kirchenkreis Stolzenau-Loccum
• Landkreis Cuxhaven
Warum diese Gebiete?
Diese Gebiete entsprechen den Kriterien des ländlichen Raumes (geringe Bevölkerungsdichte, geringe Zentralität). Auf den ersten Blick fällt keines extrem als Problemgebiet auf. Oft fragen die Bewohner erstaunt, warum gerade sie in den Blickpunkt rücken. Arm sind, so scheint es, immer nur die anderen.
Fragestellungen
1. Aber wie wird in den scheinbar „normalen“ ländlichen Gebieten der Alltag gemanagt, wenn einer in der Familie den Job verliert? Wie geht die (Rest-)Familie damit um, wenn die Kinder weder einen Ausbildungsplatz ergattern noch regelmäßig Geld verdienen können?
2. Was muss getan werden (von Kirche und öffentlicher Hand), um die in Armut abgerutschten Menschen wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen?
3. Gibt es dort bereits Problemlösungsstrategien, die auf andere Regionen zu übertragen sind?
4. Welchen Stellenwert haben funktionierende Dorfgemeinschaft und Nachbarschaftshilfe, um den Alltag zum Beispiel auf Hartz IV-Niveau besser in den Griff zu bekommen?
Stadt / Land – was ist anders?
In der Stadt ist die Armut sichtbarer: siehe soziale Brennpunkte, Obdachlose auf den Straßen. Auch gibt es dort mehr und offensivere Hilfsangebote (Tafel, Stammtisch für Alleinerziehende, Kleiderkammer usw.). Auf dem Land hat Armut ein anderes Gesicht.
Das SI will erforschen:
• Wie äußert sich Armut konkret?
(z. B. schwache Infrastruktur, schlecht ausgestattete öffentliche Einrichtungen, wenig kulturelle Angebote)
• Welche Art der Unterstützung wünschen sich die dort lebenden Menschen von der Kirche, der Diakonie, von den Politikern?
Kontakt
Marlis Winkler / Anna Küster
0511 / 554741-21

