Beschlüsse

1. Tagung der 9. Synode der EKD (23.-25. Mai 1997, Friedrichroda)

Kundgebung der Synode zum Religionsunterricht

Mit der deutschen Einheit ist die Diskussion um den Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen neu entbrannt. Die Auseinandersetzung um die religiöse und ethische Bildung und Erziehung in der Schule beschäftigt Kirchen, Bundestag, Länderparlamente, Parteien und Verbände, vor allem aber die unmittelbar Betroffenen: die Schülerinnen und Schüler, die Eltern, die Lehrerinnen und Lehrer. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich in ihrer Denkschrift "Identität und Verständigung - Standort und Perspektiven des Religionsunterrichts in der Pluralität" von 1994 grundsätzlich und umfassend zu den Fragen des Religionsunterrichts geäußert. Wenn sich nun die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland erneut mit dieser Thematik befaßt, akzentuiert sie diese evangelische Positionsbestimmung vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen und Herausforderungen:

1. Religiöse Bildung gehört zum Auftrag der Schule.

Die Kultur, die unsere Lebenssituation prägt, verdankt sich mit ihren freiheitlichen Überzeugungen wie ihrem sozialen, diakonischen Verantwortungsbewußtsein gerade auch christlich begründeten Überzeugungen. Nur in intensiver Auseinandersetzung mit diesen Wurzeln, mit dem breiten Strom erzählter und gestalteter Lebens- und Glaubenserfahrung, lassen sich die Geschichte verstehen, heutige Erfahrungen und Problemzusammenhänge deuten und überzeugende Zukunftsperspektiven entwickeln. Auch in einer pluralen Gesellschaft ist deswegen religiöse Bildung in der Schule ein unverzichtbarer Faktor allgemeiner und individueller Bildung. Das gilt insbesondere in einer Situation, in der interkulturelle Erziehung zum Auftrag der Schule gehört.

2. Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach ist ein unerläßliches und wichtiges Angebot religiöser Bildung.

Konfessioneller Religionsunterricht ist mehr als ein Lernen über Religion (Religionskunde). Ein authentisch in das jeweilige Bekenntnis eingewurzelter Religionsunterricht dient zum einen pädagogisch den Kindern und Jugendlichen; er lebt zum anderen theologisch mit gleicher Klarheit aus den Quellen des Glaubens. Er gehört als ordentliches Lehrfach zum Fächerkanon eines Lehrplans, der sich des Ranges religiöser Fragen bewußt ist.

3. Der Religionsunterricht gemäß Grundgesetz ist eine notwendige Aufgabe des säkularen Staates. Er gehört zu einem freiheitlichen Umgang mit Pluralität in der öffentlichen Schule.

Der freiheitliche, plurale, demokratische Rechtsstaat der Bundesrepublik ist zur religiösen und weltanschaulichen Neutralität verpflichtet. Die Freiheit im Sinne des Grundgesetzes beruht auf ethischen Grundlagen sowie den sie prägenden weltanschaulichen und religiösen Überzeugungen, die der Staat nicht selbst schaffen kann. Er hat deswegen ein eigenes Interesse daran, daß diese Grundlagen in der Schule vermittelt werden. Daher würdigt das Grundgesetz die Bedeutung von Religion für das Gemeinwesen und räumt im Bildungsbereich den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften eine Mitwirkung ein. Der konfessionelle Religionsunterricht ist weder eine großzügige Geste des Staates noch ein Privileg der Kirchen.

Aus der Perspektive von Art. 4 GG dient der Religionsunterricht nach Art. 7 GG der Sicherung der Grundrechtsausübung durch den einzelnen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sollen sich frei und selbständig religiös orientieren können. Der Staat gewährleistet die Grundrechte der Schülerinnen und Schüler, ihrer Eltern und der Religionsgemeinschaften und erkennt seine eigene Säkularität an.

Der Religionsunterricht ist staatlichem Schulrecht und staatlicher Schulaufsicht unterworfen; seine Einrichtung als ordentliches Lehrfach ist für die Schulträger obligatorisch, aber individuell freiheitlich geregelt. Zugleich gehört der Religionsunterricht in den Verantwortungsbereich der Kirchen beziehungsweise Religionsgemeinschaften. Sie entscheiden nach Maßgabe ihrer Grundsätze über die Ziele und Inhalte des Unterrichtsfaches Religion, wobei die allgemeinen Erziehungsziele der staatlichen Schule gewahrt bleiben sowie Struktur und Organisation der jeweiligen Schulart beachtet werden müssen.

4. Evangelischer Religionsunterricht macht die Zugehörigkeit der Schülerinnen und Schüler zur evangelischen Kirche nicht zur Teilnahmebedingung.

In den neuen Bundesländern finden sich im konfessionellen Religionsunterricht vielfach in der Mehrzahl Schüler und Schülerinnen, die keiner Konfession angehören. Der Vorwurf, die Kirchen kümmerten sich nicht um die religiöse Bildung der konfessionslosen Kinder und Jugendlichen, ist nicht berechtigt. Ebenso ist in den alten Bundesländern in bestimmten Regionen und Schularten eine konfessionelle Homogenität der Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht nicht mehr gegeben. Auch Religionsunterricht unter diesen Voraussetzungen ist wegen der Konfessionszugehörigkeit der Lehrenden und der je bestimmten "Grundsätze" konfessioneller Religionsunterricht im Sinne des Artikels 7 Abs. 3 GG. Er ist in evangelischer Sicht pädagogisch und theologisch ebenso begründet wie jener, bei dem alle Schülerinnen und Schüler einer Konfession angehören.

5. Ein staatlicher Pflichtunterricht in weltanschaulich-religiösen Fragen verfehlt die freiheitlich-demokratischen Prinzipien und reduziert in unverantwortlicher Weise die Bildungsaufgabe der Schule.

Ein staatliches, alle Religionen und Weltanschauungen umfassendes Pflichtfach muß aufgrund der Verfassung weltanschaulich neutral sein und kann die verschiedenen Religionen nur in religionswissenschaftlicher Beschreibung und im religionskundlichen Vergleich betrachten. Das ist für einen lebendigen persönlichen Bildungsprozeß in existentiellen Fragen zu wenig. Angesichts einer multikulturellen Gesellschaft, die stets auch eine multireligiöse Gesellschaft ist, reicht pädagogische Distanz zu Religion und der stets anstehenden Wahrheitsfrage nicht aus. Zwar wird argumentiert, ein Lernen mit Kindern, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen aus unterschiedlichen Kulturen im Klassenverband ermögliche größere Toleranz. Die notwendig flächig bleibende Darstellung (weil bei religiösen Beurteilungen Art. 4 GG verletzt wird) erfaßt aber nicht die religiöse Tiefendimension der in kulturellen und religiösen Konflikten anstehenden Probleme. Es ist ferner prinzipiell nicht angemessen und verkürzt Religion, wenn nur dasjenige von den Religionen gleichsam ethisch abgeschöpft wird, was für die allgemeine staatliche "Werteerziehung" für sinnvoll gehalten wird.

Die Regelungen des Grundgesetzes zum Religionsunterricht entspringen der Einsicht, daß der Staat Vorgaben über religiöse und weltanschauliche Orientierungen niemals selbst herstellen und sie gleichsam gesetzlich verordnen darf. Es gibt außerdem keinen übergeordneten Standpunkt, von dem aus er eine Religion beziehungsweise Weltanschauung bevorzugen dürfte. Art. 7 GG ermöglicht den Schülerinnen und Schülern frei von Zwang die Begegnung mit einer identifizierbaren Position, ohne damit konfessionalistische Spaltungen oder Intoleranz zu fördern. Was geschehen kann, wenn sich der Staat ideologisch absolut setzt, zeigen die leidvollen Erfahrungen der deutschen Geschichte dieses Jahrhunderts.

Eigene Überzeugungen bilden sich nicht im Niemandsland der Gleich-Gültigkeit, sondern dadurch, daß junge Menschen bestimmten Glaubensüberzeugungen und -vorstellungen begegnen. Das schließt den Dialog mit anderen Positionen ein. Wer aber nicht mit einer religiösen Lebenssicht wenigstens bis zu einem bestimmten Grad vertraut ist, kann Unterschiede und Gemeinsamkeiten weder angemessen erkennen, noch sie sich für die Bildung der eigenen Identität begründet zu eigen machen. Verständigung und Identität sind wechselseitig aufeinander bezogen.

Ein starker und tragfähiger Toleranzbegriff sucht nicht auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner eine Verständigung oberhalb bestimmter Standpunkte, sondern ringt um Verständigung durch die Standpunkte hindurch. Die pluralistische Situation zur Kenntnis nehmen, heißt auch, die bestehenden Gegensätze nicht verdrängen. Die Schule braucht Antworten auf die Frage, wie die Pluralität der Herkünfte, Positionen und Weltanschauungen in das gemeinsame Lernen integriert werden kann. Es besteht die Gefahr, daß gerade das Unterschiedene als unbequem und nur schwer integrierbar ausgeklammert wird. Die eigentlichen Fragen von Glaube, Religion und Kultur werden auf diese Weise übergangen. Eine "Schule des Dialogs" muß sich bemühen, das Fremde und Andere so zur Geltung zu bringen, daß es als Voraussetzung für das gemeinsame Leben erkannt und akzeptiert werden kann. In einem Einheitsfach - wie zum Beispiel "Lebensgestaltung - Ethik - Religionskunde" (LER) in Brandenburg -, das alles zugleich leisten und neben den Fragen der "Lebensgestaltung" und der "Ethik" auch das Gesamtfeld der großen Religionen in einer "Religionskunde" in einem Bruchteil des Unterrichtsstoffes noch "mitnehmen" will, verflacht der Unterricht über Religion. Entscheidungskraft und Urteilsfähigkeit bleiben auf der Strecke.

6. Der Religionsunterricht trägt zur aktuellen Weiterentwicklung von Schule bei.

Viele Elemente der neueren Schulentwicklung sind auch im Interesse eines "Perspektivenwechsels" (EKD-Synode 1994), der die eigene Sicht der Kinder und Jugendlichen wahrnimmt und ernst nimmt, ausdrücklich zu begrüßen. So ist die Verstärkung fächerverbindender und fächerübergreifender Angebote in den einzelnen Schularten einerseits positiv zu sehen. Der Religionsunterricht wird sich daran gern beteiligen, denn wegen der Verschränkung von Religion und Leben, Glaube und Alltag, Kirche und Gesellschaft überschneiden sich seine eigenen Unterrichtsgegenstände längst mit denen anderer Fächer; entsprechende Möglichkeiten sind bereits in verschiedenen Formen erprobt.

Andererseits setzen integrierte Lehr- und Lernformen eigenständige Fächer beziehungsweise Fächergruppen voraus sowie ein klares Bewußtsein von deren inhaltlichen und methodischen Möglichkeiten und Grenzen. Sonst ergäbe sich ein gravierender Verlust an Fachlichkeit, und der Bezug zu den Referenzwissenschaften stünde in Frage. Damit wäre der schulische Bildungsauftrag nicht nur des Religionsunterrichts zur Disposition gestellt. Integrierte Formen müssen also auf der Grundlage des Faches und unter Mitwirkung seiner Vertreter entwickelt werden. Im Blick auf den Religionsunterricht ist es daher unerläßlich, daß - bevor bestimmte Korrespondenz- oder Lernbereiche eingerichtet werden - mit den am Religionsunterricht jeweils beteiligten Kirchen und Religionsgemeinschaften über den Inhalt und die Gestaltung des Unterrichts gesprochen wird.

7. Die evangelische Kirche begrüßt eine ökumenische Zusammenarbeit im konfessionellen Religionsunterricht.

Wo Grundsituationen und Grundfragen menschlicher Existenz authentisch behandelt werden, sind stets auch persönliche Bekenntnisse und konfessionelle Färbungen im Gespräch. Sie zeigen die Vielfalt christlichen Glaubens und Denkens. Eine Meinungsvielfalt innerhalb der Konfessionen und über die Konfessionsgrenzen hinweg hat es schon immer gegeben. Die Rede von Bekenntnis oder Konfession darf keinen Konfessionalismus meinen; sie ist allerdings ebenso unvereinbar mit konfessioneller Gleichgültigkeit. Es geht vielmehr um die Ausbildung einer gesprächsfähigen Identität, die Verständigung sucht. Ein konfessioneller, an das Evangelium gebundener Religionsunterricht ist dem ökumenischen Dialog verpflichtet.

Mit dem Text der katholischen Bischofskonferenz "Die bildende Kraft des Religionsunterrichts" liegt nunmehr eine umfassende katholische Position zu Fragen des Religionsunterrichts vor. In vielen Passagen zeigen sich deutliche Übereinstimmungen mit der Denkschrift der EKD "Identität und Verständigung" - auch wenn bestimmte Differenzen bestehen bleiben. Auf dem Hintergrund der aktuellen schulpolitischen und -praktischen Herausforderungen ist eine verstärkte evangelisch-katholische Zusammenarbeit im Religionsunterricht notwendig. Bei Wahrung der Konfessionalität des Religionsunterrichts sollte eine Verständigung in ökumenischem Geist über praktische Folgerungen möglich sein. Sie würde zur Profilierung und Konsolidierung des Faches erheblich beitragen. In diesem Sinne sind auf der Basis der Stellungnahmen beider Kirchen auf der Ebene von Bundesländern, Landeskirchen und Bistümern möglichst bald Regelungen anzustreben, die den unterschiedlichen regionalen Voraussetzungen gerecht werden. Die in einigen Bundesländern bereits entwickelten Vorhaben verstärkten Zusammenwirkens der Kirchen sind nachdrücklich zu fördern.

8. Die evangelische Kirche versteht Religionsunterricht und Ethik- bzw. Philosophieunterricht als "Dialogpartner". Allerdings besteht zwischen den Fächern eine grundlegende Differenz.

Auf der einen Seite überschneiden sich Religionsunterricht und Ethik; sittliches Handeln ist in die verschiedenen Auffassungen vom Verständnis des Menschen und seiner Bestimmung notwendig eingebettet. Deswegen ist es wichtig, neben konfessionell-kooperativen Arbeitsformen der großen Kirchen auch eine Zusammenarbeit des Religionsunterrichts mit dem Fach Ethik beziehungsweise Philosophie zu entwickeln. Auf der anderen Seite ist der Religionsunterricht keine Doublette des Ethikunterrichts. Er geht keineswegs in einer Werteerziehung auf, weil er vom Sinn des Lebens und der Zukunft der Welt handelt, von Gott und Gottlosigkeit, von Heil und Unheil, von Vergebung und Schuld, von der welt- und menschenverändernden Kraft des Glaubens an den dreieinigen Gott. In diesem Zusammenhang bilden die biblischen Texte einen unverzichtbaren Inhalt des Religionsunterrichts. Das damit angesprochene theologische Profil des Religionsunterrichts ist zu stärken und, wo es abhanden zu kommen droht, neu zu entdecken und zu betonen. Allerdings braucht auch der Ethikunterricht eine solide bezugswissenschaftliche Fundierung und Profilierung. Nur so können beide Fächer wirkliche "Dialogpartner" werden.

9. Die Regelungen des Grundgesetzes zum Religionsunterricht sind zukunftsoffen. Gerade im Blick auf die Situation in den neuen Bundesländern ist auf die Möglichkeit der Einrichtung einer "Fächergruppe" religiöser und ethischer Bildung und Erziehung in der Schule zu verweisen.

Das Gewicht der religiösen, philosophischen und ethischen Dimensionen von Bildung in der Schule erfordert eine angemessene Gestaltgebung. Art. 7 GG bietet den Ländern Raum für Regelungen, die ihren spezifischen Voraussetzungen entsprechen. Die EKD-Denkschrift von 1994 "Identität und Verständigung" zeigt die Möglichkeit auf, einen Lernbereich in Form einer Fächergruppe einzurichten, in dem die Fächer evangelische Religion, katholische Religion, Ethik (bzw. Philosophie oder Werte und Normen) und - je nach den regionalen Gegebenheiten - auch orthodoxer, jüdischer und gegebenenfalls islamischer Religionsunterricht in eine bestimmte, geregelte Beziehung zueinander treten. Die geltende rechtliche Stellung und Zuordnung der Fächer in der Fächergruppe bleibt davon unberührt. Gedacht ist dabei an voneinander klar unterschiedene Fächer, die einen eigenständigen "Pflichtbereich" im Fächerkanon der Schule bilden. Das heißt, die Teilnahme an einem der Fächer ist obligatorisch.

10. Die Kirche muß im Rahmen ihrer Mitverantwortung einen inhaltlich qualifizierten Religionsunterricht gewährleisten.

Der Staat trägt die Verantwortung dafür, daß jedes Kind und jeder Jugendliche sein Recht auf religiöse Bildung wahrnehmen kann. Damit sind die Kirchen nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Die evangelischen Landeskirchen müssen gewährleisten, daß der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den evangelischen Grundsätzen inhaltlich qualifiziert und profiliert erteilt wird. Das gemeinsame Engagement der Landeskirchen für den Religionsunterricht und die kirchliche Bildungsarbeit insgesamt sind dabei trotz der sehr angespannten finanziellen Situation durchzuhalten. Sie haben hier - insbesondere durch ihre personelle Mithilfe - erhebliche Leistungen erbracht. Ihre Bemühungen dürfen den Staat jedoch nicht von seinen Verpflichtungen entbinden.

11. Die Religionslehrerinnen und Religionslehrer brauchen für ihren schwierigen pädagogischen Dienst im Schnittfeld von Kirche und Gesellschaft auch die Vergewisserung und Begleitung durch die Kirche.

Religionslehrerinnen und Religionslehrer können für Schülerinnen und Schüler Orientierung bieten in Bereichen, die weit über die unmittelbaren Inhalte des Fachunterrichts hinausgehen. Die Unterrichtenden werden dabei nach ihrem eigenen Glauben und Standpunkt gefragt und sind nicht selten Kritik oder sogar Widerstand ausgesetzt. "Im Dialog über Glauben und Leben" (Empfehlungen zur Reform des Lehramtsstudiums Evangelische Theologie/Religionspädagogik, 1997) eröffnen sie Schülerinnen und Schülern eigene Zugänge zum christlichen Glauben. Religionslehrerinnen und Religionslehrer stehen vor hohen fachlichen, didaktischen und persönlichen Anforderungen. Hierin dürfen die Kirchen und alle ihre Glieder sie nicht alleinlassen.

12. Eine lebendige Kirche ist der Lebensrückhalt des Religionsunterrichts.

Der Religionsunterricht gestaltet Schulleben mit. An manchen Orten gibt es über den Religionsunterricht hinaus Angebote eines religiösen Schullebens (Schulgottesdienste, Morgenandachten, Schülerbibelkreise etc.). Fehlendes religiöses Leben in der Familie und in der Gemeinde läßt sich aber auch dadurch nicht ersetzen. Hier liegen die Grenzen des Religionsunterrichts. Eine in religiösen Überzeugungen gegründete Identität und Integrität sowie eine selbständige Urteilsfähigkeit in religiösen Fragen sind das Ergebnis eines sehr vielschichtigen Prozesses.

Religiöse Bildungsarbeit in öffentlichen Schulen ist darauf angewiesen, daß Kindern und Jugendlichen Erlebnisfelder und Freiräume angeboten werden, in denen liturgische Vollzüge erlebt, intergenerationell gelernt, Gemeinschaft erfahren und gesellschaftliches Engagement mitvollzogen werden können. Unverzichtbar bleibt deswegen die Stärkung der kirchlichen Bildungsarbeit in Gemeinden und Kirchenkreisen (Arbeit mit Kindern, Christenlehre, Konfirmandenunterricht, Jugendarbeit etc.).

Es ist dringend zu wünschen, daß sich die Kirche auf allen Ebenen, besonders im Bereich der Kirchenkreise und der Einzelgemeinden, diesen Aufgaben intensiver als bisher zuwendet. Eine lebendige Kirche ist der Lebensrückhalt des Religionsunterrichts.

Friedrichroda, 25. Mai 1997
Der Präses der Synode


Die Veröffentlichung der Beschlüsse erfolgt unter dem Vorbehalt der endgültigen Ausfertigung durch den Präses der Synode!