Beschlüsse
5. Tagung der 9. Synode der EKD (5.-10. November 2000, Braunschweig)
Zur Vatikanischen Erklärung Dominus Iesus
Herr ist Jesus (1Kor 12,3; Röm 10,9). Durch sein Leben, Leiden und Sterben hat er uns mit Gott versöhnt und von den Mächten des Verderbens erlöst. Mit seiner Auferstehung von den Toten hat er bereits auch unser Leben zu erneuern begonnen. Er ist der eine und einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen (1Tim 2,5). In Wort und Sakrament feiern wir das Geheimnis des Heils, das uns in seiner Person erschlossen ist. Dieser Herr hat uns in seinen Dienst gestellt, um "die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk" (Barmer Theologische Erklärung, These 6).
Herr ist Jesus - daran erinnert auch die Erklärung Dominus Iesus der Kongregation für die Glaubenslehre der römisch-katholischen Kirche. Sie bekräftigt eine allen Christen gemeinsame, in der Reformation neu zum Leuchten gebrachte Wahrheit. Darüber freuen wir uns.
Doch in die Freude über das Einverständnis im Blick auf fundamentale Einsichten unseres gemeinsamen Glaubens mischt sich Betrübnis über die in der Erklärung Dominus Iesus manifesten theologischen Irrtümer. Es betrübt uns,
- dass die römisch-katholische Kirche sich selbst als die einzige vollkommene Realisierung der Kirche Jesus Christi versteht und damit bestreitet, dass sich der Leib Christi in einer Vielzahl von Schwesterkirchen verwirklicht und dass sich die Treue Gottes auch darin bewährt.
- dass die römisch-katholische Kirche der Wahrheit des Evangeliums nicht die Kraft zutraut, die Identität und Kontinuität der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche in der Vielfalt unterschiedlicher Kirchen zu wahren. Mit dem Augsburgischen Bekenntnis erklären wir: "Zur wahren Einheit der christlichen Kirche ist es genug, dass das Evangelium einträchtig im reinen Verständnis gepredigt und die Sakramente dem göttlichen Wort gemäß gereicht werden" (CA 7). Wer mehr will, will zuviel. Und wer zuviel will, beschädigt den ökumenischen Prozess, der in unseren Kirchen bereits vielfache Frucht bringt;
- dass man am Ende der Erklärung Dominus Iesus den Eindruck gewinnt, hier identifiziere die Römisch-katholische Kirche in falscher Weise die Autorität Jesu Christi mit ihrer eigenen Autorität. Wir bekräftigen den Glauben, dass der Sohn Gottes sich selber aus dem ganzen menschlichen Geschlecht eine auserwählte Gemeinde ... versammelt, schützt und erhält. (Heidelberger Katechismus Fr. 54).
Doch wir wissen, dass Trübsal Geduld bringt; Geduld aber bringt Bewährung; Bewährung aber bringt Hoffnung; Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden, denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist (Röm 5,3-5). In solcher Liebe halten wir fest an der Gemeinschaft des einen Leibes Jesus Christi, der einen Kirche. Und freuen uns an der Wahrheit des Evangeliums, die wir in der ganzen Welt allen Menschen bezeugen wollen. Wir sind gewiss, dass die befreiende und erneuernde Wahrheit des Evangeliums auch die konfessionsunterschiedenen Kirchen immer wieder so erneuern und reformieren wird, dass in ihnen Jesus allein der Herr ist. Ihm befehlen wir alle Bemühungen um die sichtbare Einheit der einen heiligen katholischen und apostolischen Kirche an, die in allen ihren Gestalten evangelisch ist.
Braunschweig, den 9. November 2000
Der Präses der Synode
der Evangelischen Kirche in Deutschland
Die Veröffentlichung der Beschlüsse erfolgt unter dem Vorbehalt der endgültigen Ausfertigung durch den Präses der Synode!

