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5. Tagung der 9. Synode der EKD (5. - 10. November 2000, Braunschweig)

Referat zum Schwerpunktthema: Eins in Christus. Kirche unterwegs zu mehr Gemeinschaft

Ruth Rohrandt

Herr Präses, liebe Synode, Kirchenkonferenz und Gäste,

wir sind evangelisch und ökumenisch - so beginnt der letzte Abschnitt Ihres Entwurfs der Kundgebung zum Schwerpunktthema der diesjährigen EKD-Synode mit dem Thema: Eins in Christus - Kirchen unterwegs zu mehr Gemeinschaft.
Das ist ein sehr richtiger Satz. Die Frage bleibt für mich, wer ist hier mit "wir" gemeint? Doch sicherlich nicht nur die EKD mit all ihren Einrichtungen und Gremien. Sicherlich ist das "wir" hier ein Begriff, der alle einschließt, die sich selbst evangelisch nennen.
Diese Zielrichtung soll auch mein Impulsreferat haben, das ich Ihnen heute Morgen vortrage. Ich will versuchen, aus zwei verschiedenen Sichtweisen auf das ökumenische Handeln und Verhandeln der EKD zu schauen.
Einmal ist die Blickrichtung aus einer Landeskirche heraus, denn ich bin ja im nordelbischen Kirchenamt verantwortlich für Mission, Ökumene und Kirchlichen Entwicklungsdienst und zum anderen versuche ich, auf die EKD und ihr ökumenisches Handeln von der anderen Seite zu blicken, aus der Sicht der Konferenz europäischer Kirchen, dessen Geschicke und dessen Engagement ich seit mehreren Jahren als Vizepräsidentin mitgestalte.

Ökumene ist eine Gemeinschaftsaufgaben der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ökumene ist natürlich auch eine Aufgabe der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche, festgeschrieben in ihrer Verfassung, und ich bin sicher, dass in den anderen 23 Landeskirchen ebensolche Verfassungsbestimmungen zu finden sind.
Wenn das so ist, - und ich bin sicher, dass keine Landeskirche diese ihre Verpflichtung zur Ökumene abgeben will oder wird - dann müssen wir versuchen, zwischen uns Beteiligten einen Weg zu finden, dass jeder seinen Teil beiträgt und wir so alle gemeinsam das Beste für uns als einzelne Kirche, für die EKD als Gemeinschaft von Kirchen und das Miteinander aller Kirchen in unserem Land und in Europa und weltweit erreichen.

Die Fülle und Vielfalt der verschiedenen Landeskirchen und Kirchen in unserem Lande ist so groß und so faszinierend, dass wir alles daran tun sollten, diesen Zustand nicht grundlegend zu verändern.
Dieses Miteinander und Ineinander muss feste Regeln haben. Es muss ein Modell sein, auf das alle Akteure bauen können.

Ein Beispiel: das Verhältnis zur anglikanischen Kirche, wie es in der Meissener Erklärung festgeschrieben ist. Auf EKD-Ebene gibt es einen Ausschuss, der die grundsätzlichen und theologischen Fragen bedenkt und wenn möglich klärt. Auf landeskirchlicher Seite gibt es im Rahmen dieser Meissener Erklärung Partnerschaften mit einzelnen Diözösen der anglikanischen Kirche, für Nordelbien ist das die Diözöse Ely und die Diözöse Durham. Auf der landeskirchlichen Ebene haben wir dann eine Reihe von Gemeindepartnerschaften innerhalb dieser Partnerbeziehungen. Nun hielte ich es für verkehrt, wollte die EKD sich in diese Gemeindepartnerschaften hineinhängen, wie ich es für genauso verkehrt hielte, wenn entweder die NEK oder der Kirchenvorstand einer Partnergemeinde theologische grundsätzliche Fragen direkt mit den anglikanischen Partnern verhandeln wollte.
Mir fällt das Bild von dem einen Leib und den vielen Gliedern ein, wo jedes Glied seine ganz bestimmte Funktion und Bedeutung hat, das Ganze sich aber nicht durch Macht oder andere Dinge verändern lässt.

Ein anderes Beispiel: Durch Missionare aus Schleswig-Holstein ist im indischen Staat Orissa die Ev.-Luth. Jeypore Kirche entstanden, die sehr enge Verbindungen zur Nordelbischen Kirche hat, die in einem Vertrag festgelegt sind und durch das Nordelbische Zentrum für Mission und Weltverantwortung (NMZ) wahrgenommen wird. Eine solche Partnerschaft, die auf sehr persönliche Beziehungen aufgebaut ist, lässt sich nicht und sollte man nicht von einer Ebene auf die andere verschieben.

Noch ein Beispiel: Nach dem Zusammenbruch der Mauer und - im Zusammenhang damit - des Sowjetreiches hat sich für die Kirchen im Westen ein weites Betätigungsfeld im Osten Europas aufgetan. Ich weiß, dass die EKD sich hier dankenswerterweise sehr intensiv engagiert. Dennoch ist hier das Zusammenspiel von landeskirchlichem Engagement und EKD-Anteil sehr wichtig.
Die Landeskirchen haben die Möglichkeiten, für diesen Arbeitszweig Spenden einzuwerben, z.B. in unserer Landeskirche für das Königsberger Gebiet, weil die Flüchtlingsströme in den letzten Monaten und Tagen des 2. Weltkrieges mit Schiffen über die Ostsee nach Schleswig-Holstein und Dänemark gekommen sind und die meisten Menschen hier eine neue Heimat gefunden haben. Sie haben auch die Möglichkeit, Pastoren und andere Mitarbeiter auf Zeit zu entsenden.
Hier ist meiner Meinung nach für die EKD die große Aufgabe der Koordinierung und Steuerung gegeben, wie es ja auch schon in den verschiedenen Ausschüssen läuft. Ich halte in diesem Arbeitsfeld die ökumenische Zusammenarbeit zwischen der EKD und den Landeskirchen für sehr gelungen und beispielhaft.

Auf einem anderen Gebiet - so denke ich - haben die Landeskirchen der EKD wirklich ganze Arbeitszweige als Gemeinschaftsaufgabe übertragen. Ich meine damit die theologischen Gespräche mit anderen evangelischen Kirchen, ebenso aber auch die theologischen Gespräche mit anderen Konfessionen, z.B. den verschiedenen orthodoxen Kirchen.
Zu überlegen ist, ob die EKD der richtige Gesprächspartner ist, wenn auf der anderen Seite ökumenische Räte sitzen, wie es z.B. in den Niederlanden und in Polen ist. Hier müsste meiner Meinung nach die EKD entweder zugunsten der ACK zurücktreten oder zumindest ihre Delegation durch Vertreter oder Vertreterinnen der anderen ACK-Kirchen ergänzen.
Natürlich weiß ich, dass die EKD schon in sich eine Kirchengemeinschaft ist, aber sie umschließt nicht alle protestantischen Kirchen, wie es ja auch im Kundgebungsentwurf zu lesen ist. Ebenso haben wir als Landeskirche die Verantwortung für die deutschen Auslandspfarren und -pfarrerinnen an die EKD abgegeben.

Wenn mehr Zeit wäre, könnte an dieser Stelle noch vieles erörtert werden, z.B. dass es ja auch noch das ökumenische Handeln der VELKD. der EKU und des Reformierten Bundes gibt, dass es eine Reihe von Missionswerken und das EMW gibt, die in diesem ganzen Bereich der Ökumene arbeiten und nicht zu vergessen das im Entstehen begriffene EED, in dem die Landeskirchen und die EKD formal und rechtlich gleichwertige Mitglieder sind. Hier wird die Zeit und das hoffentlich gute Miteinander der Beteiligten zeigen müssen, dass Kooperation und Koordination jeden - die EKD und die Landeskirchen - seine wichtigen ökumenischen Aufgaben erfüllen lässt.

Ich lasse es aus der Sicht der Landeskirche mit dem Gesagten bewenden und springe jetzt mit einem großen Satz auf die andere Seite, man kann auch sagen, ich setze jetzt einen anderen Hut auf und schaue auf das ökumenische Handeln der EKD aus der Sicht der Konferenz Europäischer Kirchen.(KEK)
Die KEK, ein Zusammenschluss von mehr als 120 protestantischen, anglikanischen und orthodoxen Kirchen in Europa existiert seit mehr als 40 Jahren, und die EKD gehört zu den Gründungsmitgliedern. In der Zeit bis zum Mauerfall war diese Konferenz vorwiegend eine Möglichkeit der Begegnung und des Gesprächs. In den letzten Jahren wird die KEK mehr und mehr die Stimme der Kirchen in Europa, zusammen mit den Katholiken.
D.h. die Bedeutung der KEK steigt auf der einen Seite, auf der anderen Seite sind ihre Möglichkeiten durch die zunehmende Finanzknappheit der Kirchen vorwiegend im Osten, aber auch der sehr kleinen Kirchen im Westen sehr eingeschränkt. Von daher ist es schon beachtlich, dass die beiden großen ökumenischen Versammlungen von Basel (1989) und von Graz (1997) zusammen mit dem Rat der (katholischen) Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) durchgeführt und für die Kirchen und Christen in Europa von so grundlegender Bedeutung waren und sind. Die KEK, als ein regionaler kirchlicher Zusammenschluss, tut ihre Arbeit an drei Standorten:

  • Genf als Zentrum und in enger Zusammenarbeit mit dem Weltrat und den weltweiten konfessionellen Bünden wie LWB und Reformiertem Weltbund;

  • Brüssel derart, an dem die EU ihren Arbeitssitz hat. Dieser Ort ist für die KEK entstanden, nachdem der Arbeitszweig Kirche und Gesellschaft, der von den Kirchen in EU-Ländern gegründet war, sich mit der KEK zusammengetan hat;

  • Strassburg als dem Ort des Europäischen Parlaments und des Europarates.
Die drei Arbeitsbereiche oder Kommissionen, in denen die KEK schwerpunktmäßig arbeitet, sind:
  • Kommission für Kirche und Gesellschaft. Sie ist das kirchliche Gegenüber zur EU, sie gibt Stellungnahmen ab zu wichtigen europäischen Gesetzen, Verordnungen und Tendenzen, in denen Belange der Kirche oder ihrer Mitglieder berührt sind. In diese Kommission ist auch eine starke Menschenrechtsarbeit und ein Umweltnetzwerk integriert.

  • Dialogkommission: Diese Kommission hat die Charta Oecumenica verfasst. Vor kurzem hat sie das Thema Mission in Europa in ihre Arbeit aufgenommen. Sie versucht, Themen wie theologische Ausbildung und Anerkennung von Studienabschlüssen europäisch zu ordnen.

  • In der dritten Abteilung verbinden sich Fragen von Migranten und Asylsuchenden mit dem Aufbau von diakonischen Strukturen im Osten Europas und Frauenförderung. Ebenso gibt es eine intensive friedensethische Arbeit. Dieser Arbeitsbereich ist vertraglich mit der europäischen Migrantenarbeit verbunden.
Soweit in Kürze zur Arbeit der KEK.

Betrachte ich aus dieser Sicht das Verhältnis von EKD und KEK, so ist natürlich nicht zu übersehen, dass ein großer Teil der Arbeitsmöglichkeiten der KEK nur durch den hohen Prozentanteil möglich ist, den die EKD in diese Konferenz hineingibt. Das ist an und für sich gut und kein Problem, da wir noch in der Lage sind, dank unserer Kirchensteuermittelaufkommen, diesen Beitrag tragen zu können.
Dennoch macht sich dieses Ungleichgewicht zwischen Kirchen, die nicht einmal ihren Mindestbeitrag leisten, und den anderen stark bemerkbar.

Es ist richtig: Gott sei Dank! Nach Jahrhunderten des Gegeneinanders und Nebeneinanders, des Leidens und der Schuld sind die Kirchen im 20. Jahrhundert aufeinander zugegangen und haben zu einem geregelten Miteinander gefunden, wie es der Kundgebungsentwurf schreibt. Doch ist nicht zu übersehen, das in den letzten Jahren auch wieder eine gegenläufige Bewegung zu erkennen ist. Die Orthodoxen Kirchen, die sich seit des Mauerfalls in einer ganz neuen Lage wiedergefunden haben, tun sich schwer mit unserer westlichen Welt und auch mit unseren westlich orientierten Kirchen. Ich denke, das Problem ist anders gelagert als im ökumenischen Weltrat der Kirchen, weil die orthodoxen Kirchen im europäischen Kontext eine ganz andere Rolle spielen und auch einen größeren Anteil ausmachen. Dazu kommt, dass ja fast alle orthodoxen Kirchen bei uns Gemeinden haben und auch Mitglieder in der ACK sind. Dennoch brechen die großen theologischen Unterschiede, z.B. in ethisch-theologischen Fragen, im Kirchenverständnis, in der Proselythenproblematik und nicht zuletzt in der Frage der Frauenordination erneut und teilweise sehr heftig auf. Wir müssen sehr deutlich, gleichzeitig aber auch sehr behutsam und beharrlich für unsere protestantische Sichtweise einstehen und nicht von unseren Positionen abrücken.

Das wirft im Zusammenhang der KEK, aber auch im Zusammenhang der EKD eine seit Jahren schwelende, jetzt neu virulente Frage auf: Wie können die protestantischen Kirchen - zumindest in Europa, vielleicht aber auch weltweit - sich in bestimmten wichtigen Fragen zusammentun und wenn es geht, mit einer Stimme reden. Schon 1994 gab es mit der Protestantischen Versammlung in Budapest einen Versuch eines solchen Zusammenschlusses. Im Gefolge davon geistert immer wieder der Begriff einer protestantischen Synode herum, und im Kundgebungsentwurf wird auf die Leuenberger Kirchengemeinschaft Bezug genommen.

Aus der Sicht einer protestantischen Vertreterin in der KEK halte ich es für unabdingbar notwendig, dass die protestantischen Kirchen untereinander einen größeren Zusammenhalt sichtbar machen. Denn es kann nicht sein, dass die Anzahl protestantischer Kirchen in der KEK durch Aufspaltungen oder auch durch den Krieg auf dem Balkan sich ungebremst vergrößern, während die orthodoxen Kirchen von ihrem Verständnis her immer in der gleichen Anzahl bleiben.

Ein anderer Gesichtspunkt ist, dass die drei großen Konfessionsfamilien in Europa: Katholizismus, Orthodoxie und Protestantismus zwar immer intensiver zusammenarbeiten sollten und müssten, es teilweise auch tun, aber im Protestantismus keine erkennbare theologische Linie zu erkennen ist.
Ich beschreibe das Problem, sehe aber im Moment noch keine Lösung, da ich die in der Kundgebung angedeutete Lösung mit der Leuenberger Kirchengemeinschaft nicht sehe. Leuenberg ist erstens unter anderen Gesichtspunkten angetreten, ist zweitens mehr auf theologische Arbeit denn auf gesellschaftspolitische Arbeit ausgerichtet, drittens gibt es wichtige protestantische Kirche, die aus bestimmten, für sie aber sehr wichtigen Gründen der Leuenberger Kirchengemeinschaft nicht beigetreten sind. Hier liegt meines Erachtens ein Problem, das in der nächsten Zeit angegangen werden muss. Es zu lösen wird auch in der KEK und ihren Gremien schwer sein.

Wenn die Kirchen in Europa politischen und gesellschaftspolitischen Einfluss nehmen wollen, so können sie das nur, wenn sie sich nicht aufsplittern, sondern versuchen, in bestimmten Fragen eindeutig und differenziert zu antworten. Eine nur deutsche oder nur protestantische Antwort auf gestellte Fragen wird die Politiker nicht interessieren. Um eine solche Antwort hinzubekommen ist es auch notwendig, die einzelnen Konfessionsfamilien zusammenzuführen in ihren Positionen.
Es ist aber vor allem wichtig, dass die KEK hier gestärkt wird. Meiner Meinung nach wirkt es kontraproduktiv, wenn einzelne Mitgliedskirchen der KEK eigene Vertretungen in Brüssel ansiedeln, auch wenn sie eng mit der KEK zusammenarbeiten.

Als letztes möchte ich ein ganz besonderes Anliegen und Projekt der KEK ansprechen, die Charta Oecumenica. Der Auftrag zu diesem Projekt ist auf der ökumenischen Versammlung in Graz entstanden, und dieses Projekt möchte ein gutes Miteinander der verschiedenen Kirchen in Europa und in den einzelnen Ländern erreichen. Es soll sozusagen ein Verhaltenskodex sein, Absprachen, Verpflichtungen zum miteinander Reden, zum miteinander Tun, damit die Welt sehe, dass sie eins seien.
In dieser Charta Oekumenica, die wir ja alle schon in ihrem ersten Entwurf in unseren Kirchen diskutiert haben, und viele haben auch eine Stellungnahme dazu abgegeben. Auch der Rat der EKD hat sich schon damit befasst. In dieser Charta Oekumenica geht es nicht darum, dass wir alle auf ein gemeinsames Kirchenverständnis getrimmt werden sollen, es geht überhaupt nicht um grundlegend theologische Einheitsbestrebungen, sondern es geht um gemeinsames Tun, es geht um Anerkennung der anderen, so wie sie sind .
Gegenseitige Verpflichtungen für den Alltag, das Miteinander der Gemeinden und der Menschen regeln, gegenseitige Verunglimpfungen verhindern und nicht zulassen. Das unter anderem soll mit der Charta Oekumenica erreicht werden.
Für uns im Bereich der EKD und in Deutschland, wo die Mitgliedskirchen der ACK so gut zusammenarbeiten, scheint diese Charta kein großer Schritt zu sein. Aber es gibt viele Länder in Europa, besonders da, wo eine Konfession den überwiegenden Prozentsatz der Gläubigen bei sich vereint, in denen mit der Verwirklichung der Charta ein sehr großer ökumenischer Schritt gemacht ist.
Der Zeitablauf war so gedacht, dass im Jahr 2001, in dem das Osterfest in Ost und West auf das gleiche Datum fällt, diese Charta feierlich vom Präsidenten der Europäischen Bischofskonferenz und auch vom Präsidenten der KEK unterschrieben wird und dann an die Kirchen in Europa zur Übernahme weitergeleitet wird. Die Diskussion lässt erkennen, dass dieser Weg nicht möglich sein wird. Im Moment wird aufgrund der Fülle der Rückmeldungen an einer neuen Fassung gearbeitet. Wir hoffen, diese Fassung wird Ostern 2001, bei dem großen Fest von KEK und CCEE in Strassburg vorliegen. Es ist vorgesehen, diese Fassung von Strassburg aus den Mitgliedskirchen noch einmal zuzuleiten in Verbindung mit einem Brief, der von beiden Präsidenten unterschrieben ist.

Der gesamte Prozess, die Diskussionen in den einzelnen Kirchen und zwischen den einzelnen Kirchen hat aber schon ein so großes Gewicht, dass auch wenn die Unterschriften nicht so schnell kommen wie ich und viele andere erhofft hatten, dass es ein wichtiger Schritt auf Gemeinsamkeit bedeutet. Versuchen Sie überall, und auch die EKD insgesamt, die Charta und ihr Anliegen in die ökumenische Diskussion zu bringen.

In der Vielfalt der geschichtlich gewordenen Kirchen, wie wir sie in der KEK täglich erleben, gibt es sowohl ein schmerzliches Miteinander als auch eine gegenseitige Bereicherung. Konfessionen mit ihren vielfältigen Glaubenserfahrungen werden und sollen bleiben. Nicht ihre Verschiedenheit, aber ihre Trennung voneinander muss überwunden werden.

Als von der EKD in die KEK entsandte und dort in die Gremien gewählte Mitarbeiterin erlebe ich das oben gesagte bei jedem Engagement. Besonders schwierig erscheint mir aber mein Engagement als ordinierte Frau. Auf die Weise bin ich mit meiner eigenen Person und dem, was mir wichtig ist, immer wieder ein Stein des Anstoßes.
Dennoch antworte ich auf die Frage: Warum engagierst du dich bei all den Schwierigkeiten und Rückschlägen, die du in der Ökumene erlebst, immer weiter? Ökumene ist erstens unsere von Gott uns gegebene Aufgabe und zweitens ist das ökumenische Streben und Miteinander in unserer säkularen Welt das einzige Überleben für die Kirchen und die Kirche.



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