Beschlüsse
6. Tagung der 9. Synode der EKD (4. - 9. November 2001, Amberg)
Humanitäre Hilfe für Afghanistan
- Die Synode sieht mit Sorge, dass viele Menschen in unserem Land wegen des gegebenen militärischen Engagements zögern, in Afghanistan humanitäre Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. Dieses Zögern wird durch zunehmende Versuche verstärkt, humanitäre Hilfe politisch und militärisch zu instrumentalisieren. Solche Versuche, die die Neutralität und Unabhängigkeit der humanitären Hilfe unterhöhlen, sieht die Synode mit Sorge.
- Die Synode wendet sich dagegen, die humanitäre Krise zu einer nachgeschobenen Legitimation militärischer Operationen zu missbrauchen. Lebensmittelabwürfe durch Militärflugzeuge sollten nicht humanitäre Hilfe genannt werden.
- Die Synode bittet die Gliedkirchen und Gemeinden, sich durch diese Unsicherheit nicht davon abhalten zu lassen, den rund 1,5 Millionen Menschen, die gegenwärtig innerhalb Afghanistans auf der Flucht sind, Beistand zu leisten. Die Diakonie Katastrophenhilfe verfügt dank ihrer internationalen und lokalen Partnernetzwerke über Möglichkeiten, Flüchtlingen innerhalb und an den Grenzen Afghanistans zu helfen, soweit die militärische Lage es jeweils ermöglicht.
- Die Synode weist darauf hin, dass die Grenzen von Pakistan, Iran und Tadschikistan noch immer nicht offiziell geöffnet sind. Weil damit die Flüchtlinge als illegal gelten, dürfen die UN-Organisationen den Flüchtlingen in diesen Nachbarländern im Moment noch keine Hilfe leisten und bitten Hilfsorganisationen, dies zu tun. Es stimmt in diesem Falle also weder, dass Hilfe von außen in einer Zeit politisch-militärischer Krise nicht ankommt, noch dass über die Regierungen und die UN genug Hilfe zur Verfügung gestellt wird. Die derzeit verbreiteten Bilder und Informationen entsprechen nicht immer den objektiven Gegebenheiten und verzerren den Blick auf Handlungsspielräume.
- Die Synode dankt der Diakonie Katastrophenhilfe für ihren Einsatz und ermutigt sie, als Beitrag und Zeichen der Versöhnung weiterhin auch mit muslimischen Hilfsorganisationen zu kooperieren.
- Die Synode ruft die Gliedkirchen und Gemeinden in Deutschland dringend auf, die Hilfsmaßnahmen der Diakonie Katastrophenhilfe für Flüchtlinge und die notleidende Bevölkerung in Afghanistan durch Spenden sicher zu stellen und die Spendenfreudigkeit für Afghanistan durch sachgemäße Informationen und kreative Spendenwerbungsmaßnahmen zu erhöhen.
Hilfe ist nötig – Hilfe ist möglich!
Amberg, den 8. November 2001
Der Präses der Synode
der Evangelischen Kirche in Deutschland
Die Veröffentlichung der Beschlüsse erfolgt unter dem Vorbehalt der endgültigen Ausfertigung durch den Präses der Synode!

