Grußworte (Auswahl)
7. Tagung der 9. Synode der EKD Timmendorfer Strand, 3. - 8. November 2002
Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke
Deutsche Bischofskonferenz Hamburg
Grußwort des Erzbistums Hamburg
Hohes Präsidium, ehrwürdige liebe Schwestern und Brüder! In herzlicher Sympathie und in Verbundenheit grüße ich Sie alle. Ich weiß mich bei Ihnen zuhause, mit vielen Personen, die mir vertraut und bekannt sind, und weiß mich zusammen mit Ihnen in der Christenfamilie der Kirche unseres Herrn zuhause.
Die Synode der EKD hat ein gefülltes Arbeitsprogramm. Mit Respekt sehe ich, was die Ständigen Ausschüsse und die Synodalen Arbeitsgruppen thematisieren und besprechen. Ich sehe, wie sie mit den komplizierten Regelungen des kirchlichen Alltags unserer Gesellschaft befasst sind. Ich erfahre im Rahmen Ihrer Synode, was die EKD bewegt, während ich sonst in meinem bischöflichen Dienst besonders am evangelischen kirchlichen Leben in Nordelbien, Mecklenburg und in Hannover auf den vielen Ebenen teilnehme. Die Testfrage, wann ich zum letzten Mal in einer evangelischen Kirche gewesen bin, will ich knapp beantworten. Es war am letzten Donnerstag in St. Johannis zu Lüneburg. Ich habe gepredigt über Philipper: Wirkt mit Furcht und Zittern euer Heil.
Ich überbringe Ihnen, Schwestern und Brüder, die Grüße der Deutschen Bischofskonferenz, namentlich ihres Vorsitzenden, Kardinal Lehmann. Ich grüße Sie für das katholische Erzbistum Hamburg, das in Hamburg, in Schleswig-Holstein und in Mecklenburg seine Heimat hat. Das junge katholische Bistum knüpft an die großen christlichen Traditionen, die mit den Namen des hl. Ansgar, des hl. Vicelin und vieler anderer markiert sind. Wir sind den evangelischen Christen durch gemeinsame Tradition verbunden, die über eine weit längere Zeit hindurch besteht als die Geschichte unserer konfessionellen Kirchentümer. Wir wissen einander im täglichen Leben verbunden, in Gebet und Fürbitte, in Leben und Dienst, in Freude und Leid. So drücken wir es im ökumenischen Gebet aus, das Bischöfin Jepsen und ich für die Gottesdienste in unseren Kirchen empfehlen, einem kurzen knappen Gebet, das geeignet ist, in jedem Gottesdienst einen festen Platz zu haben, in Nordelbien und im Erzbistum Hamburg. Wir sind uns verbunden in Gebet und Fürbitte, in Leben und Dienst, in Freude und Leid. So holen wir in unsere Gottesdienste immer die Schwestern und Brüder der anderen Kirche hinein.
Der Weg der Kirche ist der Mensch. Die sprachlich ungewohnte Formulierung will uns darauf aufmerksam machen, wie die Kirche den Menschen verbunden bleiben muss, wie sie auf ihn hinhören muss, wie sie teilnehmen muss an seinen Freuden, Hoffnungen und Ängsten. Papst Johannes Paul II. hat die Formulierung häufig gebraucht. Der Weg der Kirche ist der Mensch. Die Kirche darf nie den Menschen verlieren. Denn sie lebt in der Tradition der Menschwerdung Gottes. Weil Gott uns nicht loslässt, bleibt uns der Mensch für immer aufgegeben. Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch, das Leben des Menschen ist das Sehen Gottes. So hat es der hl. Irenäus, der große Theologe aus den Anfängen der ungeteilten Christenheit, ausgesprochen. Gott neidet nicht unser Leben, er schenkt, er gönnt es uns von Herzen. Aber unser Leben gewinnt erst dann, wenn wir es in der Perspektive Gottes sehen lernen, wenn uns die Augen dafür aufgehen, dass wir alle seine Geschöpfe sind. So muss es der christlichen Kirche, Schwestern und Brüder, vor allem um Gott gehen, wenn wir den Menschen dienen wollen.
Das ist die große Herausforderung im neu entstehenden Deutschland, im wachsenden Europa.
Gerade heute, am Anfang des dritten Jahrtausends, dürfen wir den Menschen nicht sich selber überlassen, wirtschaftlichen Interessen, wechselnden Stimmungen und Meinungen. Wir hören heute den ganzen Tag davon. Es macht uns Ehre, zu wissen, wer der Mensch ist. Wir können die Wahrheit über ihn erkennen, und wir müssen sie sagen. Jeder Mensch besitzt seine unverlierbare Würde vom Anfang bis zum Ende. Menschenleben muss unteilbar bleiben.
In der aktuellen Debatte haben wir seitens der EKD und seitens der katholischen Kirche gute gemeinsame Worte gefunden und müssen sie mit Kraft und Phantasie weiterentwickeln. Die katholische Kirche möchte dabei nicht abqualifiziert und auf „biologistische“ Positionen abgedrängt werden, ein altes Vorurteil, das jetzt von einigen wieder aufgewärmt wird, die sich damit positionieren wollen. Natürlich ist der Mensch immer mehr als die Summe seiner Gene, als sein Existieren. Er lebt notwendig in der Gemeinschaft der anderen und bleibt auf sie angewiesen. Er gerät in Konflikte, auch in schuldhafte Verstrickungen. Aber all das kann nicht losgelöst von dem gesehen werden, was eines jeden Menschen Leben objektiv ausmacht.
Ihr sollt ein Segen sein. In wenigen Monaten stellen wir uns auf dem großen Ökumenischen Kirchentag der Einladung, der Zumutung, der Herausforderung Gottes für uns und für unsere Gesellschaft. Katholische und evangelische Christen haben auf dem Hamburger Katholikentag 2000 unvergessliche ökumenische Erfahrungen gemacht. Wir freuen uns ganz besonders auf das große Glaubensfest, das wir in Berlin feiern dürfen. Nehmen wir um der Menschen willen die großartige Zusage Gottes auf, dass er uns für immer segnet. Denn die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch, das Leben des Menschen ist das Sehen Gottes.
So wünsche ich Ihnen eine gesegnete weitere Tagung und bleibe Ihnen herzlich verbunden. – Ich danke Ihnen.
Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke
Deutsche Bischofskonferenz Hamburg

