Grußworte (Auswahl)

7. Tagung der 9. Synode der EKD Timmendorfer Strand, 3. - 8. November 2002

Bärbel Naeve

Synodalpräsidentin der Chiesa Evangelica Luterana in Italia

Grußwort der Chiesa Evangelica Luterana in Italia Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien

Verehrter Herr Präses, sehr geehrte Damen und Herren Synodale,

ich überbringe Grüße aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien, ELKI, genauer gesagt, die Grüße der Synode der ELKI, die ich präsentiere, und des Konsistoriums.

Es sind dies Grüße aus dem warmen Süden Europas, die ihre Gemüter nicht etwa erhitzen, sondern vielmehr ihre Herzen erwärmen sollen, denn sie kommen gewissermaßen aus dem lutherischen Niemandsland: Wären wir gleichmäßig im Lande verteilt, so gäbe es pro 100 qkm knapp ein Mitglied der ELKI. Und da wäre es schon schwierig, dass irgendwann einmal 'ein oder zwei in Seinem Namen zusammenkämen'!

Zum Glück sind wir sehr ungleichmäßig verteilt, 'patchiness' nennen das die Statistiker: ein bisschen mehr im Norden, ein bisschen weniger im Süden. Dass es uns als kirchlichen Zusammenschluss überhaupt gibt, das verdanken wir nun weniger der EKD - oder besser: der alten EKiD - sondern dem Starrsinn einiger deutscher Auslandspfarrer und dem LWB. Aber unsere heutige Gestalt ist in intensiver Zusammenarbeit mit der EKD entstanden.

Mein Dank an dieser Stelle gilt deshalb vor allem dem Kirchenamt in Hannover für die hilfreiche Zusammenarbeit, die sich vor allem im personellen Bereich wie z.B. der Entsendung von Pfarrer/Innen, aber auch bei inhaltlichen Fragen wie - ganz aktuell - der Erarbeitung einer neuen Satzung realisiert.

Das Thema dieser Synode "Was ist der Mensch" stellt sich in Italien in gleicher Weise. Wir sind an der Debatte und ihren Resultaten sehr interessiert und verfolgen diese genau, da sie wichtige Anknüpfungspunkte auch für unsere innerkirchliche Diskussion darstellen.

Als Kirche in Italien werden wir zunehmend von der italienischen Öffentlichkeit um Stellungnahmen gebeten zu den aktuellen theologischen und ethischen Themen. Angesichts unserer bescheidenen Kräfte brauchen wir daher dringend kompetente Partner, von deren Vorarbeiten wir profitieren dürfen.

Derzeit versucht der Pfarrkonvent der ELKI, eine innerkirchliche Diskussion über die Frage der Euthanasie anzuregen und entsprechendes Material zusammenzustellen. Er ist bemüht, eine Diskussionsvorlage zu diesem Thema für die Synode vorzubereiten. Auch in diesem Fall werden wir dankenswerter Weise auf die Vorarbeiten der EKD zurückgreifen können.

Natürlich wollen und müssen wir bei unseren Stellungnahmen den italienischen Kontext einbeziehen. In der ökumenischen Arbeit können wir dankbar auf eine wachsende und sich immer mehr vertiefende Gemeinschaft mit den Kirchen der Leuenberger Kirchengemeinschaft schauen. Das nun auch offiziell eingeführte ökumenische Studienzentrum Melanchthon in Zusammenarbeit mit der Waldenserfakultät in Rom ist nur ein Beispiel in diesem Zusammenhang.

Aber auch der Dialog mit der römisch-katholischen Kirche gestaltet sich trotz mancher Rückschläge sehr hoffnungsvoll. Die ELKI ist im vergangenen Jahr erstmalig zur Ökumene-Kommission der Italienischen Bischofskonferenz eingeladen gewesen und konnte damit nicht nur die offiziellen theologischen Leitpositionen aus erster Hand kennen lernen, sondern auch die interne ökumenische Diskussion katholischer Bischöfe verfolgen. Die Teilnahme an dieser Konferenz war nicht nur ein Beitrag zur Vertrauensbildung, sondern hat uns auch gezeigt, dass von vielen Diözesen die Aufforderung zu mutigeren Schritten in Richtung auf eine engere Zusammenarbeit und vor allem auch zur gastweisen Einladung zur Eucharistie bereits erfolgen.

Auch wir versuchen, unser Schärflein zur Vertiefung ökumenischen Verständnisses in Italien beizutragen. Derzeit sind wir in Zusammenarbeit mit einem katholischen Verlag und mit Professor Angelo Maffeis, einem Mitglied der Internationalen Lutherisch-Katholischen Kommission, auch dabei, das Dokument "Communio Sanctorum - Die Kirche als Gemeinschaft der Heiligen" in die italienische Sprache zu übersetzen und der italienischen Öffentlichkeit vorzustrellen. Hier gewinnt - wie sie sehen - die konfessionelle Vorarbeit der für uns unerlässlichen VELKD ein ganz besonderes Gewicht.

Vieles läuft erfreulich gut in Italien. Das an der Mutterbrust der EKD sicher genährte Kind ELKI ist gewachsen, abgestillt worden und geht nun so manchen Weg schon allein. Allerdings wird es manchmal von harten Winden aus dem Norden gebeutelt. Ich nenne nur ein Beispiel: Die von Hannover gewollte sofortige Trennung von Dekanat und römischer Gemeinde hat für die ELKI unübersehbare Folgen. Zum einen erfordert die Kündigung der bisher genutzten Räume die Suche nach einer Immobilie in Rom. Was das finanziell für die ELKI und alle ihre Gemeinden bedeutet, bedarf wohl kaum einer Erklärung. Zum anderen wird mit diesem Schritt ein für den innerkirchlichen Zusammenhalt der ELKI-Gemeinden bedauerliches Zeichen gesetzt, nämlich das der Sonderrolle, die Rom für die EKD zu spielen scheint. Es gibt sachlich begründete Argumente für eine räumliche Trennung. Der harte Schnitt hat Rom geschadet und die anderen 12 Gemeinden in ihrem Selbstverständnis getroffen.

Das Konsistorium sieht die ELKI auch in Zukunft in einem engen Verhältnis zur EKD. Unseres Erachtens profitieren beide Seiten von einem guten und vertrauensvollen Miteinander. Die EKD hat über die ELKI ein so dichtes Betreuungsnetz für deutschsprachige Protestanten wie wohl sonst nirgends in der Welt. Die ELKI wird auch in Zukunft gern auf die gut ausgebildeten und deutschsprachigen Pfarrer/Innen der deutschen Landeskirchen zurückgreifen wollen. Und irgendwann einmal im zukünftigen Europa werden nationale, aber auch sprachliche Barrieren eine immer geringere Bedeutung haben. Doch die räumliche Trennung von römischer Gemeinde und Sitz des Dekanats wird den Kreisen innerhalb der ELKI Aufwind geben, die schon immer auf eine größere Distanz zur EKD gedrängt haben. Die Arbeit der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien wird diese Spannung aufzufangen haben.

Ich wünsche Ihnen nur soviel Spannungen, wie sie aushalten können, damit sie es mit dem Reiter auf dem weißen Pferd in der Offenbarung halten und "... richten und kämpfen mit Gerechtigkeit" (Off 19, 11b).

Bärbel Naeve
Synodalpräsidentin der ELKI

Bei den Grußworten handelt es sich um nicht redigierte Texte!



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