Ausstellung Arnulf Rainer, "Dahinter Engel"
Begrüßung durch Pfarrer Neubert inlusive ZDF-Collage
Film überspringen - direkt zum Text.
Im externen Windows-Media-Player abspielen...
Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht. (Ps. 46, 2-3a)
Liebe Synodale, liebe Gemeinde hier und daheim an den Fernsehgeräten,
herzlich willkommen in der St. Matthäus-Kirche, inmitten des Berliner Kulturforums. Die nach Plänen von Friedrich-August Stüler errichtete St. Matthäus-Kirche ist nach Kriegszerstörung und Wiederaufbau seit dem Jahre 2000 Veranstaltungsort der Kulturstiftung St. Matthäus. Zu den Aufgaben dieser Stiftung gehört es, den Dialog der Kirche mit den Künsten zu führen und zu fördern.
Uns umgeben Bilder des österreichischen Malers Arnulf Rainer. Er selber hat dieser Ausstellung ihren Titel gegeben: „Dahinter Engel“. Engel sind Boten der Güte, Symbole der Bewohnbarkeit unserer Welt, die nicht aufgeht in pausbäckiger Diesseitigkeit. Engel sind wie Türsteher für einen Raum der Weite und des Lichtes, sie verbürgen eine Wirklichkeit, die Christenmenschen Zuversicht verheißt, Trost und Stärke.
In einer Welt des kulturellen Pluralismus, der scheinbaren Gleichwertigkeit der Lebensstile und Werte rufen diese Bilder der Engel zur Konzentration, zur Kontemplation. Mit ihnen und durch sie hindurch verstehen wir mehr von unserer Welt und unserem Glauben.
Mit seinen auf Meditation und Kontemplation verweisenden Verhüllungen und Übermalungen hat es der Maler Arnulf Rainer auf unser drittes Auge, unser geistiges Auge abgesehen: Gemeint ist damit dieses unsichtbare Wahrnehmungsorgan unseres Geistes, unserer Seele, das Hiob bekennen lässt: „Nun hat mein Auge dich gesehen“.
Mit seinen Verwischungen und Zumalungen hat der Maler Arnulf Rainer Metaphern für die Wirklichkeit unseres Daseins gefunden. Seine Kunst fordert uns heraus zum Gespräch über das, was wesentlich ist. So war es immer mit der Kunst. Gerade zu ihren besten Zeiten lässt sich die Kirche im Gespräch mit Künstlerinnen und Künstlern anregen, Sprache zu finden für das Bezeugen der Wirklichkeit Gottes in der Welt, zu kritischer Reflexion dessen, was ist und zu einem weiten Blick auf die Welt. Noch im autonomen Gegenüber bleiben die Künste Bundesgenossen der Kirche.
Wenn von Dialog die Rede ist, dann im Sinne einer Suchbewegung, die auf Begegnung aus ist, auf Wahrnehmung des Fremden und des Eigenen im Gegenüber zu Bildwerken der Kunst. So bringen die Künste das Geistige zur Sprache. Unsere Kirchen werden zu Räumen der Begegnung. Sie lassen eine Welt erklingen, die nicht zu haben ist, die zu erreichen aber der eigentliche Grund unseres Daseins ist. Wie schön, wenn wir dann einmal wie Hiob sagen können: „Herr, nun hat mein Auge dich gesehen.“
Zwischen Kunst und Kirche geht es also nicht um Bilder an dieser oder an jener Wand, auch nicht um Ausstellungen. Kunst in der Kirche will letztlich keine Bilder zeigen, sie will das Sehen selbst initiieren, will dem Glauben eine neue Perspektive anbieten; und eben dies wird die Predigt in diesem Gottesdienst aufnehmen und zum Thema machen. Auch die besondere Musik von Saxofon und Vokalensemble öffnen einen eigensinnigen Raum des Hörens, der uns lockt in die Mitte des Lebens.
Lasst uns diesen Gottesdienst feiern im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

