Grussworte (Auswahl)

5. Tagung der 10. Synode der EKD, Würzburg, 5. - 9. November 2006

Grußwort der Bayerischen Landesregierung

Dr. Günther Beckstein, Stellvertretender Bayerischer Ministerpräsident, Staatsminister

05. November 2006

Es gilt das gesprochene Wort.

Verehrte Frau Rinke,
hohe Synode,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Als Franke und evangelischer Christ ist es für mich eine besondere Freude, dass die 5. Tagung der 10. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hier in Würzburg stattfindet. Ich darf Ihnen auch die Grüße der Bayerischen Staatsregierung und unseres Ministerpräsidenten überbringen. Dr. Edmund Stoiber freut sich schon darauf, Sie am kommenden Mittwochabend zu einem Empfang der Staatsregierung einzuladen.

Das Jahr 2006 ist für uns bayerische Protestanten ein besonderes Jahr. Vor 200 Jahren sind Schwaben, Franken und Altbayern zu einem Land verschmolzen. Das Jubiläum "200 Jahre modernes Bayern", das in unserem Land derzeit mit vielen Veranstaltungen und Ausstellungen gefeiert wird, zeigt auch deutlich: Die evangelischen Christen hatten bei der Entwicklung des modernen Bayerns einen wichtigen Anteil. Der Protestantismus hat nicht nur Franken, sondern ganz Bayern religiös, aber auch sozial geprägt, wenn ich zum Beispiel an die Diakonie denke.

Dass Mitte Juli im fränkischen Bad Windsheim auch noch das erste evangelische Kirchenmuseum Bayerns seine Pforten geöffnet hat, ist ein besonderer Glücksfall. Denn so ein Museum setzt Akzente. Über die historische und volkskundliche Annäherung an kirchliche Traditionen im eigenen Land kann ein Stück weit das Bewusstsein geschärft werden, welche Bedeutung das Christentum in Bayern und vor allem auch der Protestantismus haben.

Verehrte Frau Rinke, ich danke Ihnen, dass Sie sich in diesem Jahr gerade eine fränkische Stadt als Tagungsort für die diesjährige Herbstsynode ausgesucht haben. Mit dem mehr als 1300 Jahre alten, geschichtsträchtigen Würzburg haben Sie eine hervorragende Wahl getroffen. Ganz Bayern freut sich, dass das oberste Leitungsgremium der Evangelischen Kirche in Deutschland in diesen fünf Tagen hier zu Gast ist.

Sie haben sich in diesem Jahr einem besonders wichtigen Thema angenommen: der wachsenden Diskrepanz von Armut und Reichtum in unserem Land. Mit großem Interesse habe ich Ihre Denkschrift zur Armut in Deutschland gelesen, die Mitte Juli veröffentlicht wurde. Die Zahlen, die Sie veröffentlicht haben, machen betroffen.

Ende 2005 lebten danach in Deutschland mehr als sieben Millionen Menschen, darunter zwei Millionen Kinder und Jugendliche, von Leistungen auf dem Sozialhilfeniveau. Zu den Hauptbetroffenen zählen Langzeitarbeitslose, Geringqualifizierte sowie Alleinerziehende. Die EKD hat diesen Missstand angeprangert – längst bevor landauf landab die Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Schlagwort vom "abgehängten Präkariat" für Zündstoff gesorgt hat.

Wenn in einem reichen Land wie Deutschland ein wachsender Teil der Bevölkerung von gerechter Teilhabe an Arbeit, Bildung und gesellschaftlichen Prozessen ausgeschlossen ist, muss uns das als Christen aufrütteln. Solche sozialen Verwerfungen zu verhindern – da sind wir alle gefordert: Christen und Politiker, Bürgerinnen und Bürger, jeder Einzelne von uns, der in diesem Land Verantwortung übernimmt.

Dabei ist soziale Gerechtigkeit nicht vorrangig eine Frage der Verteilung von mehr Geld. Es ist auch eine Frage, ob das vorhandene Geld richtig eingesetzt wird, ob tatsächlich jene erreicht werden, die es am dringendsten brauchen.

Sie als Synodale haben sich der Verantwortung gestellt und das Thema "Gerechtigkeit erhöht ein Volk – Armut und Reichtum in Deutschland" zum Diskussionsschwerpunkt der Herbstsynode gemacht. Dafür möchte ich Ihnen herzlich danken.

Soziale Gerechtigkeit ist eines der Megathemen in unserem 21. Jahrhundert. Hier geht es um Generationengerechtigkeit angesichts unserer demografischen Entwicklung. Und es geht um die Frage einer gerechten Teilhabe von Jung und Alt in einem hart umkämpften Arbeitsmarkt.

Auch wenn die Arbeitslosenzahlen Gott sei Dank zurückgehen, muss es uns immer noch bedenklich stimmen, wenn mehr als 4 Mio. Menschen in Deutschland keine Arbeit finden. Denn Arbeit ist weit mehr als Broterwerb. Arbeit bedeutet für den Einzelnen auch die Entfaltung der individuellen Fähigkeiten. Arbeit ist Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Letztlich geht es beim Thema Armut auch um gleiche und gerechte Bildungschancen für alle gesellschaftlichen Schichten. Denn Bildung ist die Voraussetzung für berufliche Perspektiven und damit Voraussetzung für ein selbst bestimmtes und selbständiges Leben.

Am morgigen Montag werden Sie sich ausführlich diesem Schwerpunktthema widmen. Ich bin sehr gespannt auf die Ergebnisse Ihrer Diskussionen und Beratungen und würde mich freuen, wenn ich mit dem einen oder anderen von Ihnen am Dienstagabend beim Empfang des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU persönlich über dieses Thema sprechen kann.

Als Politiker brauchen wir die kritische und auch mahnende Stimme der Kirche - gerade bei solchen existenziellen Fragen, die den Menschen zutiefst in seinem Menschsein berühren.  

Der Herbstsynode der EKD wünsche ich einen erfolgreichen Verlauf mit guten Diskussionen und vielen anregenden Gesprächen. Für die Zukunft viel Erfolg und vielen Dank für die gute Zusammenarbeit.



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