Grußworte (Auswahl)

5. Tagung der 10. Synode der EKD, Würzburg, 5. - 9. November 2006

Grußwort der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK)

Generalsekretär Colin Williams

05. November 2006

Es ist mir eine sehr große Freude, im Namen der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) die Synode begrüßen zu dürfen. Ich bin dankbar für die Einladung, in diesen Tagen unter Ihnen sein zu dürfen und freue mich, an Ihren wichtigen Beratungen teilnehmen zu dürfen. Es ist besonders gut, dass ich an dieser Stelle die Gelegenheit habe, meinen Dank zum Ausdruck zu bringen für die wichtige Unterstützung, die die KEK seit ihrer Gründung im Jahre 1959 von der EKD empfangen hat. Das tue ich mit vollem Herzen.

Dieses Grußwort werden Sie schriftlich erhalten - vielleicht haben Sie es schon. Ich will es also nicht Wort für Wort zitieren. Aber drei Schwerpunkte möchte ich aus der Arbeit unserer KEK zitieren.

Erstens: die Vorbereitungen für die 3. Europäische Ökumenische Versammlung. Wir sind mitten in einem Prozess, sogar einer Pilgerschaft, die uns im September nächsten Jahres nach Sibiu Hermannstadt in Rumänien führen wird, wo wir die 3. Ökumenische Versammlung von 4. bis 9. September miteinander erleben werden. In den letzten Monaten haben schon viele aus verschiedenen Teilen Europas mir ihre Erinnerungen an die ersten beiden Europäischen Ökumenischen Versammlungen in Basel und in Graz mitgeteilt. Was ich ihnen - und Ihnen - immer wieder sage, ist Folgendes: dass die 3. Europäische Ökumenische Versammlung kein zweites Basel und auch kein zweites Graz sein wird, sondern es ist in Sibiu ein Ereignis mit eigenem Charakter und mit einer eigenen Größenordnung, die bestimmt ist durch das, was in dieser schönen Stadt konkret möglich oder nicht möglich ist. Es wird aber ein Ereignis sein, das nach unserer festen Überzeugung auch für jene 2.100 Menschen, die aus ganz Europa als Delegierte dorthin kommen, genauso wie für die Delegierten nach Basel und Graz ein bedeutungsvoller Augenblick auf ihrem eigenen christlichen Pilgerweg sein wird.

Natürlich geht es bei der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung nicht nur um das, was in den fünf Tagen geschieht, die wir gemeinsam in Rumänien verbringen. Auf dem Weg nach Sibiu beschäftigen sich bereits viele Menschen mit den großen Fragen, die wir bewusst aus der Charta Oecumenica übernommen haben. Ich bin besonders dankbar, dass der Aufruf vor der Versammlung, möglichst viele Christinnen und Christen an den Themen von Sibiu zu beteiligen, in Deutschland ernstlich verfolgt worden ist.

Ein zweites Schwerpunktthema: die deutsche Präsidentschaft der EU in den ersten sechs Monaten des nächsten Jahres. Es gibt ernste Anzeichen dafür, dass die deutsche Präsidentschaft Anstöße zu neuen Überlegungen im Blick auf die verschobene Frage des EU-Verfassungsvertrages geben wird. In enger Zusammenarbeit mit Kirchen in Europa, nicht zuletzt mit der EKD, steht unsere Kommission Kirche und Gesellschaft bereit, sich im Namen der Kirchen Europas kreativ an dieser Diskussion zu beteiligen. Diese Monate, in denen die deutsche Regierung die EU-Präsidentschaft innehaben wird, könnte sich als entscheidend erweisen, wenn es darum geht, den Bemühungen um Aufbau und Vertiefung der europäischen Integration wieder neuen Schwung zu geben.

Es ist wahrscheinlich, dass die deutsche Präsidentschaft zumindest die für uns so notwendige Debatte über die Zukunft Europas wieder eröffnen wird. Dabei geht es um eine Debatte, bei der wir als Kirchen bereit sein müssen, unseren Beitrag zu leisten. Der KEK wird daran gelegen sein, mit den Kirchen Europas, und unter ihnen natürlich mit der EKD, eng zusammen zu arbeiten, um dafür zu sorgen, dass die sich aus diesen Diskussionen ergebende Vision für Europa dem Europa entspricht, das aufzubauen wir als Nachfolge Jesu Christi für würdig halten. Ein Europa, das offen, gerecht, mitfühlend und mit sich selbst in Frieden ist.

Viele haben besonders das Gefühl, dass wir als Kirchen fleißig daran arbeiten müssen, eine Reihe von Werten zu fördern, die unser gemeinsames Leben in Europa bestimmen werden. Aus diesem Grunde werden im Dezember dieses Jahres auf Initiative der KEK mehr als 80 kirchenleitende Persönlichkeiten aus ganz Europa in Brüssel zusammenkommen, um gemeinsam mit europäischen Führungspersönlichkeiten darüber nachzudenken, welches die Werte sein sollen,  nach denen Europa sich in den kommenden Jahren ausrichtet. Ich freue mich, dass unter allen  Kirchenleitenden aus ganz Europa, die an diesem Treffen teilnehmen werden,  Bischof Wolfgang Huber eine führende Rolle spielen wird. Ich danke Ihnen. Dies wird ein entscheidendes Ereignis sein,  bei dem die KEK einen wichtigen Weg  bahnen wird. Auch betrachten wir dieses Treffen als einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Gipfelkonferenz in Berlin im nächsten März, wo EU-Staats- und Regierungschefs einem Text zum Thema "Die Werte Europas" - wie wir hoffen - zustimmen werden.

Schließlich ein drittes Schwerpunktthema: Die ökumenische Zusammenarbeit in Europa. Nicht nur KEK ist in der europäischen Ökumene aktiv, es gibt noch andere, die in der europäischen Ökumene aktiv sind, darunter vor allem der ÖRK, der LWB, der RWB und die GEKE. In meinen 12 Monaten als Generalsekretär habe ich bei vielen unserer Mitgliedskirchen ein echtes Verlangen danach festgestellt, dass jene Organisationen, die ökumenisch mit ganz Europa zu tun haben, Schritte unternehmen, um Kohärenz  in unsere Arbeit zu bringen. Ich möchte Ihnen versichern, liebe Schwestern, liebe Brüder, dass wir in der KEK alles, was in diesem Zusammenhang gesagt wird, zur Kenntnis genommen haben. In den Monaten seit der 9. ÖRK-Vollversammlung in Porto Allegre haben wir damit begonnen, erneut mit dem ÖRK darüber nachzudenken, wie unsere jeweiligen Rollen in Europa einander ergänzen können. Ähnliche Gespräche werden bereits mit der GEKE geführt, mit der wir schon seit einigen Jahren eine wichtige Zusammenarbeit entwickelt haben. Wie ich glaube, stehen wir an der Schwelle einer konkreten Möglichkeit, unter uns allen, die in ganz Europa ökumenisch arbeiten, eine ökumenische Kohärenz aufzubauen. Die Notwendigkeit, dies zu erreichen, steht bei unseren Planungen für die Zukunft weiter an vorderster Stelle.

So grüße ich die Synode im Namen der KEK. Möge Gott Sie in allem, was Sie unternehmen, reich segnen. Mögen Sie in all Ihrem Tun die Führung seines Heiligen Geistes erfahren. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.



erweiterte Suche

 

Das könnte Sie auch interessieren...


Gesucht: Landeskirchen?

EKD-Kirchenkarte

Zu den verschiedenen Kirchen in den Regionen finden Sie am schnellsten über unsere Kirchen-Karte.