Grussworte (Auswahl)

5. Tagung der 10. Synode der EKD, Würzburg, 5. - 9. November 2006

Grußwort der Church of England (schriftlich)

Revd Dr Charlotte Methuen, University of Oxford

06. November 2006

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,

im Namen der Kirche von England und als Mitglied der Meissen-Kommission begrüße ich Sie und wünsche Ihnen Gottes Segen für die diesjährige Synode.

Besondere Grüße bringe ich von den englischen Mitgliedern der Meissen-Kommission, dem englischen Ko-Sekretär, Charles Hill, dem ausgehenden Ko-Vorsitzenden, Bischof Michael Bourke, und dem neuen Ko-Vorsitzenden, Bischof Nick Baines.  Die Meissen Kommission hat den Auftrag, die Meissen Erklärung auf allen Ebenen im Leben unserer Kirchen umzusetzen, die noch offenen, unsere Kirchen trennenden theologischen Fragen zu klären, und die Gemeinschaft zwischen unseren Kirchen zu vertiefen. 

Es ist für mich eine große Ehre und eine Freude, die Synode der EKD besuchen zu können, zu erfahren, wie eine andere Kirche ihr Leben verwaltet und die Wärme und Offenheit Ihrer christlichen Freundschaft zu erleben. Die hier besprochenen Gesprächsthemen, Pläne und Hoffnungen werden die weitere Arbeit der Meissen-Kommission mitgestalten. Die Fragen von Reichtum und Armut sind auch für uns in England sehr wichtig.  Wir werden uns in den kommenden Jahren sicher immer wieder und immer tiefer damit auseinandersetzen müssen.

In der Meissen Kommission geht gerade eine Fünf-Jahres-Periode zu Ende. In dieser Zeit haben wir immer wieder entdeckt, dass unsere Kirchen sich vor sehr ähnliche Fragen und Herausforderungen gestellt sehen müssen. Die demographischen Veränderungen, der immer breiter werdenden Kluft zwischen Arm und Reich, das abnehmende Interesse an sozialen Fragen, der immer weniger werdende Einfluss der Kirche, Fragen zur Integration von Ausländern und Ausländerinnen, die Herausforderungen und Infragestellungen einer multi-religiösen Gesellschaft, ein wachsendes Bedürfnis nach nicht immer kirchlicher oder gar christlicher Spiritualität - dies sind Erfahrungen, mit denen auch die Church of England sich konfrontiert sieht. In der Arbeit der Meissen Kommission haben wir die Gelegenheit, uns über den eigenen Umgang mit diesen – und anderen – Fragen auszutauschen, zu sehen, inwiefern wir von und miteinander lernen können, mit der neuen Situation umzugehen.  So haben wir uns in den letzten fünf Jahren mit Fragen der Mission der Kirche, mit Kirche in den Innenstädten oder auf dem Land, mit Fragen der Spiritualität und der theologischen Ausbildung befasst. Wir freuen uns, dass so viele deutsche Vikare und Vikarinnen gerne zu einem Teil ihrer Ausbildung nach England kommen, und versuchen manche curates der Church of England dazu zu ermutigen, nach Deutschland zu kommen.

Aus unserer Arbeit ist es uns auch bewusst, das unsere Kirchen in Zeiten der zurückgehenden Mittel immer wieder neu überlegen müssen, wie und wo und von wem das Wort gepredigt und die Sakramente gefeiert werden können. Wir folgen der gegenwärtigen Diskussion zur Ordination und Sakramentsverwaltung in der EKD mit großem Interesse.  Auch in der Church of England sind ähnliche Diskussionen geführt worden, auch wenn unsere Entscheidungen wohl etwas anders auffallen als die Ihren. Bei diesen Gesprächen müssen wir uns klar machen, dass es sich nicht um die Überlebungsstrategien einer Institution handelt, sondern um eine viel wichtigere Frage: Wie können wir das Wort Gottes in unserer Gesellschaft verkünden? Mit anderen Worten: Was ist die Kirche?  Sie werden wahrscheinlich wissen, dass in der Anglikanischen Kirchengemeinschaft gerade sehr schwierige Entscheidungen anstehen. Der Auslöser dieser Krise scheint die Ordination von einem homosexuellen in einer Partnerschaft lebenden Priester als Bischof.  Aber auch hier geht es um dieselbe Frage: Was heißt es, im 21. Jahrhundert Kirche zu sein?

Vor 75 Jahren - im Jahre 1931 - fand die dritte der von George Bell und Adolf Deißmann organiserten "Anglo-German Theological Conferences" in Chichester statt. Thema der Konferenz war Kirche als Leib Christi. Diese ersten Konferenzen fanden in Canterbury (1927) und auf der Wartburg (1928) statt. "When the Wartburg comes to Canterbury and Canterbury goes to the Wartburg, then there begins a new epoch in the history of the Church and a new period of theological thought," schrieb 1928 der damalige Erzbischof von Canterbury, Cosmo Gordon Lang. In diesem Jahr des Bonhoeffer Jubiläums haben wir uns sehr gefreut, dass der Erzbischof von Canterbury, Rowan Williams, den Ratsvorsitzenden Huber bei den Feierlichkeiten in Breslau und in Berlin begleiten durfte. Aus diesen Kontakten und dem Delegationsbesuch nach Berlin im Februar 2006 ist eine engere Arbeit zwischen unseren beiden Kirchen gewachsen. Wir sind sehr gespannt, welche Früchte diese Arbeit für eine gemeinsame Zukunft tragen wird. Fangen wir gemeinsam eine neue Epoche der Kirchengeschichte und eine neue Periode des theologischen Denkens an? Lassen wir es hoffen!

Ich danke Ihnen.

Revd Dr Charlotte Methuen, University of Oxford
Mitglied der Meissen-Kommission



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