Grußworte (Auswahl)
5. Tagung der 10. Synode der EKD, Würzburg, 5. - 9. November 2006
Grußwort des Lutherischen Weltbundes (schritlich)
Ishmael Noko, Generalsekretär
06. November 2006
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,
im Namen des Lutherischen Weltbundes grüße ich Sie und sende Ihnen die besten Wünsche für ein erfolgreiches Treffen der Synode der EKD. Als Thema haben Sie sich gesetzt: "Gerechtigkeit erhöht ein Volk - Armut und Reichtum" - eine äußerst aktuelle Herausforderung nicht nur für die Länder des Südens, sondern zunehmend auch für die als wohlhabend geltenden Länder des Nordens.
Die Mitgliedskirchen des Lutherischen Weltbundes teilen die Vision der Gerechtigkeit, wie sie in der Bibel immer wieder bekräftigt wird. Auf Einladung des Lutherischen Weltbundes trafen sich Mitgliedskirchen im September dieses Jahres in Arusha, Tansania, zu einer Konsultation über Armut und die Mission der Kirche in Afrika zusammen, unter dem Thema "Den Armen wird Hoffnung zuteil, und die Bosheit muss ihren Mund zuhalten." (Hiob 5,16)
Die Kontinente des Südens erleiden seit langem, wie die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Sie sprechen eindrücklich von einem "schmelzenden Eisberg", wenn sie das Dahinschwinden der Lebensgrundlage für ihre Völker beschreiben. Dabei sind ihre Kontinente nicht arm. Die Teilnehmenden an der Konsultation in Arusha unterstrichen, "Afrika verfügt über großen Reichtum an natürlichen und menschlichen Ressourcen". Armut ist nicht Schicksal oder Fügung Gottes, sondern von Menschen verursachtes Leiden, das umfassende soziale und ökologische Verwüstungen nach sich zieht, wie "die Eskalation von Konflikten und Gewalt, und die Zwangsvertreibung von Menschen vom Land ihrer Vorfahren ... Die Ausbreitung von AIDS wird durch die Armut verschärft."
Mit den lutherischen Kirchen Lateinamerikas erhebt der Lutherische Weltbund seine Stimme gegen Ungerechtigkeiten im globalisierten Wirtschaftssystem, das einerseits weitere Ebenen für Partizipation zu eröffnen sucht, andererseits immer mehr Menschen ausschließt und sie der nachhaltigen Basis für ihr Leben beraubt.
Überall werden die Auswirkungen der neo-liberal geprägten Kultur des Wettbewerbs spürbar. Das Gefühl der Bedrohung ist gewachsen, die Individualisierung, der Abbau von Werten, Beziehungen und gemeinsamen Bezugspunkten. Unter der Perspektive, dass man nur entweder gewinnen oder verlieren kann, wächst die Angst und der Druck der Menschen.
Die Thematik hat auch einen ekklesiologischen Aspekt. Weltweit werden wir Zeugen der Verarmung unserer Kirchen, die um grundlegende Ressourcen kämpfen. Wir sind als Kirchen aufgefordert, auch über Gerechtigkeit in Teilen innerhalb unserer globalen Gemeinschaft neu nachzudenken.
Wir leben aus der Gewissheit des Glaubens an unseren schöpferischen und erlösenden Gott, der Lebensressourcen in Fülle für alle geschaffen hat und für uns bereithält. "Gerechtigkeit" im Alten Testament bezieht sich auf die Gemeinschaft mit Gott. Alles andere folgt aus dieser Beziehung. Und so hielten die Teilnehmenden in Arusha vor wenigen Wochen fest: "Angesichts dieser scheinbar hoffnungslosen Realität des Leidens feiern wir Gottes Gegenwart in Gottesdienst und Abendmahl und setzen unser Vertrauen in den gekreuzigten und auferstandenen Christus. Als Leib Christi in der Welt heute sind wir durch den Heiligen Geist bevollmächtigt, uns allen Kräften, die Ungerechtigkeiten verschärfen und vorzeitigen Tod bewirken, zu widersetzen, unsere Stimme dagegen zu erheben und zu versuchen, Veränderungen herbeizuführen."
Ich wünsche der Synode der EKD einen guten Verlauf. Gott möge Ihre Diskussionen und Entscheidungen inspirieren und segnen.
Mit herzlichen Grüßen
Ishmael Noko
Generalsekretär

