Direkt neben dem Freimarkt

Synode hat begonnen

02. November 2008


Gerade eben sind die letzten Hammerschläge vom Aufbau der Informationsstände im Foyer des Congress Centrums Bremen verhallt. Die halb ausgetrunkenen Kaffeetassen auf den Stehtischen zeugen von der kleinen Pause zwischen Gottesdienst und Sitzung des Plenums: Die 10. Synode der EKD hat ihre Arbeit aufgenommen. Präses Barbara Rinke begrüßt die 117 Synodalen, die Mitglieder der Kirchenkonferenz und des Rates sowie die Gäste aus der weltweiten Ökumene zur siebten und letzten Tagung in dieser Legislaturperiode.

Mit einem Gottesdienst im Bremer Dom haben die Synodalen ihre Tagung begonnen. Pastor Renke Brahms, Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche hat gepredigt. Die Kirche in der freien Hansestadt ist anders organisiert als die meisten Gliedkirchen der EKD. Der Schriftführer sitzt dem Kirchenausschuss vor, der zwischen den Kirchentagen – ähnlich den Synoden in anderen Landeskirchen – die Kirche leitet. Deshalb gehört der Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche zur Gruppe der Leitenden Geistlichen in der EKD.

Nun sitzen alle im Hanse-Saal des Congress Centrums – und vor der ersten Tischreihe sitzen die Gäste aus der Politik und von der katholischen Kirche: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der Präsident der bremischen Bürgerschaft, Christian Weber, Bürgermeister Jens Böhrnsen und der katholische Bischof von Osnabrück Franz-Josef Bode. Auch sie haben den Gottesdienst im Dom mitgefeiert und grüßen zu Beginn die versammelten evangelischen Vertreter.

Während im Hansesaal über die Verantwortung für das Leben debattiert wird, tobt nebenan dasselbige. In Bremen ist Freimarkt, einer der größten Jahrmärkte im Norden Deutschlands. Und mancher von den Synodalen hat geschmunzelt als er die Treppen zum Congress Centrum hoch gestiegen ist. Der Betreiber der großen Achterbahn direkt gegenüber, bei der man – entsprechend den olympischen Ringen – durch fünf Loopings fahren darf, heißt: BARTH. Auf diesen Namen hört auch der Präsident des Kirchenamtes, das für die Vorbereitung und Durchführung der Synodaltagung zuständig ist: Hermann Barth.

Nach den Grußworten ist der Ratsvorsitzende dran: Bischof Wolfgang Huber gibt der Synode den zu jeder Tagung gehörende Ratsbericht. Neben dem schriftlichen Ratsbericht, in dem aufgeführt ist, was der Rat seit der letzten Synodentagung beraten und entschieden hat, kommentiert und interpretiert der Ratsvorsitzende in seinem mündlichen Ratsbericht wichtige aktuelle gesellschaftliche und kirchliche Themen. Breit ist die Palette der angesprochenen Themen: Finanzmarktkrise und kirchliche Reformen, verfolgte Christen im Irak und die Sorge um die Endlagerung atomaren Mülls. Wolfgang Huber macht deutlich, dass die Verantwortung der Christen für die Welt nicht an Kirchenmauern Halt macht und die Politiker in der ersten Reihe hören gespannt zu.

Am Nachmittag diskutieren die Synodalen die vom Ratsvorsitzenden angerissenen Themen: Das ist protestantische Verantwortung im gemeinsamen Ringen um die Wahrheit.