Bericht des Rates der EKD (Teil B) - „Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben“ (Johannes 14,19)
7. Tagung der 10. Synode der EKD, Bremen, 02. - 05. November 2008
Neuanfänge bei der EKD
Personalia - Reformation und Reform
Personalia
(48) Hans Ulrich Anke ist seit dem 1. August 2008 neuer juristischer Vizepräsident des Kirchenamts. Er hat im Kirchenamt die Leitung der Rechtsabteilung und der Hauptabteilung II (Recht und Finanzen) übernommen. Damit folgt der aus der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers kommende Kirchenjurist auf Burkhard Guntau. Dieser war seit 1996 Leiter der Rechtsabteilung und seit 1. März 2006 Juristischer Vizepräsident und trat zum 1. Mai 2008 sein neues Amt als Präsident des Landeskirchenamts der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers an.
(49) Dine Fecht hat zum 1. Juni 2008 die Leitung der Europaabteilung im EKD-Kirchenamt übernommen. Sie entstammt ebenfalls der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, in der sie zuvor als Direktorin des Hauses kirchlicher Dienste tätig gewesen ist. Die Leiterin der Europaabteilung ist innerhalb der Hauptabteilung Ökumene und Auslandsarbeit zuständig für das Engagement der EKD auf europäischer Ebene, insbesondere in den ökumenischen Zusammenschlüssen Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) und Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Zugleich ist sie verantwortlich für die Entsendung von Pfarrerinnen und Pfarrern ins europäische Ausland sowie für die deutschsprachigen Gemeinden und die Tourismusseelsorge. Dine Fecht folgt Antje Heider-Rottwilm, die nach elf Jahren als Leiterin der Europaabteilung von der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche mit der Leitung des Zentrums „Brücke. Ökumenisches Forum Hafen-City Hamburg“ beauftragt wurde.
(50) Zwei weitere wichtige Personalentscheidungen, die die politischen Beziehungen der EKD betreffen, hatte der Rat in den vergangenen Monaten zu treffen.
In einem Gottesdienst am 28. Januar 2009 in der Friedrichstadtkirche in Berlin wird Bernhard Felmberg in das Amt des Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union eingeführt. Er wird damit Prälat Stephan Reimers nachfolgen, der das Amt seit 1999 ausübt und zum 31. Januar 2009 in den Ruhestand treten wird. Oberkonsistorialrat Bernhard Felmberg leitet gegenwärtig die Abteilung für Theologische Aus-, Fort- und Weiterbildung im Konsistorium der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.
(51) Am 1. Juni 2008 übernahm die Juristin Katrin Hatzinger die Leitung der Außenstelle des Bevollmächtigten bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union in Brüssel. Sie war schon bisher in der Außenstelle tätig und übernahm diese Aufgabe von Sabine von Zanthier, die das Büro seit 2000 leitete und in die Landesvertretung des Landes Niedersachsens in Brüssel wechselte.
(52) Am 29. Mai 2008 wurde in Göttingen feierlich die Übergabe der Leitung des Kirchenrechtlichen Instituts von Professor Dr. Axel von Campenhausen an Professor Dr. Hans Michael Heinig begangen. Die Leitung des Kirchenrechtlichen Instituts ist von nun an mit der durch die EKD errichteten Stiftungsprofessur für Öffentliches Recht mit dem Schwerpunkt Kirchen- und Staatskirchenrecht an der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität verbunden. Durch diese Verbindung erlangen die Fächer Kirchen- und Staatskirchenrecht einen neuen Stellenwert an der Universität Göttingen.
1945 wurde das Kirchenrechtliche Institut gegründet. Es berät die evangelische Kirche in Fragen des Staats- und Kirchenrechts, erstellt Gutachten und organisiert Fortbildungsveranstaltungen für Kirchenjuristen. Axel von Campenhausen leitete das Institut seit 1969 als zweiter Leiter in der Geschichte des Instituts. Hans Michal Heinig trat mit der Übernahme der Institutsleitung zugleich in den Kreis der Herausgeber der Zeitschrift für evangelisches Kirchenrecht ein.
(53) Nachdem der ehemalige Rundfunkbeauftragte des Rates der EKD und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF), Bernd Merz, als Geschäftsführer zum christlichen Digitalsender Bibel.TV gewechselt war, wurde als sein Nachfolger Oberkirchenrat Markus Bräuer berufen. Er trat sein neues Amt am 1. November 2007 an.
Auch wenn sein Tätigkeitsschwerpunkt im Bereich des Fernsehens und des Hörfunks als den klassischen Feldern des Rundfunks liegt, erfordert es jedoch die technische Entwicklung, den Rundfunk nicht isoliert, sondern mit dem Gesamtbereich medialer Angebote zusammen zu sehen. Dem trägt eine neue Aufgabenausgestaltung und Bezeichnung des Amtes Rechnung: Markus Bräuer ist der erste Medienbeauftragte des Rates der EKD, zugleich beauftragt von der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Der Medienbeauftragte hat seinen Sitz im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik in Frankfurt.
(54) Der Ständige Haushaltsausschuss der 10. Synode der EKD hat der Entscheidung des Rates der EKD zugestimmt, Oberkirchenrat Harald Weitzenberg als Leiter des Oberrechnungsamtes der EKD (ORA) zu berufen. Am 01. Dezember 2008 wird er die Stelle des bisherigen Leiters, Hans-Günter Vogt, antreten, der mit Ablauf des Monats Juli in der Ruhestand getreten ist; er hat das ORA seit acht Jahren geleitet.
Das ORA ist eine unabhängige, nicht weisungsgebundene Einrichtung der EKD und entspricht in seiner Stellung damit einem staatlichen Rechnungshof. Es trägt so dazu bei, die Eigenständigkeit der evangelischen Kirche zu wahren. Zu den Aufgaben des ORA gehört es, die Haushalts- und Wirtschaftsführung der EKD und ihrer Einrichtungen, Betriebe und Sondervermögen zu prüfen. Es ist in diesem Rahmen auch beratend tätig. Es achtet auf die bestimmungsmäßige, wirtschaftliche und sparsame Verwendung der Haushaltsmittel und bereitet die Entlastung durch die Synode der EKD vor. Des Weiteren prüft das ORA auf Grund von Verwaltungsvereinbarungen verschiedene Gliedkirchen, gliedkirchliche Zusammenschlüsse sowie andere kirchliche Einrichtungen und Körperschaften.
(55) Im Festgottesdienst zur Eröffnung der Lutherdekade am 21. September 2008 wurde Prälat Stephan Dorgerloh in das Amt des Beauftragten des Rates der EKD in Wittenberg eingeführt. Stephan Dorgerloh war zuvor Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in Wittenberg. Mit der Berufung eines Beauftragten in Wittenberg trägt der Rat der besonderen Bedeutung der Lutherstadt für die Gemeinschaft aller Gliedkirchen Rechnung. Zu seinen Aufgaben gehört die Koordination der Vorbereitungen zum Jubiläum „Luther 2017 – 500 Jahre Reformation“, die Begleitung der kirchlichen, staatlichen und internationalen Vorhaben zum Reformationsjubiläum sowie die theologische und geistliche Präsentation des Erbes der Reformation in der Gegenwart.
Reformation und Reform
(56) Mit einem Festgottesdienst und dem anschließenden Festakt wurde am 21. September 2008 unter reger auch internationaler Beteiligung in der Lutherstadt Wittenberg die Lutherdekade eröffnet. Sie führt auf das 500. Jubiläum der Reformation, repräsentiert durch Luthers Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 hin.
Das zentrale Merkmal der Reformation ist die Entdeckung der Freiheit eines Christenmenschen. Dass Christen allen Dingen frei gegenüber treten können, bewährt sich darin, dass sie aus freien Stücken Diener sein können. Gerade weil Gott jedem Menschen den aufrechten Gang schenkt, kann jeder Mensch die Knie beugen: zum Gebet zu Gott wie zum Einsatz für den Nächsten. Dies ist die reformatorische Grundlegung für eine Verantwortung aus Freiheit und für die Freiheit. Dieser Schritt ins Freie bestimmt das Gedenken an die reformatorische Entdeckung Martin Luthers bis auf den heutigen Tag. Er soll die Lutherdekade zu einer Dekade der Freiheit machen. In ihr sollen die ökumenische Gemeinschaft, die Internationalität des reformatorischen Geschehens, der besondere Zusammenhang von Reformation und Bildung sowie die reformatorisch grundgelegte Verhältnisbestimmung von Freiheit und Verantwortung eine hervorgehobene Rolle spielen.
Dabei sollen Luthers mitunter polemischer Charakter, seine ambivalente Rolle in den Bauernkriegen, seine beschämenden Aussagen zu den Juden und sein Kommentar zu den Expansionsbestrebungen des Osmanischen Reichs nicht übergangen werden. Zudem können zurückliegende Reformationsjubiläen als Lehrstunden dienen für die problematischen Folgen, die aus einer einseitigen Inanspruchnahme der Reformation für gegenwärtige Interessen und Sichtweisen resultieren.
All das soll im Blick sein, wenn in den vor uns liegenden Jahren intensive wissenschaftliche Studien zu Leben und Theologie Martin Luthers wie zur Reformation und ihrer Wirkungsgeschichte erarbeitet werden. Konferenzen, Ausstellungen und herausragende Ereignisse werden vielfältige Zugänge zur Person Luthers und zur Reformation eröffnen. Vor allem aber wird es darum gehen, die Bedeutung zu entfalten, die der reformatorischen Entdeckung der Freiheit für Gegenwart und Zukunft zukommt.
Die Lutherdekade legt ein besonderes Gewicht auf den Lebensweg Martin Luthers. Zugleich tritt ihr eine Reformdekade zur Seite, in der die Konsequenzen zu bedenken sind, die sich aus dem Anstoß der Reformation für die heutige Gestalt der Kirche ergeben.
Bereits im Vorfeld der Lutherdekade war die Wort-Bild-Marke „Luther 2017 – 500 Jahre Reformation“ vorgestellt worden. Die vom Kuratorium der Lutherdekade festgelegte Wort-Bild-Marke zeigt einerseits Luther als zentrale Figur der Reformation. Zugleich weist sie auf den Prozesscharakter der Reformation, der tief in Kirche, Politik, Kultur und Gesellschaft hineingewirkt und seinen symbolischen Ausgangspunkt im Thesenanschlag von 1517 genommen hat.
(57) Zum 1. Januar 2009 wird die öffentlich-rechtliche „Stiftung der Evangelischen Kirche in Deutschland zur Wahrnehmung gesamtkirchlicher Verantwortung in Wittenberg (Evangelische Wittenbergstiftung)“ mit Sitz in der Lutherstadt Wittenberg errichtet. Ihr Zweck ist die Wahrung und Weitergabe des reformatorischen Anliegens Martin Luthers, und zwar insbesondere durch die Errichtung eines Zentrums für Predigtkultur, durch die verstärkte Nutzung der Schlosskirche, durch eine gesamtkirchlich bedeutsame Begegnungs- und Bildungsarbeit sowie durch den Erwerb von Grundstücken und Kulturgütern. Die Stiftung wirkt damit in gesamtkirchlichem Interesse daran mit, in einer der bedeutungsvollsten Ursprungsstädte der Reformation durch die EKD in Gemeinschaft mit ihren lutherischen, reformierten und unierten Gliedkirchen sowie den gliedkirchlichen Zusammenschlüssen und in Verbundenheit mit den Kirchen der Reformation weltweit das reformatorische Anliegen aufzunehmen und immer wieder neu mit Leben zu füllen. Die EKD wird die Stiftung voraussichtlich mit einem Kapitalstock von rund 1,3 Millionen Euro ausstatten, Zustiftungen der Gliedkirchen und gliedkirchlichen Zusammenschlüsse sind derzeit in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro zugesagt.
(58) Zur Erinnerung an den Genfer Reformator Johannes Calvin (1509-1564) im kommenden Jahr haben die gemeinsamen Vorbereitungen von EKD und Reformiertem Bund zum Calvin-Jahr 2009 begonnen. Calvin hat mit seinen theologischen, kirchenrechtlichen und gesellschaftspolitischen Überlegungen und Entwürfen herausragende Akzente in der Theologie der Reformation gesetzt. Zugleich sind durch sein Wirken politische Entwicklungen ausgelöst worden, die Westeuropa und Nordamerika entscheidend beeinflusst haben.
Zur Koordinierung der Aktivitäten ist ein Projektbüro eingerichtet worden, in dem Pfarrer Dr. Achim Detmers seit dem 1. Februar 2008 sowohl die Projekte und Veranstaltungen zum Calvinjahr 2009 koordiniert als auch Material wie beispielsweise eine „Calvin-Kiste“ erarbeitet, die zahlreiches Material zum Einsatz in Schulen und Gemeinden bereitstellt. Während der Tagung der EKD-Synode wird am 4. November 2009 in Zusammenarbeit mit dem Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) ein Calvin-Magazin der Öffentlichkeit vorgestellt, das auf vielfältige Weise die umfangreiche Wirkungsgeschichte des Genfer Reformators nachzeichnet und Hilfestellung für die Arbeit in Kirchengemeinden und Schulen anbietet. Ebenso wird an diesem Tag die Internetseite www.calvin.de freigeschaltet, in der wichtige Informationen und Hinweise auf Aktionen und Veranstaltungen im Bereich der EKD vorgestellt werden; beispielsweise bietet ein interaktives Online-Spiel die Möglichkeit, sich auf spielerische Weise Calvin zu nähern. Die internationale Seite ist unter www.calvin09.org bereits erreichbar. Auch in diesem Bereich befindet sich die EKD im engen und ständigen Dialog mit den ökumenischen Partnern.
Eine Ausstellung unter dem Titel »Die Reformierten. Calvinismus in Deutschland und Europa« wird vom 6. März bis zum 19. Juli 2008 im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin zu sehen sein. Sie wird von der EKD unterstützt und entsteht in Kooperation mit der Johannes a Lasco-Bibliothek, Emden. Besonderer Höhepunkt im Calvinjahr wird die Feier des Geburtstages Calvins am 10. Juli in Berlin sein, bei der die europäische Dimension von Calvins Wirken thematisiert, der Calvin-Preis der EKD für die beste wissenschaftliche Seminararbeit verliehen und die deutsche Calvin-Briefmarke vorgestellt wird.
Das Calvin-Jahr steht in einer Reihe von Themenjahren, die – beginnend mit dem Paul Gerhardt-Jahr 2007 – die Dekade bis zum Reformationsjubiläum 2017 inhaltlich strukturieren.
(59) Über den Reformprozess „Kirche der Freiheit“ liegt der Synode mit Blick auf den Zeitraum vom November 2007 bis zum Oktober 2008 ein eigenständiger Bericht (Drucksache II h / 1) im Zusammenhang mit dem Bericht über die Bearbeitung der den Reformprozess betreffenden Beschlüsse der 6. Tagung der 10. Synode (Drucksache II i / 1) vor; auf beide wird hier verwiesen. Darüber hinaus wird der mündliche Teil des Ratsberichts sich unter anderem weiterführenden Überlegungen zum Reformprozess widmen.
Auf zwei herausragende strukturelle Entwicklungen in den Landeskirchen soll an dieser Stelle Bezug genommen werden:
Am 01. Januar 2009 wird die Verfassung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) in Kraft treten. Am 05. Juli 2008 stimmten die beiden Synoden der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen und der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen auf parallelen Tagungen in geheimer Abstimmung der Bildung einer gemeinsamen neuen Kirche zu. Der Sitz des Bischofs oder der Bischöfin der EKM wird in Magdeburg sein, der des Kirchenamtes ab 2010 in Erfurt. Die neue Kirche wird etwa 930.000 Mitglieder haben. Beide Kirchen hatten seit dem Jahr 2000 in der Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland kooperiert.
Ebenfalls eine gemeinsame Kirchenverfassung streben nach den jeweiligen Beschlüssen der Synoden die Nordelbische Evangelisch-Lutherische Kirche, die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Mecklenburgs und die Pommersche Evangelische Kirche an. Die „Nordkirche“ würde mit etwa 2,4 Millionen Mitgliedern zu den größten Gliedkirchen der EKD zählen. Unter der Moderation des Leitenden Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD), Landesbischof Johannes Friedrich, konnten Eckpunkte für die Gestalt der künftigen Kirche entwickelt werden.
