Grußworte

7. Tagung der 10. Synode der EKD, Bremen, 02. - 05. November 2008

Grußwort des Bürgermeisters der Freien und Hansestadt Bremen, Jens Böhrnsen

02. November 2008

Jens Böhrnsen

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Grußwort als MP3


Sehr geehrte Frau Präses Rinke, sehr geehrter Herr Minister Dr. Schäuble, Herr Ratsvorsitzender Dr. Huber, liebe Schwestern und Brüder, meine Damen und Herren!

Ich danke zunächst für die freundlichen Worte zum gestrigen Abend in der Kulturkirche St. Stephani. Ich will besonders hervorheben, dass Ihre Begeisterung für den Chor Don Bleu auch als Unterstützung für das große Projekt zu sehen ist, das hinter der Idee Blaumeier steht. Das ist das Eigentliche, worum es geht, und ich habe gespürt, wie diese Begeisterung bei den Blaumeiern angekommen ist, wie sie sich darüber gefreut haben.

Für uns ist es eine große Ehre und Freude, dass die Synode der EKD in Bremen tagt. Ich habe gestern schon gesagt und möchte es gern noch einmal wiederholen: Wir  nehmen es als Vorfreude auf den Kirchentag im kommenden Mai. Der Kirchentag ist für Bremen eine Herzensangelegenheit. Ich bin überzeugt, dass die ganze Stadt, die ganze Region davon erfasst wird. Wir wollen ein Gastgeber sein, an den sich der  Kirchentag und an den sich die Kirche noch lange und gern erinnern werden.

Meine Damen und Herren, unser berühmtestes Schiff, die „Polarstern“, wird vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven betrieben. Die „Polarstern“ erreichte 1991 als erstes konventionell angetriebenes Schiff den Nordpol. Seitdem bereist sie regelmäßig Antarktis und Arktis. Vor wenigen Tagen berichtete die Besatzung aus der Arktis von einer Besorgnis erregenden sommerlichen Eisschmelze. Gleichzeitig meldete die US-Klimabehörde, dass die Herbsttemperaturen in der Arktis mittlerweile 5 Grad über den Normalwert gestiegen sind.

In Zeiten der globalen Finanzkrise hat es das Klima schwer, in die Schlagzeilen zu kommen. So waren die Nachrichten, die uns sehr beunruhigen müssen, den meisten Medien nur ein paar dürre Zeilen wert. Ich bin deshalb der Synode der EKD außerordentlich dankbar, dass sie den  Klimawandel zu ihrem Schwerpunktthema gewählt hat, und wir hier an der Küste wissen natürlich auch über die konkreten Auswirkungen und Wirkungen zu berichten, etwa in der Notwendigkeit den Küstenschutz immer weiter zu verstärken und die Deiche immer höher zu bauen.

Ich habe Ihren Kundgebungsentwurf gelesen und bin beeindruckt von der Klarheit und Entschiedenheit, mit der hier ein Lebens- und Mentalitätswandel gefordert wird, um unserer Verantwortung für die Schöpfung gerecht zu werden.

Sie schreiben völlig zu Recht, dass wir seit 30 Jahren wissen, dass der von Menschenhand verursachte Klimawandel unsere  Lebensgrundlagen bedroht, dass wir sehen und unsere Augen verschließen, dass wir hören und uns die Ohren zuhalten. Es geht aber tatsächlich um die Zukunft der Erde, um das Überleben der Menschheit, um eine existenzielle Bedrohung für alle Menschen.

Meine Damen und Herren, wenn es zu den wichtigsten Aufgaben der Politik gehört, die Schöpfung zu bewahren und Lebensverhältnisse zu schaffen, in denen die Würde des Menschen gewahrt wird, dann müssen wir immer fragen, wie wir die ethische Dimension des ökonomischen und politischen Handelns stärken können, um unserer Verantwortung auch tatsächlich gerecht zu werden. Hierbei sehe ich die Kirchen wie übrigens die Religionen überhaupt als notwendige Mahner und Begleiter bei diesen existenziellen Herausforderungen.

Natürlich lässt sich die christliche Religion nicht auf die Verbindung von Moral und Politik reduzieren. Doch ich denke, es gibt eine unaufhebbare Verbindung zwischen Glaube und politischer Verantwortung. Wer versucht, in der Nachfolge Jesu zu leben, dem kann eben nicht gleichgültig sein, was unter den Menschen, was in der Gesellschaft, was in Gottes Schöpfung geschieht.

In unserer Gesellschaft gibt es eine Art von Politikmüdigkeit, die mir Sorge macht, weil sie begleitet wird von einem Verlust an überzeugenden Zukunftsperspektiven. Manchmal habe ich den Eindruck, um es einmal so zu formulieren, dass noch nie so viel Licht erzeugt wurde wie heute und dass es dennoch in unserer Welt immer dunkler wird, dass noch  nie so viel Überfluss produziert wurde und wir doch verarmen im Wesentlichen.

Mehr denn je brauchen wir deshalb menschenfreundliche Haltungen und Visionen, in denen sich die Ehrfurcht vor dem Menschen und der Natur spiegelt. Geschichte und Gegenwart lehren uns – gerade die Gegenwart! –, dass Wirtschaftssysteme zu Problemen führen, die nicht allein wirtschaftlich lösbar sind, und die Politik steht vor Aufgaben, die nicht allein politisch erfüllt werden können. Wirtschaft und Politik verfügen über Macht, aber Religionen verfügen über etwas Stärkeres, nämlich über Einfluss, über Einfluss auf die Bewahrung der Schöpfung zum Beispiel.  Man kann sich auf Konferenzen einigen, doch solange diese Überzeugungen nicht in den Köpfen und Herzen der Menschen Platz finden, haben sie keine Kraft. 

Die jüdisch-christliche Tradition ist von einem Gespür der Ehrfurcht gegenüber Menschen und Natur erfüllt. Sie lehrt uns Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen und übrigens auch das Wissen, dass wir nicht alles tun sollten, was wir tun können. Die Kirche hilft, die ethischen Dimensionen des ökonomischen und politischen Handelns zu stärken. Sie hilft, Politik und Gesellschaft mit einem doppelten Blick zu sehen: mit der Sorge für das Ganze und mit der Achtung des Besonderen.

Meine Damen und Herren, in diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Sie in Bremen gute Tage erleben, dass die Hoffnung spendende Kraft des Glaubens Sie stärkt in Ihrem Engagement und in Ihrem Einsatz für die Menschen.

Vielen Dank und alles Gute für Ihre Tagung.



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