Grußworte

7. Tagung der 10. Synode der EKD, Bremen, 02. - 05. November 2008

Grußwort der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Franz-Josef Bode

02. November 2008

Sehr geehrter Herr Bundesminister, sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Frau Präses, sehr geehrter Herr Ratspräsident, liebe Schwestern und Brüder in Christus! Es ist mir eine ganz besondere Ehre, Sie als Bischof von Osnabrück, in dessen Bistum Ihr Tagungsort Bremen liegt, zu begrüßen. Ich hoffe, dass Sie sich nicht nur in der Stadt, sondern auch in unserem Bistum wohlfühlen. Auch im Namen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, darf ich Sie herzlich begrüßen.

Sie sind an einem Ort, an dem vor wenigen Jahrzehnten das ökumenische Miteinander alles andere als leicht war, vor allem für uns Katholiken. Umso mehr freue ich mich, dass sich die Zeiten radikal verändert haben, und wir uns gerade in  Bremen um ein gemeinsames christliches Zeugnis bemühen, und das in einer Umgebung, in der die großen Kirchbauten zwar noch deutlich auf ein christliches Leben hinweisen, die aber bei weitem nicht mehr einfach christentümlich geprägt ist. Das Miteinander der Religionen und Kulturen ist eine gemeinsame Herausforderung, ebenso wie die Situation, dass es hier keinen Religionsunterricht an den Schulen in Mitverantwortung der Kirchen gibt.

Das alles hat aber gerade in den letzten Jahrzehnten zu einer sehr positiven Zusammenarbeit geführt, von der ich mich noch vor kurzem bei meiner derzeitigen Visitation in Bremen überzeugen konnte, sowohl durch den Besuch in der Kanzlei der Bremischen Evangelischen Kirche als auch beim Besuch der Geschäftsstelle des Deutschen Evangelischen Kirchentages 2009 mit seinem großartigen Leitwort „Mensch wo bist Du?“. Darin stecken die heute entscheidenden Fragen „Wo bleibt der Mensch vor Gott?“, „Versteckt er sich oder flüchtet er?“ ebenso wie „Wo bleibt der Mensch in unserer Gesellschaft, in seiner Menschenwürde und in seiner Menschlichkeit?“

Die Zusammenarbeit für dieses Ereignis des Kirchentags geschieht in großer Selbstverständlichkeit, so wie wir es umgekehrt so positiv beim Katholikentag in Osnabrück im vergangenen Frühjahr erleben durften.

Auch die alljährlich stattfindende Begegnung der Leitenden Geistlichen von Niedersachsen und Bremen, lutherisch reformiert und katholisch, möchte ich erwähnen. Sie ist zu einer guten Tradition geworden und vollzieht sich theologisch und praktisch, spirituell und menschlich in einem guten Klima, ohne die unterschiedlichen Auffassungen und ungelöste Probleme zu verschleiern oder herunterzuspielen. Der gemeinsame Abend ist schon zu einer guten Tradition geworden.

Klima, das ist das Hauptstichwort Ihrer großen Versammlung, mit dem Sie sich in beeindruckender Intensität und Vielschichtigkeit befassen: Klimawandel, Wasserwandel, Lebenswandel. Dabei müssen uns gemeinsam die globalen Vorgänge genauso berühren wie die klimatischen Verhältnisse untereinander und auch der persönliche Lebenswandel, der persönliche Lebensstil, wenn der globale Klimawandel nicht als unabwendbares Schicksal, sondern als Herausforderung zur Umkehr und zur besseren Gestaltung der Zukunft verstanden werden soll.

Ich erlaube mir, einige Sätze von Papst Johannes Paul II. an die FAO, die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinigten Nationen, vom 13. Oktober 2002 zu zitieren:

Er sagt da: „Das diesjährige Thema ‘Wasser, Quelle der Ernährungssicherheit’ ist eine Einladung, über die Bedeutung des Wassers nachzudenken, ohne dass weder der Einzelne noch die Gemeinschaften leben können. Als unerlässliches Element für die menschliche Tätigkeit ist Wasser ein grundlegender Faktor für die Ernährungssicherheit. Auch dürfen wir nicht vergessen, dass das Wasser – ein in den gemeinschaftlichen Riten vieler Religionen und Kulturen gebrauchtes Symbol –Verbundenheit und Reinigung bedeutet. Aus christlicher Sicht gilt Wasser als Zeichen eines inneren Wandlungs- und Erneuerungsprozesses. Auf seinem symbolischen Wert gründet die Aufforderung, sich der Bedeutung dieses wertvollen Elementes voll bewusst zu sein und folglich die gegenwärtigen Verhaltensweisen zu überprüfen, um heute wie auch in Zukunft zu gewährleisten, dass alle Menschen über die für ihre Bedürfnisse unverzichtbaren Wassermengen verfügen können und dass jeder Produktionsprozess, insbesondere die Landwirtschaft, über die angemessene Zufuhr dieser unschätzbaren Ressource verfügen kann.“

Etwas weiter heißt es: „In der Tat besteht (sonst) die Gefahr, die Schöpfungsordnung und ihre zerbrechliche Harmonie unwiderruflich zu schädigen. Die Weisheit der Bibel erinnert uns daran, ’den Quell des Lebendigen Wassers’ nicht zu verlassen, ’um (sich) Zisternen zu graben, Zisternen mit Rissen, die das Wasser nicht halten. (Jeremiah 2.13) Hierin sehen wir gewissermaßen eine Warnung im Hinblick auf unsere heutige Situation. Mit anderen Worten: Wir werden daran erinnert, dass auch noch so hoch entwickelte technische Lösungen keine Hilfe sind, wenn sie nicht die zentrale Stellung der menschlichen Personen berücksichtigen, die in ihren spirituellen und materiellen Dimensionen der Maßstab aller Rechte ist und daher das richtungweisende Kriterium von Programmen und Politiken sein muss.“

Soweit das Zitat.

Klima und Grundwasserspiegel sind aber auch wichtige Stichworte für unser ökumenisches Klima unter den christlichen Kirchen. Ich persönlich bin nicht der Meinung, dass eine ökumenische Eiszeit angebrochen sei, in der gewonnene Gemeinsamkeit einfriert und erstarrt. Ebenso, denke ich, kann es nicht überhitzte Erwartungen und Auseinandersetzungen geben, die das durch viel Suchen und Drängen Erreichte wieder dahinschmelzen lassen. Und es darf auch nicht zu einer ökumenisch harmlos-unbedeutenden Lauheit kommen gemäß dem Wort der Offenbarung: „Wärest du doch kalt oder heiß! Weil du aber lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Munde ausspeien.“ (Offb 3, 15 f.)

Es kann doch nur um eine gegenseitige Sensibilität von echter Herzenswärme füreinander gehen, um eine Empfindsamkeit statt Empfindlichkeit, in der der Zusammenklang von Ökumene des Kopfes in der Theologie, der Hände im gemeinsamen Handeln und des Herzens, das heißt, des spirituellen und praktischen Miteinanders, gesucht wird und in der sich diese Dimensionen nicht zu weit voneinander entfernen. Oder – um im Bild des Wassers zu bleiben: Der Grundwasserspiegel des Miteinanders ist unbedingt zu halten und zu erhöhen, wenn die gemeinsame Wurzel der christlichen Traditionen und Konfessionen gestärkt werden soll, was Kardinal Kasper oft Fundamentalökumene nennt. Es muss klar und deutlich bleiben, dass uns im Glauben an den Dreifaltigen Gott viel mehr eint als trennt, im Glauben an den immer größeren Schöpfergott, den Vater, an den ins immer Kleinere und Abgründigere gegangenen Erlöser, den Sohn, und an den Heiligen Geist, der der Grund der Einheit und Verschiedenheit zugleich ist.

Es muss auch deutlich bleiben, dass uns mehr eint als trennt in der gemeinsamen Sorge um die Zukunft des Glaubens und um ein gemeinsames christliches Profil in der Gesellschaft, und das auch im Dialog zusammen mit den orthodoxen Kirchen.

Wenn dieser Grundwasserspiegel auf gutem Stand ist, dann müssen Lutherdekade und Paulusjahr nicht zu Reizworten in der Ökumene werden, sondern können uns gegenseitig herausfordern, uns dem Auftrag zu stellen, der uns sowohl aus der Theologie des Paulus als auch aus dem Ereignis der Reformation für heute gemeinsam gegeben ist. Ich jedenfalls würde mich sehr freuen, wenn auf vielen Ebenen das Paulus-Jahr, von Rom ausgerufen, und die Lutherdekade, von Ihnen als wichtige Zukunftsmeile verstanden, dazu führten, sich des Christseins in seiner Weite und Tiefe spirituell, dogmatisch, ethisch und praktisch neu bewusst zu werden.

„Selbstgenügsamkeit und Desinteresse an anderen Christen dürfen keine Kennzeichen dieser Dekade – ich darf ergänzen: auch nicht des Paulus-Jahres – werden. Sie sollte(n) vielmehr Anlass sein festzuhalten, was wir bereits erreicht haben.“ So der Catholica-Beauftragte, Bruder Friedrich Weber von Braunschweig, am 13. Oktober in Zwickau bei der VELKD-Generalsynode, die unter dem schönen Leitwort stand: „Können etwa zwei gemeinsam wandern, sie seien denn einig untereinander?“ (Am 3,3) Für uns sollte in der Katholischen Kirche auch der 50. Jahrestag des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils im Jahr 2015 ein gewichtiger Anlass sein, uns der ökumenischen Aufbrüche dieses Konzils neu zu vergewissern.

Liebe Schwestern und Brüder, auf solchem Grundwasserspiegel christlichen Miteinanders in der Stadt des nächsten Evangelischen Kirchentages und in der Vorbereitung des 2. Ökumenischen Kirchentags in München wünsche ich Ihnen vom Geist Gottes begleitete gute Beratungen und Begegnungen. Uns allen muss daran liegen, dass die Christen als glaubwürdige, überzeugte und überzeugende Menschen in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden, damit wir der großen Vision des Propheten Sacharja immer näher kommen: „In jenen Tagen werden zehn Männer aus Völkern aller Sprachen einen Menschen aus Juda an seinem Gewand fassen, ihn festhalten und sagen: Wir wollen mit euch gehen; denn wir haben gehört: Gott ist mit euch.“ Herzlichen Dank!



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