Wolfgang Huber: Statt „Leben auf Pump’“ Verantwortung für künftige Generationen

Bericht des Rates vor der Synode

02. November 2008

Logo der EKD Für eine gerechte, solidarische und nachhaltige Neuordnung der Finanzmärkte hat sich der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, ausgesprochen. Im jährlichen Bericht des Rates vor der Synode der EKD warnte Huber vor den Folgen eines „Leben auf Pump“. Im Bereich der Staatsfinanzen, der Energieressourcen und im Finanzwesen werde bereits jetzt das Erbe einer künftigen Generation verspielt. Die ethische und rechtliche Verantwortlichkeit der Akteure sei ebenso notwendig wie die Schaffung von rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen, „die derart zerstörerisches Handelns aus Gewinnsucht wirksam verhindern.“ Er rief die Handelnden auf, sich auch öffentlich ihrer Verantwortung zu stellen. „Verantwortung zu übernehmen für das eigene Handeln und dieses Handeln in einer nachhaltigen Weise an der nächsten Generation auszurichten – auf diesen beiden Grundsätzen liegt angesichts der Finanzmarktkrise ein besonderes Gewicht.“

Huber erinnerte daran, dass Investmentbanker noch vor kurzem als Lichtgestalten des globalen Finanzsystems gefeiert wurden. Aber die „Gier nach Geld beschleunigte das Tempo, in dem sich der Tanz um das Goldene Kalb vollzog.“ Diese Gier habe schließlich einen Strudel erzeugt, der Volkswirtschaften und Einzelexistenzen in die Tiefe reiße. „Die ‚Herren des Universums’ brachten ihr eigenes Gebäude zum Einsturz.“ Jesus habe am Beispiel des reichen Kornbauern der Habgier eine Absage erteilt. Der Kornbauer habe für seine gute Ernte größere Scheunen gebaut, aber nicht an die Endlichkeit des eigenen Lebens und die Unverfügbarkeit der Zukunft gedacht.

Huber verwies auf die im Sommer veröffentlichte Denkschrift „Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive“, die die Auswirkungen kurzfristiger Renditemaximierung beschreibt. Die Kirche sei der Option für die Armen verpflichtet. Das beinhalte die Überzeugung, dass sich die Stärke eines Gemeinwesens daran bemesse, wie es sich zu seinen schwächsten Gliedern verhält. Deshalb sei die Frage legitim, „wie sich ein milliardenschwerer Schutzschild für die Banken zur Einsatzbereitschaft unserer Gesellschaft für Hartz IV-Empfänger verhält“.

Im Umgang mit der Natur, so der Ratsvorsitzende im zweiten Teil seines Berichtes, sei eine Haltung der Verantwortlichkeit und der Nachhaltigkeit bereits in den biblischen Schöpfungserzählungen vorgezeichnet, denn der Mensch erhalte von Gott den Auftrag, die Erde zu bebauen und zu bewahren und sich darin als „verantwortungsfähiger Stellvertreter der fürsorgenden Herrschaft des Schöpfers“ zu erweisen. Ein wichtiges Beispiel für die notwendige Verantwortungsbereitschaft und Nachhaltigkeit sei die Lagerung radioaktiver Abfälle. „Die Entsorgungsfrage ist nicht gelöst.“ Es sei kein Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung, angesichts des Klimawandels für eine verlängerte Laufzeit von Atomkraftwerken zu plädieren. „Eine Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken löst nicht das Problem, sondern verschärft es, weil dadurch die Menge der radioaktiven Abfälle, die endgelagert werden müssen, weiter anwächst.“ Huber sprach sich für eine verstärkte Nutzung erneuerbarer Energien und für den sparsamen Umgang mit Energie aus.

Der Ratsvorsitzende sprach auch den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan an. „Wir begleiten den Einsatz von Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan mit großer,  ja auch mit wachsender Sorge.“ Der Militäreinsatz sei zu lange nur an der Abwehr des Terrorismus ausgerichtet gewesen, der zivile Wiederaufbau, die Reformen bei der Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit traten dahinter zurück. In der Folge sei ein Ende dieses Einsatzes unabsehbar. Huber dankte der Seelsorge in der Bundeswehr für die Weise, wie sie in dieser schwierigen Situation ihre Aufgabe wahrnehme.

Bremen, 02. November 2008

Pressestelle der EKD
Silke Römhild

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