Hochspannung in Ulm

Salami(taktik) à la Synode: Heute wird der neue Rat gewählt

27. Oktober 2009

„Der erste Wahlgang wird gerade ausgezählt – das ist total spannend!“ Aufregung auf der Damentoilette im Ulmer Congresszentrum. Der neue Rat wird gewählt. Wer schafft es beim ersten Durchgang? Spekulationen wabern bis zur letzten Minute. Hinter den Kulissen zeigen die Synodalen Nerven, nach außen überwiegt gelassene Heiterkeit. Großes Gelächter im Plenum, als die Wahlhelfer die Stimmzettel einsammeln und beinahe die zwei Stimmberechtigten übersehen, die sich zum Ankreuzen in ein ruhiges Örtchen zurückgezogen hatten (ja, auch in Ulm gab es Wahlkabinen). Dankbares Lachen auch als Vizepräses Eberl die Pause vor Verkündigung des Ergebnisses des berühmten ersten Wahlgangs überbrückt mit dem Hinweis: „In Osteuropa hieß es früher: Nicht wer wählt, ist entscheidend, sondern wer auszählt – das darf nicht sein.“

Und doch richten sich jetzt erst einmal alle Augen – auch die Besuchertribüne ist so vollbesetzt wie nie – auf die Wahlhelfer, die, nachdem alle Synodalen ihre Kreuze gemacht haben, mit den Holzurnen ausziehen. Nur mit Mühe sind Fernsehkameras von ihnen fernzuhalten. Hochspannung in Ulm: 145 Wahlberechtigte haben ihre Stimmen abgegeben für die Besetzung des neuen Rates; 21 Personen stehen zur Wahl. Eines der Mitglieder, die Präses der Synode, ist bereits gesetzt, 14 Namen durften somit zunächst angekreuzt werden. Ein Kandidat benötigt zwei Drittel der Stimmen (also 97), um in den Rat einzuziehen; entsprechend der Zahl der Personen, die im ersten Wahlgang gewählt werden, ist die Zahl der Stimmen, die die Synodalen im zweiten machen dürfen, geringer. Drei Wahlgänge gibt es zunächst, dann wird die Liste der Kandidaten überarbeitet: Rückzüge sind ebenso möglich wie die Nominierung neuer Ratswillger.

Und dann ist sie endlich vorbei, die erste Pause. Alles schaut auf Elke König. Das Präsidiumsmitglied wird verkünden. Sie hat keinen Briefumschlag in der Hand, sondern eine schlichte Liste; trotzdem ist es so still, wie es in dem Saal nur sein kann. Was Elke König sagt in den folgenden Minuten, sind Namen und Zahlen. Aber dann kommt die Zahl. 103. 103 ist eine Sensation: 103 Stimmen für Margot Käßmann. Keiner der übrigen Kandidaten hat eine Zweidrittelmehrheit erreicht. Hat es ein Ergebnis in dieser Deutlichkeit schon einmal gegeben?

Das Blitzlichtgewitter lässt nicht auf sich warten. Die Synodalen klatschen, erheben sich. Kaum sind die übrigen Ergebnisse verlesen, geht es weiter mit dem Applaus. Erste Gratulanten schütteln der Hannoverschen Landesbischöfin, die sich die Augen wischt und immer wieder kurz verbeugt, die Hand, nehmen sie in den Arm.

Käßmann ist nicht die letzte Gewählte heute. Lang wird der Tag in Ulm. Wahlzettel werden verteilt und so gewissenhaft ausgefüllt wie auch die Pausen, die zwischen jedem Wahlgang entstehen. Die Grundordnung muss geändert werden, ein neues Schwerpunktthema für die nächste Synode ist festzulegen. Zäh vergehen die Minuten, immer wieder wird die inhaltliche Diskussion von neuen Wahlergebnissen unterbrochen, und es ist zu spüren: Jedes neugewählte Ratsmitglied wird erleichtert begrüßt. Und alle sind froh, immer wieder mal aufstehen und applaudieren zu dürfen. Soll keiner sagen, dass die Synode nicht in Bewegung ist.

Die 2. Tagung der 11. Synode der EKD in Ulm

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