Grußworte
2. Tagung der 11. Synode der EKD, Ulm, 25. bis 29. Oktober 2009
Grußwort des Vertreters der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB) (schriftlich)
Grußwort des Vertreters der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB)
Überbringung von Grüßen von der Leitung der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (EKLBB) an die Synode der EKD.
Ich möchte einige Gedanken zum Thema der Synode der EKD „Ehrenamtliches Engagement in Kirche und Gesellschaft“ aus unserer Perspektive einbringen, die weitgehend mit Ihrer Reflexion übereinstimmen.
Liebe Gemeinschaft der EKD-Synode, es ist nach den biblischen Texten und den Erfahrun-gen der Gemeinden klar, dass das christliche Ethos sich in doppelter Weise auf die Men¬schen bezieht: in den Gemeinden und in der Gesellschaft. Der diakonische Dienst an die Menschen hat einen öffentlichen Charakter, weil er sich eben auch öffentlich an alle Men¬schen richtet. Christliches und politisches Ethos zielen auf ein Gemeinsames. In unserem viergliedrigen Amtsverständnis in der EKLBB – diakonisches, katechetisches, missiona¬risches, pastorales – hat unsere Kirche Sorge, dass das Wort Gottes mit der Verkündigung und mit Taten bezeugt wird. Die Gemeinde kann nur den Auftrag Gottes erfüllen durch die Kraft des heiligen Geistes, der die Menschen zu einem Leben im Glauben - die ganze Gemeinde – beruft. Theologisch nennen wir diese Berufung zum Glauben und Liebe „allge¬meines Priestertum aller Glaubenden“ und in der säkularen Sprache Brasiliens „trabalho voluntário“ („freiwillige Arbeit“). Es gibt ein Bild in der Volksweisheit, das diese Arbeit der Freiheit in Zusammenarbeit mit allen Menschen guten Willens beschreibt: eine reiche Person sagte zu einer anderen: „Für kein Geld der Welt würde ich diese (diakonie-ehrenamtliche) Arbeit machen. Die Antwort war: „Ich würde sie auch nicht für kein Geld der Welt machen“.
Aus dem Glauben heraus ist das christliche Ethos ein Ethos der Gnade. Das heißt, dass es nicht nur um ein „gradliniges“ Tun geht, aber um eine Identifikation mit dem anderen in sei¬ner Situation. Es geht um tatkräftiges Engagement für andere und um Verbundenheit. Dieses Engagement zielt darauf ab, Strukturen der Verantwortung und Strukturen der Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu schaffen, die den Menschen zuvorkommen, und nicht das Leben von Leistungskraft abhängig zu machen. (Stichwort: „bedingungsloses Grundeinkommen“). Letztlich kommt es darauf an, dass Gerechtigkeit zum Recht wird gegen das Unrecht der Armut.
Zu diesen Menschen bezüglich des Ehrenamtes gehören Menschen, die in der Anonymität diesen Dienst am Nächsten tun; Menschen in einem anerkannten Ehrenamt; Menschen, die im Hauptamt Menschen mit dem Herzen dienen. Ein wichtiger Gedanke ist, dass im Grunde Diakonie nur in Gemeinschaft effektiv sein kann, wenn Menschen bekräftigt und bestärkt werden für den gemeinsamen Weg. Vielleicht ist es nicht immer verifizierbar, aber jeder Mensch ist zugleich auf unterschiedliche Weise Empfänger - eine auf andere angewiesene Person und andererseits Dienender auf seine Weise in seinem Kontext. Wir sind auch immer Emfänger/Empfängerinnen und sollen Diakonie als Form der Gemeinschaft erfahren. Auch unsere Begabungen sollen wir so wahrnehmen, in dem das, was wir nicht als Begabung haben, Raum schafft für die Begabungen des anderen. Auch wenn wir oft etwas nicht kön-nen, ist es eine Gabe im paradoxen Sinne, dass wir Begabungen von anderen Menschen anerkennen und Gemeinschaft im gegenseitigen Dienst entstehen kann. Ich möchte gerne auch in Kürze unsere Themen mitteilen: Das Thema dieses und des kommendes Jahrs ist: „Missão de Deus – nossa paixão“ – Gottes Mission – unsere Passion“. (Das Wort paixão deutet auf eine Beziehung des Verliebtseins und der Faszination hin); das Leitwort für das kommende Jahr im Blick auf die LWB-Vollversammlung ist die vierte Bitte des Vater Unser: Unser täglich Brot gib uns heute. In diesem Zusammenhang ist es unabdingbar zu erwäh¬nen, dass im kommenden Jahr die Campanha da Fraternidade – eine nationale Kampagne für die Geschwisterlichkeit – ökumenisch sein wird. Jedes Jahr wird diese Kampagne von der Katholischen Kirche durchgeführt. Zum ersten Mal war sie im Jubiläumsjahr 2000 öku-menisch, wie dann nochmal im Jahre 2010. Zusammen mit dem Conic – Nationalrat der Kirchen – wird sie gemeinsam durchgeführt, mit dem Thema: „Wir können nicht Gott und dem Geld dienen“. Damit ist ausgesagt, dass das Leitwort „Unser täglich Brot gib uns heute“ mit der Finanzkrise zusammen gedacht wird. Gerade weil die Krise eine Krise der Geldwirt-schaft ist und mit der Frage der Verschuldung unmittelbar zusammenhängt.
Diese Konstellation von Themen bringt unser Verständnis von integraler Mission – als Inbe-griff von unserem Verständnis von Diakonie - zum Ausdruck. Die Verkündigung des Evange-liums geschieht auch durch das Zeugnis des Evangeliums in Diakonie, mit einer gesell-schaftsgestalterischen Kraft. Zwar sind die Aufgaben von Kirche und Staat differenziert, aber die Gemeinden und die Kirche haben in der Diakonie als Dienst an den Menschen eine pro-phetische Aufgabe, und dies gegen ein Denken in Sphären, das oft ein Rückzug aus der Gesellschaft begründen möchte.
Wir danken herzlich für die Einladung, an der Synode teilzunehmen und bleiben verbunden in der Partnerschaft für das Evangelium an verschiedenen Orten der Erde, in Gebet und Zusammenarbeit. Gott segne die Arbeit der EKD und der Landeskirchen in Deutschland.
Pfr. Dr. Silfredo Bernardo Dalferth
Ökumenischer Mitarbeiter der Württembergischen Landeskirche – Dienst für Mission Öku-mene und Entwicklung
(Vertretung der EKLBB im Auftrag der Kirchenleitung und von Präsident Dr. Walter Altmann)
