Grußworte

2. Tagung der 11. Synode der EKD, Ulm, 25. bis 29. Oktober 2009

Grußwort der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien - Chiesa Evangelica Luterana in Italia - (schriftlich)

25. Oktober 2009

Sehr verehrte Frau Präses,
Hohe Synode,

verbunden mit meinem herzlichen Dank für die alljährliche und freundliche Einladung an die Vertreter der Evangelisch Lutherischen Kirche in Italien (ELKI) zur Teilnahme an Ihrer Synode überbringe ich Ihnen die Grüße der Synodalpräsidentin, Dr. Christiane Groeben, und des Konsistoriums unserer Kirche.

Die ELKI blickt in diesem Jahr auf 60 Jahre ihrer Konstituierung zurück. Am 16. und 17. Oktober 1949 fand in Florenz der Zusammenschluss von zunächst neun der damals existieren¬den Gemeinden zur Evangelisch Lutherischen Kirche in Italien statt. Im Laufe der Jahre haben sich weitere Gemeinden angeschlossen (zuletzt erfolgte der Beitritt der bis da¬hin unabhängigen Evangelischen Gemeinde Meran), neue sind entstanden (Verona und Turin), so dass wir im Jahre 2009 den Kreis von 15 ausfüllen. Wir haben auf unserer Synode in Rom im Frühjahr 2009 gemeinsam mit zahlreichen Ökumenischen Gästen an den Gründungsvorgang erinnert, vor zwei Wochen in Florenz dann mit einem Symposion und einer Begegnung aller Kirchenleitenden Gremien im Innern der Kirche den „Geburtstag“ gefeiert.

Bei den rückblickenden, bewegenden Berichten aus der Entstehungszeit, den späten 40er Jahren - also mitten im Nachkriegseuropa - wurde uns allen klar, welch mutiges und unge-wöhnliches Unterfangen die damalige Gründung der ELKI bedeutete: wo die Dächer der Häuser und Kirchen vom Krieg abgedeckt worden waren, fanden sich vormals unabhängige Organe unter dem Dach einer Leitung zusammen. Heute stellt sich die ELKI in Europa als Partner dar, der die meisten Auslandsgemeinden vereint und zugleich eine eigenständige nationale Institution ist.

Die Gründung der ELKI war seinerzeit eine Abkehr von der Evangelischen Kirche in Deutschland, deren damaliger Leiter des kirchlichen Außenamtes Martin Niemöller nach einem Besuch in Meran und Bozen von der Einrichtung einer selbständigen europäischen Auslandskirche ausdrücklich abgeraten hatte. In Unterstützung  durch den  Lutherischen Weltbund hat sich die ELKI seinerzeit dennoch gegründet. Sie hat eine wechselvolle Geschichte im Kontakt mit der EKD erlebt; eine Beziehung, die nicht immer leicht war.

Heute blicken wir auf ein Vertragswerk zwischen beiden Kirchen, das seine Ursprünge in den frühen 50er Jahren hat. Die Zeit der Kirche ist eine Zeit des Wandels; so ist auch unser Verhältnis immer wieder durch neue Impulse zur Zusammenarbeit modifiziert worden. Wesentliche Grundlage der vertraglichen Vereinbarungen ist die Bereitschaft der Gliedkirchen der EKD, über die Vermittlung des Außenamtes bei der Ausschreibung und Besetzung unserer Pfarrstellen maßgeblich aktiv zu sein. Ebenso bei der nachfolgenden Begleitung der Pfarrerinnen und Pfarrer in Fürsorge und Fortbildung. Gerade in einer Zeit, in der die Kosten für Dienst und Verkündigung eher als Last denn als Gnade erlebt werden, muss dem mit großer und herzlicher Dankbarkeit geantwortet werden, was ich hiermit ausdrücklich und gern tue.

Die Bereitschaft zur Entsendung von Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland garantiert geschwisterliche Nähe und Mitverantwortung für das Leben protestantischer Christen in Südeuropa, von der unsere Gemeinden in Italien profitieren. Ohne diese Garantie hätten wir unlösbare Probleme bei der Besetzung unserer Pfarrstellen. Der Bestand an eigenen Kräften ist in der ELKI derzeit noch gering.  Darum bitte ich die Verantwortlichen auch weiterhin mit Umsicht und partnerschaftlichem Wohlwollen diesen Dienst zu fördern. Wir werden im kommenden Frühjahr 2010 drei Stellen neu zu besetzen haben.

In jüngerer Vergangenheit haben wir eine neue Verhältnisbestimmung zwischen unseren beiden Kirchen vorgenommen, die durch einen für die ELKI entscheidenden Schritt begrün¬det war: den Abschluss der Intesa, des Vertrages zwischen der Italienischen Republik und unsere Kirche.

Nicht zuletzt aufgrund der damit seit 1949 angestrebten Autonomie und gesellschaftlichen Verortung in unserem Gastland, die auch eine Partizipation an den in Italien erhobenen Steuern einschließt, sind wir heute in der Lage, durch eine starke finanzielle Beteiligung an den Kosten, die durch die Entsendung von Pfarrerinnen und Pfarrern nach Italien entstehen, auch anderen mit der EKD in Verbindung stehenden Gemeinden in Europa zu helfen. Darüber hinaus unterhalten wir gemeinsam mit der Waldenser-Fakultät, der GEKE und der EKD das Ökumenische Studienzentrum Centro Melantone in Rom; ein erfreuliches und prominentes Zeichen zwischenkirchlicher Verbindung, das dem wichtigen Ansinnen der theologischen Nachwuchsförderung dient und regelmäßig gut ausgelastet ist.

Ein weiterer Punkt der Verbundenheit zwischen EKD und ELKI betrifft die Ökumene.

In einem der ersten Paragraphen unseres Vertrages heißt es: „Die EKD bezieht bei ihren ökumenischen Kontakten, soweit sie den Bereich der ELKI und ihrer Gemeinden betreffen, die ELKI, ihre Gemeinden und ihre Pfarrer und Pfarrerinnen in angemessener Weise ein.“

Sie können sich vorstellen, liebe Schwestern und Brüder, dass der Einsatz für die Ökumene zwischen der römisch-katholischen Kirche und den Kirchen der Reformation in Italien, dem Land des Papstes, eine besondere Herausforderung bedeutet. Sie mögen ermessen, dass diese Beziehung in den Jahren unseres Bestehens in besonderer Weise gewachsen ist und vor Ort ein mitunter labiles Gleichgewicht hat. Es ist gut, wenn Sie an dieser besonderen Aufgabe unserer Kirche Anteil nehmen; es ist förderlich für die Führung des Dialoges, wenn Gespräche koordiniert, Besuche bekannt gegeben und so eine gegenseitige Anteilnahme an diesem nicht leichten Werk erfolgen kann. Wir sind dafür immer offen und freuen uns, Ihnen als Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen und Sie gern auch als Gastgeber willkommen heißen zu dürfen.

In diesem Sinne spreche ich schon heute eine herzliche Einladung an das Synodalpräsidium und den neu zu bildenden Rat und seine Vorsitzenden aus, uns in Rom oder einer der ELKI-Gemeinden zu besuchen.

Ich betrachte es als eine besondere Gelegenheit, dass ich aus Anlass der bevorstehenden Wahl des Rates der EKD und ihrer Vorsitzenden bei Ihnen sein kann. Leider werde ich das Ergebnis nicht direkt mit Ihnen erleben können, da ich vorzeitig nach Rom zurück muss. Ich wünsche Ihnen darum umso mehr bei Ihren Entscheidungen Gottes guten Geist und menschliche Offenheit für das in dieser Stunde für die Evangelische Kirche in Deutschland Geratene.

Meine freundlichen Gedanken begleiten Sie alle und ich entbiete Ihnen herzliche Segenswünsche mit dem Biblischen Votum, das die 60 Jahre ELKI in diesem Jahr begleitet:

„Die Gott suchen, denen wird das Herz aufgehen.“ (Psalm 69,33)

Holger Milkau, Dekan



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