Grußworte

2. Tagung der 11. Synode der EKD, Ulm, 25. bis 29. Oktober 2009

Grußwort des Bischofs der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Dr. Gebhard Fürst

28. Oktober 2009

Gebhard Fürst

Sehr geehrte Präses der Synode Frau Göring-Eckardt,
verehrte Synodale,
sehr geehrte Anwesende,
Schwestern und Brüder im Glauben!

Es ist eine gute Tradition, dass zu Grußwort und Gratulation der katholische Bischof der Diözese eingeladen wird, in deren geographischen Raum die Wahl des jeweils neuen Rates der EKD und des Ratsvorsitzenden stattfindet. Es ist auch mir deshalb Freude und Ehre, hier in Ulm, einer Stadt lebendiger, gelebter Ökumene den neu gewählten Mitgliedern des Rates der EKD und der neuen Ratsvorsitzenden die herzlichen Glück- und Segenswünsche der Deutschen Bischofskonferenz zu überbringen. Ich tue dies besonders gern als Bischof einer Diözese, in der sich die ökumenische Zusammenarbeit über Jahrzehnte gut entwickelt und bewährt hat und so nicht nur beste Kontakte zwischen der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der Württembergischen Landeskirche und auch der Badischen bestehen, sondern auch eine mitbrüderliche  Atmosphäre unser Miteinander prägt. Gerade auch dafür bin ich - wir die Katholiken und  - wie ich weiß – auch die Evangelischen Christen in Württemberg - dankbar. Auch zwischen der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland bestehen in Jahrzehnten gewachsene, gute, gefestigte und auch belastbare ökumenische Beziehungen. Beziehungen, die auch schwierigen Situationen, wie sie zwischen Partnern vorkommen, standhalten. Ich danke, dass entstandene Irritationen ausgeräumt sind!

So gilt mein besonderer Gruß und Glückwunsch Ihnen, verehrte Bischöfin, Frau Dr. Margot Käßmann, als der neuen Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland. Ich beglückwünsche Sie zur überwältigenden Mehrheit Ihrer Wahl! Sie sind natürlich auch für die Katholische Kirche längst keine Unbekannte. Wir kennen und schätzen Sie als ökumenische Gesprächspartnerin, spätestens seit Ihrer Tätigkeit als Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages in den Jahren1994-1999, dann aber natürlich auch nach ihrer Wahl zur Bischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover. In Ihrer Dissertation zum Thema „Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche“ haben Sie sich bereits 1989 intensiv mit der Auswirkung dieser auch gegenwärtig zentralen Thematik für die Kirche selbst in ihrer gesellschaftlichen Relevanz beschäftigt und Ihre Überlegungen zugleich in den Horizont des ökumenischen Dialogs gestellt.
Und mein Glückwunsch gilt auch an den Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, zur Wahl zum Stellvertretenden Ratsvorsitzenden!

Sehr geehrte Frau Ratsvorsitzende, sehr geehrte Ratsmitglieder, Sie stehen in den nächsten sechs Jahren in Verantwortung in der Vertretung der evangelischen Christen in der Öffentlichkeit und für die Positionierung in Fragen des christlichen, religiösen und gesellschaftlichen Lebens und besonders auch der Ökumene. Das ist in Zeiten verschiedenartiger Umbrüche, in denen wir uns gemeinsam befinden, eine anspruchsvolle Aufgabe, für die ich Ihnen allen Gottes Geist, Gottes Segen wünsche. Sie haben dabei die Unterstützung der Synodalen, der Leitungen der Landeskirchen und der vielen Gläubigen, denen das kirchliche Leben und der christliche Glaube am Herzen liegt. Ich wünsche Ihnen allen eine glückliche Hand und den Beistand des Gottesgeistes!

Was die Zukunft der Ökumene angeht, so wurde darüber in den vergangenen Wochen ja aus aktuellem Anlass verschiedenes geschrieben. Lassen Sie mich sagen, dass ich persönlich im Blick auf die Feier des 10. Jahrestages der Einigung in Grundfragen der Rechtfertigungslehre am kommenden Wochenende eine eigene Empfindung habe. Diese Feier, die wir auch zusammen mit den Methodisten gemeinsam begehen, empfinde ich als Geschenk. Es zeigt, dass es auf dem ökumenischen Weg zwar Probleme gibt, die den Weg beschweren. In gemeinsamer und partnerschaftlicher Anstrengung war und ist es aber möglich, selbst gravierende Fragen auf Einheit hin zu behandeln und auf dem Weg zu bleiben. Ich möchte uns allen dabei einen Vers aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper mit auf den gemeinsamen Weg geben, der mir ans Herz gewachsen ist und in dem es wie in einer Grundregel christlichen Handels heißt. „In Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen.“ (Phil 2,3f)

Das kann und muss mit dem Völkerapostel Paulus auch gelten im Bewusstsein der theologischen und ekklesiologischen Differenzen, die das gemeinsame Glaubenszeugnis belasten. Denn wir wissen doch, dass unsere Gemeinsamkeiten und unsere Gemeinschaft im Glauben größer sind als das Trennende. Manchmal habe ich allerdings den Eindruck, dass wir ökumenisch schon weiter waren. Ich würde mich im Glauben freuen, wenn wir z.B. diese paulinische Exhortatio in einer gemeinsamen Übersetzung unserer Heiligen Schrift lesen, hören und uns sagen lassen könnten!

Ich halte es für unerlässlich, dass wir Christen uns in einer sich verändernden Welt wechselseitig mit Wohlwollen betrachten und mit Wertschätzung begegnen im dankbaren Wissen, was wir aneinander haben und wozu wir miteinander als Getaufte berufen sind.

Mit dem Ökumenischen Kirchentag im nächsten Jahr in München stehen wir vor einem Ereignis, das uns die große Chance bietet, ausgehend vom gemeinsamen Taufbekenntnis, unseren Glauben zu bezeugen und über die Kirchen hinaus als Salz der Erde und Licht der Welt den christlichen Beitrag zum gesellschaftlichen zusammenleben zu verdeutlichen und fruchtbar zu machen; damit die Menschen Hoffnung haben und die Hoffnung nicht Schaden leidet, weil wir Brüder und Schwestern streiten. Ich hoffe sehr, dass der Ökumenische Kirchentag zu einem wirklichen Fest des Glaubens und zu einer Sternstunde des Zeugnisses von der Hoffnung wird, die die Menschen brauchen wie das Wasser gegen den Durst.

Ich bin gewiss, dass mit dem neuen Rat die guten wechselseitigen Beziehungen zwischen der Deutschen Bischofkonferenz und der Evangelischen Kirche in Deutschland fortgeführt werden. Für die Deutsche Bischofkonferenz kann ich Ihnen versichern, dass wir mit Ihnen auf dem Weg pilgernder Kirche in der Zeit und durch die Zeit gehen.

Sehr geehrte Frau Ratsvorsitzende, sehr geehrte Ratsmitglieder, nochmals gratuliere ich Ihnen zu Ihrer Wahl ausdrücklich auch im Namen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch. Ich wünsche Ihnen für die Wahrnehmung ihrer Aufgabe alles Gute und stets Gottes reichen, inspirierenden und begleitenden Segen. Mögen Sie in all Ihren Entscheidungen die Führung durch Gottes Geist erfahren und bewahren!

Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern einen Geist der Besonnenheit und der Kraft (2 Tim 1,7): Gehen wir den Weg miteinander. Lassen wir nicht voneinander! Ut omnes unum sint! (Joh 17,11)

Dr. Gebhard Fürst, Bischof



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