Grußworte
2. Tagung der 11. Synode der EKD, Ulm, 25. bis 29. Oktober 2009
Grußwort der Konferenz Europäischer Kirchen (schriftlich)
25. Oktober 2009
Sehr geehrte Frau Präses,
Hohe Synode!
Es ist mir eine Freude, die Synode im Namen der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) zu grüßen. Ich bin dankbar über Ihre Einladung und freue mich, an Ihren wichtigen Beratungen teilnehmen zu dürfen.
Die KEK feiert in diesem Jahr ihr 50jähriges Jubiläum. Gleich zu Anfang möchte ich meinen Dank für die unentbehrliche Unterstützung, die die KEK seit ihrer Gründung 1959 von der EKD empfangen hat zum Ausdruck bringen. Von ihren ersten Anfängen an war sich die KEK dessen bewusst, dass Vertreter und Vertreterinnen der EKD bereit waren, im Leben unserer Organisation eine entscheidende Rolle zu spielen. Wir konnten uns für alle unsere Vorhaben auf die unermüdliche und freundschaftliche Unterstützung durch den Rat der EKD sowie durch die einzelnen Landeskirchen verlassen. Dafür sind wir zutiefst dankbar.
Im Juli dieses Jahres fand in Lyon die 13. Vollversammlung der KEK statt. Dabei haben wir zurückblickend gemeinsam mit unseren Mitgliedskirchen Gott für das gedankt, was in den letzten 50 Jahren möglich gewesen ist. Uns war aber auch klar, dass diese Vollversammlung neue und deutliche Impulse für unsere zukünftige Arbeit geben musste. In den Monaten und Wochen vor der Vollversammlung, haben wir jede unserer Mitgliedskirchen gebeten, ihre eigenen Vorschläge zu den zukünftigen Prioritäten für die Arbeit der KEK in den kommenden Jahren zu machen. Viele Mitgliedskirchen, darunter die EKD haben diese Gelegenheit genutzt. Zwei besondere Leitmotive waren in allen Reaktionen aus unseren Mitgliedskirchen zu erkennen: Erstens, dass die KEK in der Zukunft in ihrer Arbeit eine größere Kohärenz zeigen soll; zweitens, dass die KEK ihre wichtigsten strategischen Ziele unmissverständlich benennen soll.
Die Mitglieder der Vollversammlung haben diese Impulse aufgenommen und entschieden, dass die KEK als ganze Organisation in der Zukunft klar unter vier Schwerpunktthemen arbeiten wird:
1. Vertrauen und Verpflichtung,
2. Dialog und Stärkung der Beziehungen,
3. Kohärenz und klares Profil,
4. Zeugnis und Verantwortung.
Unter diesen Themen muss die zukünftige und gemeinsame Arbeit der KEK- Programme auf die Erreichung klarer und ausgewählter strategischer Ziele ausgerichtet werden.
Infolge einer Initiative der EKD wurde ein weiterer wichtiger Schritt für die Zukunft der KEK in Lyon entschieden. Erneuerung wird in den kommenden Jahren auch für die KEK ein Thema sein. Bis Ende 2011 wird eine aus 15 Mitgliedern bestehende Arbeitsgruppe eine Evaluierung und Revision der KEK als ganze vornehmen. Diese Gruppe, schon in Lyon eingesetzt, wird sich mit einer gemeinsamen Vision und der Festlegung strategischer Ziele beschäftigen, sowie mit der Frage, welche Strukturen zur Erreichung dieser Ziele am besten und in Übereinstimmung mit den Wünschen und Bedürfnissen der Mitgliedskirchen dienen würden.
Die kommenden Jahre werden also für die KEK entscheidend sein. In den kommenden Jahren müssen wir uns aber nicht nur mit unseren internen Strukturen beschäftigen. Hier ist die Botschaft der Vollversammlung ganz klar: „Die Herausforderung, die die Vollversammlung allen Mitgliedskirchen stellt, ist die kühne Botschaft der Hoffnung – einer
Hoffnung, die nicht nur in leeren Worten Ausdruck findet, sondern in Taten und einem leben-digen Glauben.
Wir bekräftigen, dass die Kirchen sich für Gerechtigkeit einsetzen müssen und den Mächtigen die Wahrheit sagen müssen! Es geht darum, die Mauern zwischen Menschen, Kulturen und Religionen niederzureißen und darum, zu lernen, Gottes Ebenbild in „den Anderen“ zu erkennen. Es geht darum, andere Menschen nicht nur zu tolerieren, sondern zu respektieren.
Und vor allem geht es darum, neue Wege zu finden, unsere Solidarität mit den Ärmsten unter uns und in anderen Teilen der Welt zu zeigen”. Das ist unsere Aufgabe für die kom¬menden Jahre, unseren Mitgliedskirchen so zu dienen, dass all diese Herausforderungen gemeinsam wahrgenommen werden. Denn was ist im Grunde die KEK? Die Vollversammlung hat es ganz klar ausgesagt:
“Wir glauben, dass die KEK ein Forum für gegenseitigen Austausch und ökumenisches Ler-nen, für Brückenbau und Stärkung der zwischenkirchlichen Beziehungen und für unser gemeinsames Zeugnis darstellt.
Wir glauben, dass die KEK die gemeinsame Stimme der Mitgliedskirchen in Europa
und ein ökumenisches Instrument für anwaltschaftliche Arbeit und Zusammenarbeit
mit den europäischen Institutionen ist.
Wir glauben, dass die KEK eine Plattform für den Dialog mit anderen christlichen Kirchen und anderen Glaubensgemeinschaften in Europa darstellt.
Wir glauben, dass die KEK eine Gemeinschaft ist, die die Vielfalt des Zusammenlebens mit Migranten/innen, Flüchtlingen und ethnischen Minderheiten in ihrem Leben zum Ausdruck bringt”.
Das ist die KEK. Ich danke der EKD, dass besonders Ihre Unterstützung uns ermöglicht, unsere Rolle im Ökumenischen Leben Europas zu erfüllen.
Hohe Synode, möge Gott Sie in allem, was Sie in diesen Tagen unternehmen, reich segnen. Mögen Sie in all ihrem Tun die Führung des Heiligen Geistes erfahren.
The Venerable Colin Williams
Generalsekretär der KEK
