Grußworte

2. Tagung der 11. Synode der EKD, Ulm, 25. bis 29. Oktober 2009

Grußwort des Präsidenten des Rates des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und des Rates der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, Thomas Wipf

26. Oktober 2009

Thomas Wipf

Frau Präses, verehrte Synodale, liebe Freundinnen und Freunde! Ich bringe Ihnen Grüße aus der Schweiz und aus Europa. Das ist nicht unbedingt ein Widerspruch!

Ich grüße Sie im Namen des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und im Namen des Rates der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa zusammen mit dem Generalsekretär Bischof Michael Bünker und auch dem Mitsynodalen Professor Beintker in seiner Eigenschaft als Präsident der GEKE.

Ich darf jetzt aber vor allem im Namen aller ökumenischen Gäste herzlich für die Einladung danken, am ökumenischen Ereignis – Tagung der Synode der EKD, teilzunehmen Wir  sind Vertreter und Vertreterinnen von Schwesterkirchen in Europa und Übersee, aber auch der ökumenischen Organisationen wie Ökumenischer Rat der Kirchen und der Konferenz der Europäischen Kirchen.

Für viele evangelische Kirchen, aber auch für andere christliche Kirchen haben der Kontakt, die Freundschaft und die Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Deutschland sowie ihren Gliedkirchen eine hohe Bedeutung. Seien Sie sich bewusst, verehrte Synodale, verehrte Mitglieder des Rates der EKD und liebe Mitarbeitende in den Kirchenämtern, wie groß die Bedeutung für den europäischen und den weltweiten Protestantismus ist, dass die EKD und ihre Gliedkirchen ihre Glaubens und Organisationskraft mit uns teilen und umgekehrt auch erfährt, dass wir überall auf dem Weg des Glaubens sind, dass Kirchen mit sehr unterschiedlichen und dann doch vielen gemeinsamen Herausforderungen leben.

Für dieses Teilen danke ich Ihnen im Namen der ökumenischen Gäste.

Erlauben Sie mir, dass ich kurz – ein Grußwort soll ja kurz sein und dennoch vielleicht einen brauchbaren Gedanken enthalten – drei Dinge erwähne, die mir ein Anliegen sind.

Erstes Anliegen. Die evangelische Zusammenarbeit in Europa intensiviert sich und bekommt durch das Netzwerk der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa eine neue Qualität und theologisch-gottesdienstliche Tiefe. Das ist ein wichtiger Beitrag zum Gesamten der christlichen Ökumene und übrigens – ein wichtiger Beitrag zur Arbeit der Konferenz Europäischer Kirchen. GEKE und KEK sind keine Alternativen; sie bedingen einander.
Das Ökumene-Modell der GEKE – Einheit in versöhnter Verschiedenheit – trägt. Es bringt lebendige Impulse für die Ökumene bis in den Vatikan. Es ist vor allem auch entwicklungsfähig.

Da möchte ich als Präsident der GEKE den deutschen Kirchen, der VELKD und der UEK – das ist, von außen gesehen, ja die EKD – für ihre Unterstützung herzlich danken.

Die GEKE entwickelt sich nach Osten. Für viele evangelische Kirchen im Osten Europas – Sie wissen das aus Ihren Beziehungen – ist es wichtig, auch evangelisch dazuzugehören. Sie entwickelt sich in den Norden, nach Westen und – das ist uns in der Schweiz ein besonderes Anliegen – in den Süden Europas, um auch die Erfahrungen des mediterranen Protestantismus in unsere Arbeit aufzunehmen. Es gibt bereits eine Gemeinschaft evangelischer Kirchen im Nahen Osten auf der Grundlage der Leuenberger Konkordie. Eine Herausforderung wird global, weltweit bleiben, die, protestantische Weltbünde – auch zur Stärkung des ÖRK – einander anzunähern.

Ich habe ein zweites Anliegen; Die EKD, die deutschen Kirchen und der Lutherische Weltbund gehen auf 2017 zu. Mein Appell: Behaltet Martin Luther nicht für euch allein! Wir haben seinen Schüler, seinen Bewunderer, seinen Weiterentwickler und seinen Globalisierer – ihn, der gesagt hat: Das Evangelium ist von Wittenberg ausgegangen – Johannes Calvin auch mit euch geteilt. Die Reformation heute ist in der Wirkungsgeschichte und in der Erneuerungskraft für die Zukunft der christlichen Kirche nicht an einen Ort und an einen Namen allein gebunden.

Die GEKE hat ein Projekt „Europäische Reformationsstädte“ und will damit zeigen: Die Reformation war eine europäische und bald weltweite Grundbewegung. Darum lasst uns evangelisch gemeinsam auf 2017 zugehen. Wir brauchen ja einen langen Atem bis dahin.

Mein letztes Anliegen. Die letzten Monate und Jahre haben gezeigt, dass wir unter den evangelischen Kirchen das Gespräch über gesellschaftspolitische und ethische Fragen der Zeit über die Landesgrenzen hinaus intensivieren sollten. Es ist eine wichtige Bereicherung, wenn wir frühzeitig miteinander im Gespräch über solche Fragen sind. Es weitet unseren eigenen Horizont. Wir haben in der Schweiz in diesen Wochen eine öffentliche Debatte über Religion, weil wir Ende November über eine Initiative abstimmen müssen, die ein Verbot des Baus von Minaretten in der Bundesverfassung will. Sie können sich vorstellen, was das alles auslöst. Es ist eine Stellvertreterdebatte. Wir haben eine Freidenkerkampagne wie in andern Ländern auch. Wir haben Jungparteien, die die völlige Privatisierung der Kirchen wollen. Die anderen Jungparteien antworten: Jetzt brauchen wir eine Atheistensteuer.

Was lernen wir? Wir können den Menschen, die unsere Kirche ausmachen, viel mehr an öffentlicher Debatte, und Urteilskraft zumuten.
Das gilt auch für ein sensibles und komplexes Thema, das uns, den Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, mit der EKD in einer guten Weise zusammengeführt hat. Das ist das Thema Sterbebegleitung und Sterbehilfe. Gerade da haben wir gelernt: Wir können das nicht mehr nur länderorientiert und kirchenorientiert angehen. Wir brauchen den Austausch. Wir müssen die unterschiedlichen kulturellen und gesetzlichen Voraussetzungen, die öffentlichen Diskussionen zugrunde legen.

Für uns bleibt die Frage: Könnte es sein, dass aus historisch sehr verständlichen Gründen gewisse schwierige Fragen im Bereich Sterbebegleitung und Sterbehilfe in Deutschland nicht gestellt, nicht öffentlich debattiert werden, was dann dazu führt, dass wir als Schweizer Kirchen mit dem Phänomen mit dem unschönen Namen Sterbetourismus konfrontiert werden, das uns sehr belastet. Dafür ist der Grund nicht nur in der Schweizer Gesetzgebung zu suchen, sondern – ich frage – vielleicht auch, weil hier – nochmals: aus verständlichen Gründen – die Fragen, die auch die Menschen hier beschäftigen, nicht gestellt werden.

In allem und zum Schluss, verehrtes Präsidium, hohe Synode! Was Sie als evangelische Schwestern und Brüder hier beraten und entscheiden, hat Bedeutung weit über Ihre Kirche und Kirchen und über Deutschland hinaus. Gott segne Ihr Beraten und Entscheiden. Er segne unser gemeinsames Zeugnis und unseren Dienst für andere.



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