Bericht des Präsidiums der 11. Synode der EKD - Mündlicher Teil (Teil A), Katrin Göring-Eckhardt

2. Tagung der 11. Synode der EKD, Ulm, 25. bis 29. Oktober 2009

Missionarische Kirche

Wenn wir uns selbst klarer Antwort geben können, was uns trägt im Leben und im Sterben, wird uns die Frage nach der Mission nicht mehr kompliziert erscheinen. Denn natürlich will man anderen davon erzählen, was man selbst gefunden und für wahr erkannt hat. Es bedarf keiner Diskussion darüber, ob wir missionieren sollen. Mission ist uns aufgegeben: Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Joh 20, 21) Dahinter kommen wir nicht zurück und warum auch? 

Ja, wir dürfen erzählen, was wir über unseren Glauben zu sagen haben und was wir für wahr halten. Und so, dass es nicht nur den Kopf erreicht, sondern das Herz auch. Vielleicht muss man die schwierigen Dinge eben auch mitunter ganz, ganz einfach sagen. Und es macht gar keinen Sinn, sich über die zu erheben, die sie auch ganz einfach sehen!

Wir können das auch auf jede erdenkliche Weise zun. Heutzutage freilich gern im Internet. Missionarisches Handeln bei Facebook, kein Witz! Wer der Community in euphorischen Kurz-Worten von einem Gottesdienst erzählt oder von einem spirituellen Text kann dort viel Aufmerksamkeit erzielen. Und dann haben wir da noch unsere stärkste Gabe: das persönliche Gespräch. Das ist übrigens auch das, was von uns in besonderer Weise gewollt und erwartet wird. Die Seelsorgerin, den Seelsorger mailt man ja in der Regel nicht an, sondern man geht hin. Und das Hingehen andersherum, zu denen, denen wir erzählen wollen und sollen, das ist richtig und gut. Besser als mit jedem Faltblatt, jeder Zeitschrift, jeder E-Kommunikation. Denn: man kann sich in die Augen sehen! Sie leuchten sehen!

Mission kann laut und direkt oder leise, groß oder klein oder einfach: selbstverständlich sein. Ich finde es nicht schlimm, wenn zu spüren ist, wenn offensichtlich wird, dass es sich um ein christliches Krankenhaus handelt, um einen evangelischen Kindergarten. Im Gegenteil: Es macht mir Sorge, wenn man erst beim Lesen der Selbstdarstellung im Internet drauf kommt.

Nicht jede Form von Mission kann immer von allen geteilt werden, manches Handeln befremdet, irritiert, ist mindestens nicht das eigene. Und natürlich kann auch der offensichtliche oder scheinbare Verzicht auf Mission irritieren. Darüber offen zu reden, auch zu streiten, macht gewiss Sinn. Das können wir so lange aushalten, so lange klar ist, dass wir eine Kirche sind, dass wir zueinander gehören und nach dem Gleichen streben: alle, ob sie sich als aufgeklärt bezeichnen, als traditionsbewusst, liberal, fromm.

Alles Ringen um Wahrheit, alles Streiten um den Glauben, alle Suche nach dem rechten Weg darf uns nicht daran hindern, dies eben auch zu bekennen: Dass wir zueinander gehören und dass wir wollen, dass wir mehr werden. Wenn wir das voneinander sagen können und voneinander tatsächlich wollen, werden wir es als Reichtum empfinden. 
Und wenn wir daran gemeinsam arbeiten, jede und jeder mit seinem Talent und an ihrem Ort; dann wären wir doch Jüngerinnen und Jünger, nicht nur eine lange Woche Synode lang und an den Sonntagen. Eine Kirche, die das kann, sind wir. Protestantinnen und Protestanten, die das tun, ganz sicher auch, nur noch nicht überall genug. Aber: wir arbeiten ja dran.

 



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