Predigten und Bibelarbeiten
2. Tagung der 11. Synode der EKD, Ulm, 25. bis 29. Oktober 2009
Morgenandacht vom 27. Oktober 2009
Rechtsanwältin Sabine Blütchen
27. Oktober 2009
Liebe Schwestern und Brüder! Wir haben uns am Beginn eines Sitzungstages hier versammelt im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Wir wollen Gottes Wort hören, füreinander und miteinander beten und singen.
(EG 447, 1, 2, 7 und 8)
Wie es gute Übung ist, hören wir Losung und Lehrtext. Die Losung für den heutigen Tag steht bei Jesaia im 58. Kapitel: „Brich dem Hungrigen dein Brot.“ Der Lehrtext fin¬det sich bei Lukas im 12. Kapitel: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel su¬chen. Und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“
Die Losung „brich dem Hungrigen dein Brot“ ist der erste Teil eines Satzes, der bei Jesaia im Kapitel über falsches und echtes Fasten steht und der mit den Worten endet: „Und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus.“ Das erwartet in diesem wortwörtlichen Sinne heute niemand mehr.
Anders der Lehrtext. Er ist nicht so handfest, aber: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen, und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr su¬chen“, das ist eine Aussage, der viele Menschen auch heute sofort zustimmen werden, die sie aber vielleicht nicht unbedingt in der Bibel suchen würden. Aber da steht sie, in der Geschichte vom Warten auf das Kommen Christi.
Aber es ist nicht nur eine Geschichte um eine ferne Zukunft, sondern ganz praktisch geht es in dieser Geschichte um treue und gute Verwalter. Dass der Anspruch an Menschen in verantwortungsvollen Positionen hoch ist und auch eingefordert wird, erleben auch Börsenmakler, Unternehmer und Politiker, alle Menschen in leitenden Positionen. Auch für uns als Vertreter unserer Kirchen gilt: Es ist uns viel anvertraut und natürlich fordern die Menschen in unseren Kirchen, in unseren Gemeinden viel, vor allem gute Entscheidungen.
Genau um so solche geht es heute. Wir wählen 14 Ratsmitglieder, die gemeinsam mit der Präses die Aufgabe übernehmen, die Evangelische Kirche in Deutschland zu leiten und zu verwalten, unsere Kirche nach außen zu vertreten usw.: Sie können das im Einzelnen in Artikel 29 ff der Grundordnung nachlesen. Die Aufgaben, die Ratsmitglieder erfüllen müssen, sind umfangreich und wir vertrauen ihnen viel an. Und wir fordern viel: hohen Einsatz an Zeit und Kraft von jeder und jedem Einzelnen, die Bereitschaft, sich auseinanderzusetzen mit den anderen Mitgliedern, mit der Öffentlichkeit und der Synode, sich einzusetzen für die Evangelische Kirche in Deutschland, die Teil der ei¬nen Kirche Jesu Christi ist. Sie werden sich mit vielen drängenden Fragen beschäf¬tigen müssen. Die Vielzahl der Themen hat uns der Bericht des scheidenden Rates anschaulich vor Augen geführt. Es werden neue Fragestellungen dazukommen, denen die Ratsmitglieder sich stellen müssen.
Jede Kandidatin/jeder Kandidat ist bereit, viel zu geben. Sie alle treten mit ihren je eigenen Gaben und Fähigkeiten, Kompetenzen und Erfahrungen an, um sich für unsere Kirche einzusetzen. Wir sind uns bewusst, dass wir unseren Ratsmitgliedern viel aufbürden.
Auch von uns allen hier wird viel gefordert und wir verlangen viel, auch von uns selbst. Aber – und das empfinde ich als befreiend und erleichternd – nach dem Wort aus dem Lukasevangelium wird von denen viel gefordert, denen viel gegeben wurde. Gott hat uns seine Nähe, seine Begleitung und seinen durchaus auch kritischen Geist zugesagt. Wir und auch die Kandidaten wissen, dass sie diese Forderungen eben nicht allein mit ihrer eigenen Kraft erfüllen müssen, sondern die Zusage Gottes haben, dass er die Quelle ist, die Quelle der Kraft und der Freude, die auch mit unseren Ämtern verbunden ist. Wir wissen, dass wir auf seine Barmherzigkeit vertrauen dürfen, wenn unsere menschliche Kraft versagt. In diesem Vertrauen auf Gottes Zusage beginnen wir den Tag und führen wir unser Leben.
Guter Gott, wir danken dir für die Möglichkeit, aktiv an deiner Kirche mitzubauen. Keiner von uns, gleich ob haupt- oder ehrenamtlich tätig, kann seine Aufgaben allein aus eigener Kraft erfüllen. Darum bitten wir dich um deinen Beistand für jede und jeden, besonders für die, die aus ihrem Amt ausscheiden, in dem sie in den letzten sechs Jahren all ihre Kraft zum Wohle unserer Kirche eingesetzt haben; für die, die mit ihrer Stimmabgabe wichtige Entscheidungen zu treffen haben; für die, die bereit sind, ihre Gaben und ihre Zeit für die Aufgaben im Rat der EKD zur Verfügung zu stellen; für die, deren Erwartungen heute enttäuscht werden, und für die Mitarbeitenden, für die dieser Tag besonders lang und anstrengend wird.
(Vaterunser – Lied „Geh unter der Gnade“) – Segen
