Ratsbericht Teil B (schriftlicher Teil) - „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich.“ (Lukas 18,27)

2. Tagung der 11. Synode der EKD, Ulm, 25. bis 29. Oktober 2009

4 Veröffentlichungen und Publizistik

An erster Stelle sei hier der personelle Wechsel in der Pressestelle der EKD erwähnt. Am 26. März wurde Oberkirchenrat Reinhard Mawick als Nachfolger von Oberkirchenrat Christof Vetter in sein Amt als Pressesprecher der EKD eingeführt, das er seit dem 1. Februar wahrnimmt. 

4.1 Veröffentlichungen

- Überblick


Viele Texte, deren Veröffentlichung der Rat der EKD im Berichtszeitraum auf den Weg gebracht hat, sind im vorliegenden Bericht erwähnt oder ausführlich dargestellt worden: Leben mit Demenz. Beiträge aus medizinisch-pflegerischer, theologischer und lebenspraktischer Sicht  (s.o. 2.6), 75 Jahre Barmer Theologische Erklärung. Eine Arbeitshilfe zum 31. Mai 2009 (s.o. 1.3), Wie ein Riss in einer hohen Mauer. Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland zur globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise (s.o. 2.7), Denkschrift: Umkehr zum Leben  Nachhaltige Entwicklung im Zeichen des Klimawandels (s.o. 2.7), Pro und Contra Mindestlohn (s.o. 2.7), Konfirmandenstudie (s.o. 2.9), Kirche und Jugend (s.o. 2.9), Kirche und Bildung – zum Bildungsauftrag (s.o. 2.9), Im Alter neu werden – Evangelische Perspektiven für Individuum, Gesellschaft und Kirche (s.o. 2.9), Soll es künftig kirchlich geschlossene Ehen geben, die nicht zugleich Ehen im bürgerlichrechtlichen Sinne sind? Zum evangelischen Verständnis von Ehe und Eheschließung – Eine gutachtliche Äußerung (s.o. 2.13).

Zwei weitere Publikationen sollen an dieser Stelle ausführlicher vorgestellt werden.

- Soll das Augsburger Bekenntnis Grundbekenntnis der EKD werden? (EKD-Text 101)

Auf dem von der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern im Sommer 2005 in Augsburg anlässlich des 475-jährigen Jubiläums des Augsburger Bekenntnisses veranstalteten Symposium stellte Prof. Dr. Gunther Wenz in einem Vortrag die These auf, dass das Augsburger Bekenntnis sich als Grundbekenntnis der gesamten EKD eigne. Die 10. Generalsynode der VELKD nahm diesen Vorschlag im Herbst 2005 positiv auf. Auf Bitten des Rates der EKD beschäftigte sich daraufhin die Kammer für Theologie mit diesem theologisch anspruchsvollen Thema. Sie hörte dazu Referate von Prof. Dr. Wolf-Dieter Hauschild (Münster), Prof. Dr. Jan Rohls (München), Prof. Dr. Georg Plasger (Siegen) und Kirchenpräsident Thomas Wipf (Bern).

Am 19. Dezember 2008 leitete die Kammer ihr Votum zu dieser Fragestellung an den Rat weiter; in ihm wurden zunächst drei vorgelagerte Fragen beantwortet: „Welchen Sinn hat die Aufnahme von überlieferten Bekenntnistexten in die Grundordnungen und Kirchenverfassungen der einzelnen evangelischen Kirchen ganz allgemein?“, „Wie verhält sich die Grundordnung der EKD als einer Gemeinschaft einzelner evangelischer Kirchen zu den Grundordnungen ihrer Gliedkirchen?“ und „Was würde die Aufnahme des Textes des Augsburger Bekenntnisses in die Grundordnung der EKD bedeuten?“ Als Fazit wurde festgehalten: „Die Kammer für Theologie empfiehlt dem Rat der EKD, das Augsburger Bekenntnis nicht als Grundbekenntnis in die Grundordnung der EKD aufzunehmen.“

Der Rat stimmte diesem Fazit in seiner Sitzung am 27./28. Februar 2009 grundsätzlich zu. Die in dem ursprünglichen Vorschlag deutlich werdende Bereitschaft zu einer Stärkung des ekklesialen Charakters der EKD wurde jedoch ebenso begrüßt wie die dadurch ausgelöste Diskussion über den Sinn und die Notwendigkeit von Bekenntnissen und Bekenntnisschriften. Weil die in der Kammer für Theologie gehaltenen Referate zur Klärung der hier behandelten Frage Wichtiges beitragen, wurden sie zusammen mit dem Aufsatz von Professor Wenz und dem Votum der Kammer für Theologie im Herbst 2009 publiziert.

- Der Gottesdienst. Eine Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis des Gottesdienstes in der evangelischen Kirche

Als letzte Schrift, die vom derzeitigen Rat der EKD veröffentlicht wird, legt der Rat im Oktober 2009 eine Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis des Gottesdienstes in der evangelischen Kirche vor, die in Entsprechung zu den beiden Orientierungshilfen zu Abendmahl und Taufe steht. Unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Michael Beintker erstellte eine Ad hoc-Kommission einen Text, der gleichermaßen für Pfarrer und Pfarrerinnen, für Presbyterien (Kirchenvorstände), für Gesprächsgruppen oder für Einzelne geeignet ist, die sich mit dem Gottesdienst beschäftigen wollen.

Auf eine Einführung folgt ein Kapitel zu den biblischen und geschichtlichen Grundlagen des evangelischen Gottesdienstes. Vom urchristlichen Hausgottesdienst über die reformatorische Erneuerung des Gottesdienstes bis hin zu aktuellen Wandlungen in Gottesdienstverständnis und -praxis wird dabei ein weiter Bogen geschlagen, der unter der Leitfrage steht, woher die Charakteristika des heutigen Gottesdienstes stammen.

Das dritte Kapitel unter dem Titel „Theologische Orientierungen“ widmet sich der theologischen Grundlegung des evangelischen Gottesdienstes, klärt die Rolle des Gebets und der Musik, geht auf das Verhältnis von Gottesdienst am Sonntag und im Alltag ein und behandelt das Verhältnis von Wort und Sakrament.

Das vierte Kapitel ist gegenüber dem Aufbau der bisherigen Orientierungshilfen neu und behandelt den Gottesdienst als Gestaltungsaufgabe. Dabei wird der agendarische Ablauf des Gottesdienstes ebenso erklärt wie die liturgische Vielfalt der verschiedenen Gottesdienstformen. Die Notwendigkeit, die vorhandenen kirchenrechtlichen Regelungen zu beachten, wird angesprochen.

Im fünften Kapitel sind mit den „Praktischen Empfehlungen“ Hinweise zu häufig vorkommenden Themen gegeben, zum Beispiel: „Kinder sind willkommen“, „Und wenn wir nur Wenige sind?“, „Und wenn uns der Kirchenmusiker oder die Kirchenmusikerin fehlt?“, „Und wie oft muss ich da nun hingehen?“ Auf diese Weise wird deutlich, weshalb der Gottesdienst im Zentrum der kirchlichen Arbeit steht. Die Orientierungshilfe schließt mit einer werbenden Einladung zum regelmäßigen Gottesdienst: „Gottesdienste, so sehr sie Höhepunkte des gelebten Glaubens sind und so ‚besonders‘ sie immer sein mögen, sind keine ‚Events‘ – keine Einzelveranstaltungen, die für sich stehen und ohne weiteren Zusammenhang ihre Wirkung entfalten. Damit Gottesdienste als Orte der Gottesbegegnung erfahren werden können und lebendig sind, brauchen sie die alltäglich gelebte Spiritualität der Glaubenden. […] Wovon man täglich lebt, das soll man täglich feiern.“

In diesem Zusammenhang soll auch der Text „Kirche klingt“ (Ein Beitrag der Ständigen Konferenz für Kirchenmusik in der evangelischen Kirche von Deutschland zur Bedeutung der Kirchenmusik in Kirche und Gesellschaft) Erwähnung finden. Er unterstreicht die Bedeutung der Kirchenmusik für den evangelischen Gottesdienst und für evangelische Identität überhaupt. 

4.2 Entwicklung neuer medialer Formen

- Multimediaportal evangelisch.de

Der Rat der EKD hat den Aufbau eines multimedialen Internetportals unter der Domain „evangelisch.de“ angestoßen und das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) unter Leitung von Direktor Jörg Bollmann mit der Realisierung des Portals beauftragt.

www.evangelisch.de ist als ein publizistisches Portal konzipiert, das auch kirchenferne Gruppen ansprechen soll. Es wendet sich an Menschen, die offen sind für Fragen nach Sinn und Moral und die Interesse haben an Themen und Gedanken, die über den nachrichtlichen Alltag hinausgehen.

evangelisch.de ist dreigliedrig angelegt. Erstens versteht ist sich als ein Informa-tionsportal, das nach folgenden Rubriken strukturiert ist: Politik / Gesellschaft / Buntes / Kultur / Religion / Wirtschaft / Umwelt. Zweitens dient es als „Kompass“. Viele Menschen nutzen das Internet, um sich Rat zu holen – zum Wiedereintritt in die Kirche, zu den Voraussetzungen für das Patenamt oder dazu, wo es Tauf- oder Trausprüche gibt. Drittens bietet evangelisch.de einen Community-Bereich, in dem die Nutzer miteinander in Kontakt treten können. In Abgrenzung von interaktiven Angeboten im Internet geht es in diesem Portal darum, sich umeinander zu kümmern und füreinander einzutreten. Es soll ein virtuelles Zuhause bieten, in dem Nutzer und Nutzerinnen Halt finden und miteinander in Verbindung treten können.

Seit dem 24. September ist evangelisch.de online.

- Twitter-Aktion zur Bibel auf dem Kirchentag

Bereits Monate vor dem Start machte evangelisch.de mit der Aktion „Bibel-Rekordversuch“, die auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen gestartet wurde, von sich reden. Über 1.000 Teilnehmende fassten insgesamt fast 4.000 Bibel-Stellen auf jeweils 140 Zeichen im SMS-Format zusammen. Die Resonanz in den Medien war umfassend und durchweg positiv.

4.3 Umstrukturierung des GEP

Der Aufbau von evangelisch.de hat grundlegende Konsequenzen für das GEP und seine Tochterfirma Hansisches Druck- und Verlagshaus GmbH. Es geht darum, die unter dem Dach des GEP organisierten publizistischen Aktivitäten wie zum Beispiel die Rundfunkarbeit, chrismon, epd etc. und die Weiterentwicklung der Online-Aktivitäten für die evangelische Kirche zu sichern.

Es wurde ein Konzept für einen Umbau des GEP erarbeitet, das darauf zielt, die Beziehung von Nachrichtenagentur und Internet¬portal so zu gestalten, dass mög-lichst viele Menschen mit Inhalten und Instrumenten evangelischer Publizistik er-reicht werden können. Die dadurch erhoffte verstärkte Bindung an die evangelische Kirche ist zum Beispiel dem evangelischen Magazin chrismon in den vergangenen Jahren gut gelungen.

Von Rat und Kirchenkonferenz wurde eine „GEP-Lenkungsgruppe“ eingesetzt, die den Umstrukturierungsprozess des GEP beratend begleiten wird.



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