Schwerpunktthema

2. Tagung der 11. Synode der EKD, Ulm, 25. bis 29. Oktober 2009

Referat zum Schwerpunktthema „Ehrenamtliches Engagement in Kirche und Gesellschaft“

Prof. Dr. Beate Hofmann, Evangelische Fachhochschule Nürnberg

26. Oktober 2009

Beate Hoffmann

Gemeindepädagogische Überlegungen zur Zukunftsfähigkeit kirchlichen Ehrenamts

Hohe  Synode, sehr geehrte Damen und Herren,

„Warum muss sich Kirche schon wieder mit Ehrenamt beschäftigen, wir sind da doch auf einem guten Weg?!“ Das bin ich in den letzten Wochen verschiedentlich gefragt worden. Drei Gründe gibt es aus der Sicht der Gemeindepädagogik:

-Weil Ehrenamtliche das Leben der Kirche gestalten und die theologische Reflexion der gemeinsamen Leitung und der gemeinsamen Aufgaben eine ständige, im Moment vernachlässigte Aufgabe ist, was bei Ehrenamtlichen zu großen Frustrationen führen kann.

- Weil ein Paradigmenwechsel im Ehrenamt stattfindet, den die Kirche noch nicht ausreichend bewältigt hat. Dadurch droht sie ein großes Potential an Ehrenamtlichen zu verlieren oder gar nicht erst zu gewinnen.

- Weil hier viele Chancen für die Kirche liegen, die noch nicht genug genutzt werden. Kirche muss ihr Licht hier leuchten lassen und nicht Möglichkeiten verschlafen, die sich in Politik und Gesellschaft für kirchliches Ehrenamt öffnen werden.

Ich möchte meine Überlegungen zur Zukunftsfähigkeit kirchlichen Ehrenamts mit zwei Beispielen beginnen:
Da ist Anne, 35 Jahre, Webdesignerin. Seit einem Jahr nutzt sie ihre flexiblen Arbeitszeiten und übernimmt regelmäßig Nachtwachen bei Sterbenden im örtlichen christlichen Hospiz. Es gibt ihr ein gutes Gefühl, konkret etwas für andere Menschen tun zu können und sie auf ihrem letzten Weg zu begleiten. Der Kontakt mit sterbenden Menschen hat ihren Blick auf ihr Leben verändert und sie neu nach Gott fragen lassen. Doch bei einer Präsentation der Hospizarbeit im örtlichen Kirchenvorstand erlebt sie, wie eine ältere Kirchenvorsteherin sich bitter beklagt: „Die Leute aus der Hospizgruppe gehen sonntags nie in den Gottesdienst und machen ihre Arbeit doch nicht wirklich aus christlichem Glauben heraus!“ [1]

Und da ist Werner, 55 Jahre, Betriebswirt, durch eine Umstrukturierung seines Konzerns überraschend im Vorruhestand, der überlegt, was er mit seiner neu gewonnenen Zeit anfangen will. Sein kirchlich engagierter Bruder ermuntert ihn, doch mal bei der Kirche nachzufragen, ob die nicht seine kaufmännische Kompetenz brauchen könnte. Schließlich greift er zum Telefon. Was wird ihn erwarten? Ein gestresster Pfarrer, der sagt, er habe seit 20 Jahren einen Kirchpfleger und keinen Bedarf? Oder wird der Pfarrer geistesgegenwärtig an den regionalen Diakonieverein denken, der dringend einen ehrenamtlichen Vorstand sucht?

Beide, Anne und Werner, möchten sich im Raum der Kirche engagieren. Beide müssen sich aber nicht bei der Kirche engagieren, sie könnten genauso beim Roten Kreuz, bei Rotary oder im örtlichen Sportverein aktiv werden. Wie muss Ehrenamt im Raum der Kirche gestaltet sein, damit Menschen wie Anne oder Werner sich bei uns engagieren?
Dazu sieben Thesen:

1. Ehrenamt ist ein Test für die Pluralitätsfähigkeit von Kirche. Der Paradigmenwechsel vom klassischen zum neuen Ehrenamt hat sich nicht, wie in den 90er Jahren von manchen erwartet, rasch und umfassend vollzogen. Vielmehr haben wir es derzeit mit einer Gleichzeitigkeit beider Typen von Ehrenamtlichen in unseren Gemeinden und an kirchlichen Orten zu tun.[2]  Kirche ist ein Ort, an dem sich nach wie vor Menschen im Muster des klassischen Ehrenamts engagieren, in dem aber auch „neue Ehrenamtliche“ Orte sinnvollen Engagements suchen.[3] Diese Gleichzeitigkeit ist eine Herausforderung, die z.B. in Annes Kirchenvorstand sehr konkret wird. Damit es gelingt, Menschen mit unterschiedlichen Motivationen, Glaubensvorstellungen, Lebensstilen und Werthaltungen Raum für Engagment zu geben, braucht es Verantwortliche, die zwischen Positionen vermitteln können, die „Diversitätsmanagement“ gelernt haben, die Unterschiede so beleuchten können, dass beide Seiten sich verstanden fühlen und aneinander Interesse gewinnen. Konkret: Ob Anne in ihrer Gemeinde aktiv bleibt, hängt auch davon ab, wie die Pfarrerin in der Kirchenvorstandssitzung mit dem Vorwurf der Kirchenvorsteherin umgeht und wie die beiden Ehrenamtlichen mit ihren unterschiedlichen Erwartungen, Motivationen und Bildern in Zukunft miteinander umgehen.

2. Der Paradigmenwechsel vom klassischen zum neuen Ehrenamt lässt sich nicht über Gesetze regeln. Die kirchlichen Ehrenamtsgesetze, das zeigen unsere Evaluationsforschungen, können diesen Prozess begleiten und unterstützen, aber sie allein bringen nicht den gewünschten Wandel.[4] Das Wesentliche muss in den Köpfen der Menschen geschehen. Damit Ehrenamt in der Kirche zukunftsfähig bleibt, braucht es eine Metamorphose der Rollenbilder von Haupt- und Ehrenamtlichen. Diese Metamorphose ist ein theologischer und kybernetischer Diskussion- und Reflexionsprozess, der auf allen Ebenen kirchlichen Handelns geführt werden muss. Es ist ein Prozess, der prägende Bilder von Betreuungs- und Versorgungskirche verabschiedet, der die Amts-, Beauftragungs- und Dienstfrage klärt und dem Priestertum aller Gläubigen wie der Rolle der hauptamtlichen theologisch und pädagogisch Mitarbeitenden die nötige Klarheit und Freiheit gibt.[5]

Dieser Wandel kommt nicht von allein, er geht nicht schnell, er ist schmerzhaft und er braucht gute Gestaltung und Begleitung.

3. Damit Ehrenamt in der Kirche zukunftsfähig bleibt und dieser Rollenwandel gelingt, braucht es gut ausgebildete Begleiter. Ehrenamt gibt es nicht „umsonst“ und kostenneutral, Ehrenamt braucht Hauptamt,[6] kann und darf es nicht ersetzen,  braucht Hauptberufliche, die Strukturen und Räume für ehrenamtliches Engagement schaffen und absichern können, die Netzwerke[7] knüpfen und Menschen gewinnen können, die genug Zeit haben, sich auf neue Ideen und Wege kirchlicher Arbeit einzulassen, die phantasievolle Formen der Wertschätzung und Anerkennung gelernt haben, die Frustrationen bei Ehrenamtlichen auffangen und verarbeiten können, die notwendige Grenzen setzen können[8] und die Ehrenamtliche fachlich und geistlich begleiten können.[9] Ehrenamt braucht Profis als Gegenüber, die die paradoxe Aufgabe bewältigen, Kreativität von Ehrenamtlichen zu organisieren, Raum für Experimente zu erhalten und einen guten Rahmen für Entfaltung zu schaffen. Sie brauchen die Fähigkeit der Hebamme und des Gärtners, des Netzwerkers und Managers, aber nicht des „Hans-Dampf in allen Gassen“, der die Ehrenamtlichen nach seinem Takt dirigiert.[10]

Ehrenamtliche zu begleiten wird eine, vielleicht sogar die zentrale Hauptaufgabe der Hauptberuflichen der Zukunft. Aber diese Fähigkeit muss gelernt werden, wie predigen und unterrichten auch. Ehrenamt ist ein Bildungsthema, nicht nur für die Ehrenamtlichen, sondern auch für die Hauptamtlichen. Ehrenamt, das war den Teilnehmenden des Workshops Ehrenamt in Kassel sehr wichtig, Ehrenamt braucht angemessene und gesicherte Ausbildung von Hauptberuflichen, und dazu gehören z.B. im Raum der Ortsgemeinden nicht nur Pfarrerinnen und Pfarrer, sondern auch Gemeindepädagoginnen und DiakonInnen, KirchenmusikerInnen, Küster bzw. Messner und Verwaltungskräfte, also alle, die mit Ehrenamtlichen zu tun haben. Sie müssen sich klar sein über ihre Rolle, ihre Kompetenz und ihren Auftrag Ehrenamtlichen gegenüber, sie müssen mit Konkurrenzgefühlen und Verunsicherungen umgehen können, damit sie angemessen reagieren, wenn in der Gemeinde moniert wird, dass nicht ein Hauptberuflicher die Gruppe leitet, die Besuche macht, den Gottesdienst gestaltet. Begleitung Ehrenamtlicher muss ein integraler und verpflichtender Bestandteil aller kirchlicher Ausbildungen sein.[11]

4. Ehrenamt ist eine große Chance, die Milieuverengung der Kirche aufzubrechen. Wenn Kirche aus ihrer Enge und „Verwohnzimmerung“[12] heraus will, kann sie beim Ehrenamt anfangen, denn dort gibt es ein großes Potential von Menschen, die sich engagieren würden, wenn man sie ließe, wenn man ihnen Freiraum für ihre Gaben, Freiraum für ihren Weg zum Glauben, und genug Rahmen, Struktur und Unterstützung für ihr Engagement gäbe.[13] Kirche könnte attraktiv sein für Menschen, die auf der Suche nach einem sinnvollen Engagement sind, denn Kirche tut Dinge, die hohe Wertschätzung genießen, sie bietet Sinn[14] und verheißt Transzendenz und Gemeinschaft und sie genießt Vertrauen im Umgang mit Geldern und Menschen.

Aber sind Engagierte mit eigenen Ideen und Potentialen dort auch willkommen? Sind Gemeinden und andere kirchliche Orte wie diakonische Einrichtungen in der Lage, Anfragen von Wirtschaftsunternehmen oder Kommunen nach sinnvollen Projekten zur Stärkung der Corporate Social Responsibility[15] angemessen aufzunehmen? Kann sich die Kirche als Partner für die Stärkung gesellschaftlicher Solidarität, als Partner für die Förderung sozialer und kommunikativer Kompetenzen und eines anderen Blicks auf Leben und Werte profilieren und dabei für kirchenfernere Milieus öffnen?

Damit das gelingt, müssen sich kirchliche Planungsprozesse verändern, weg vom Fokus auf den kirchlichen Bedarf hin zu den Bedürfnissen und Ideen der Ehrenamtlichen. Bisher geschieht gemeindepädagogisches Arbeiten meist ausgehend von einem gewissen Idealprogramm „lebendiger Gemeinden“ oder auch ausgehend von Zielgruppenanalysen, aus denen sich dann ergibt: wir brauchen Ehrenamtliche für die Arbeit mit Kindern, für die Jugendfreizeit oder für das Familiengottesdienstteam. Dafür wird gesucht, und wenn dann jemand kommt, der eigene Ideen quer zu diesem Programm hat, z.B. mit Jugendlichen ohne Schulabschluss oder Angehörigen dementiell Erkrankter arbeiten will, ist dafür oft kein Raum, keine Energie und keine Bereitschaft mehr. Bürgerschaftliche Ehrenamtsagenturen agieren hier anders, sie nehmen Interessen von Ehrenamtlichen auf und entwickeln daraus ihre Projekte.

Ehrenamtliches Engagement in der Kirche bewegt sich bleibend in der Spannung zwischen dem kirchlichem Auftrag, also der Kommunikation des Evangeliums, und den vielfältigen Interessen von Ehrenamtlichen. Will Kirche hier zukunftsfähig bleiben, müssen sich kirchliche Aktivitäten stärker an den Interessen und Möglichkeiten Ehrenamtlicher orientieren, ohne den bleibenden Auftrag der Kirche aus den Augen zu verlieren.

5. Eine wichtige Veränderung kirchlichen Agierens im Blick auf Ehrenamt ist der Umgang mit parochialen Grenzen. Das neue Ehrenamt fordert regionales Denken. Wenn jemand sich für Menschen in einer besonderen Notlage engagieren will oder soziale Probleme in einem Stadtviertel angehen möchte, wenn er – wie Werner - für sich einen Ort sucht, um eigene Gaben zu entfalten, dann interessieren ihn parochiale Zuständigkeiten nicht. Werner wird auch 3 km mehr fahren, um das zu tun, was ihm sinnvoll erscheint. Ein Denken in parochialen Räumen („meine Ehrenamtlichen – deine Ehrenamtlichen“) wird hier sinnvolles Engagement erschweren oder passende Einsatzorte sowie einen verantwortlichen Umgang mit den vorhandenen personellen und finanziellen Ressourcen verunmöglichen. Auch das ist Teil des notwendigen Bilderwandels im Kopf.

Damit Ehrenamtliche den für sie passenden Ort des Engagements finden, müssen Gemeinden und Verantwortliche Konkurrenzdenken überwinden und im Sinne des größeren Ganzen denken. Hier werden auch Kooperationen mit Diakonie und Verbänden, mit Kommunen und Fundraisern neue Chancen bieten, z.B. in der Entwicklung von Instrumenten von Freiwilligenmanagement, von Fortbildungsangeboten, von Standards für den Nachweis und die Anerkennung von ehrenamtlichem Engagement für berufliche Entwicklung, aber auch im gemeinsamen Ringen für eine gerechtere Welt und eine solidarische Gesellschaft. So sind die Gewinnung und der Einsatz von Ehrenamtlichen entsprechend ihrer Gaben und nicht allein nach parochialen Interessen zentrale Elemente von Regionalisierungsprozessen. Und daneben wird es auch weiterhin Menschen geben, die sich aus lokaler Bindung nur für ihre Kirchengemeinde engagieren werden und die nicht 5 km weiter ins Nachbardorf fahren werden. Auch hier herrscht die schon erwähnte Gleichzeitigkeit verschiedener Motivations- und Interessenlagen, die bewältigt werden muss.

6. Für das Selbstverständnis evangelischer Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen unter Wort und Sakrament ist die Beteiligung der Gemeindemitglieder an Leitung und Gestaltung kirchlichen Lebens fundamental. Typisch evangelisch, das ist nicht nur Kirche der Freiheit, sondern auch von Ehrenamtlichen mitgeleitete, mitgestaltete und mitverantwortete Kirche.

Das stellt die evangelische Kirche vor vielfältige Herausforderungen:

- Entscheidungen im kirchlichen Leitungshandeln sind so zu diskutieren und zu kommunizieren, dass auch NichttheologInnen sich beteiligen können. Das braucht gute theologische Fortbildung.

- Die Beteiligung an Entscheidungen im jeweiligen Engagementfeld muss klarer gestaltet werden. Die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Beteiligungsmöglichkeiten, manchmal auch Unachtsamkeit oder fehlende Sensibilität seitens der Hauptamtlichen führen bei Ehrenamtlichen zu unnötigen Frustrationen.[16] Dabei kann es auch nicht so bleiben, dass Frauen und Männer im kirchlichen Ehrenamt immer noch gendertypische Rollen haben, die einen helfen, bilden und versorgen, die anderen leiten. Beteiligung an Leitung und Verantwortung muss auch in der evangelischen Kirche Frauen- und Männersache werden. 

- Die Dauer kirchlicher Wahlperioden (im Durchschnitt 6 Jahre) entspricht vielerorts nicht mehr den Zeiträumen, die Menschen bezüglich eines Engagements überblicken können und wollen. Kürzere Amtsperioden könnten die Beteiligungswilligkeit an kirchlichen Gremien erhöhen.[17]

7. Die Kirche hat auf dem Markt der Anbieter von Engagementmöglichkeiten einige besondere Chancen: Sie steht für das Engagement für Gerechtigkeit, und sie vertritt eine Botschaft, die dem eigenen Engagement Kraft und Sinn geben kann. Die Geistliche Begleitung Ehrenamtlicher ist ein Alleinstellungsmerkmal kirchlichen Ehrenamts.

Ehrenamtliche erwarten hier zu recht etwas für sich, sie suchen die Auseinandersetzung mit dem, was ihr Leben trägt und in der Gestaltung des Lebens und des Ehrenamtes hilft. Wenn sie in der Begleitung ihres Engagements spirituellen Reichtum und ethische Reflexion erleben, werden sie diese auch weitergeben.[18] Hier ist die Kirche auch gefordert, Menschen aus anderen Ehrenamtsfeldern spirituell zu begleiten und ihnen Orte der Stärkung und Orientierung zu bieten, z.B. Sanitäter bei den Johannitern oder die Begleiterinnen dementiell Erkrankter im DRK-Heim. Insofern hat die kirchliche Begleitung Ehrenamtlicher auch eine missionarische Dimension. Hier ermutigen und begleiten wir Menschen, die Gutes tun, für andere, für sich und zur Ehre Gottes.

Fußnoten:

  1. Zur Motivation von Mitarbeitenden in Hospizen vgl. Hoof, Matthias/ Schnell, Tatjana: Sinn-volles Engagement. WzM 5/61, 2009, S.405-422. Dass regelmäßiger Gottesdienstbesuch für viele Menschen kein elementarer Teil ihres Christseins ist, zeigen z.B. die 4. Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (Kirche in der Vielfalt der Lebensbezüge, hg. von Wolfgang Huber, Johannes Friedrich, Peter Steinacker, Gütersloh 2006) und der Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung, Gütersloh 2008.
  2. Vgl. dazu Hofmann, Beate/ Puch, Hans-Joachim: Noch großes Entwicklungspotenzial. Evaluation des Ehrenamtsgesetztes der bayerischen Landeskirche, nachrichten der ELKB 7/2006 S.217-221, bsd. S. 218. Der Motivmix zeigt sich auch in nationalen Ehrenamtsstudien, vgl. dazu Grosse, Heinrich W.: Freiwilliges Engagement in der Evangelischen Kirche hat Zukunft – Ergebnisse einer neuen empirischen Studie, 2. verb. Aufl. Hannover 2006, S.11.
  3. Ehrenamtliche des neuen Typs haben im Vergleich zu Ehrenamtlichen an anderen Einsatzorten eine christlich akzentuierte Motivation. Nicht der eigene Nutzen, sondern vor allem Sinnerfahrungen und Begegnungen mit anderen werden als Motive genannt, vgl. Hofmann/Puch a.a.O., s.218.
  4. Vgl. dazu Hofmann/Puch, a.a.O. S.219.
  5. Leuchtfeuer 5 hat hier nichts von seiner Aktualität und seinem bleibenden Auftrag, auch seiner bleibenden Reibung zu Leuchtfeuer 6 verloren, vgl. Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert. Ein Impulspapier des Rates der EKD, Hannover 2006 S.67-75,
  6. Ich nutze in meinem Vortrag den Begriff „Hauptamtliche“, obwohl der Begriff zu recht in die Diskussion geraten ist und die Kundgebung der EKD-Synode hier neue Wege geht und von „beruflichen Mitarbeitern“ spricht. Der Unterschied zwischen „Ehrenamtlichen“ und „Hauptamtlichen“ lässt sich in der evangelischen Kirche weder amtstheologisch begründen (alle haben teil am Priesteramt aller Getauften), noch über unterschiedliche Professionalität, denn viele Ehrenamtliche arbeiten „professionell“ und bringen ihre beruflichen Kompetenzen ehrenamtlich in die Kirche ein, z.B. ins Ehrenamt Ordinierte. Auch die Berufung ist m.E. kein entscheidendes Differenzkriterium, wird doch kirchliches Ehrenamt über die paulinische Charismenlehre begründet. So bleibt als entscheidende Differenz die Frage der Bezahlung. Ehrenamtliches Engagement in der Kirche ist keine Erwerbsarbeit, vgl. die Definition von Fischer in Fischer, Ralph: Ehrenamtliche Arbeit, Zivilgesellschaft und Kirche. Bedeutung und Nutzen unbezahlten Engagements für Gesellschaft und Staat, Stuttgart 2004, S.34f. Eine befriedigende terminologische Lösung dieses Problems gilt es noch zu finden.
  7. Zur Netzwerkperspektive vgl. Netzwerkblicke, WeiterSehen 2/2009, hg. vom Amt für Gemeindedienst in der ELKB.
  8. Grenzen zu setzen gilt es z.B. bei Überforderung und burnout von Ehrenamtlichen, aber auch, wenn jemand für eine Aufgabe ungeeignet ist oder sich und andere gefährdet,  z.B. durch Suchtverhalten. Oft wird hier unverantwortlich lang gezögert aus Angst, Ehrenamtliche zu verlieren.
  9. Vgl. dazu die These von Ralph Fischer, „Ehrenamtliche machen Arbeit“, in: Wenn Gutes Probleme macht: Wie viel Ehrenamt tut gut? Lesebuch zur Vorbereitung der EKD-Synode Drucksache IV/2, S.66.
  10. Die Untersuchung der Rollenwahrnehmung von Haupt- und Ehrenamtlichen in der Kirche zeigt, dass viele Ehrenamtliche sich eher als Helfer/in und weniger als Experte/in wahrgenommen sehen, vgl. Hofmann/Puch, a.a.O. S.219. Diese Wahrnehmungsdifferenz findet sich auch bei der Caritas, vgl. Süßlin, Werner: Wer engagiert sich warum bei der Caritas? In: neue caritas 9/2007,  S.9-11.
  11. Ausbildungen im Freiwilligenmanagement gibt es – soweit ich weiß – bisher nur als Zusatzausbildung, z.B. an Fachhochschulen, vgl. z.B. www.hochschul-kooperation-ehrenamt.de oder über die Akademie für Ehrenamtlichkeit, www.ehrenamt.de
  12. Vgl. dazu die Rede von Bischof Wolfgang Huber am 24.9.2009 bei der Zukunftswerkstatt der EKD in Kassel, in der Huber den von Jens Haupt geprägten Begriff aufgenommen hat, vgl. www.kirche-im-aufbruch.ekd.de
  13. Zu den im kirchlichen Ehrenamt unterrepräsentierten Gruppierungen gehören Geringverdiener, Menschen mit Migrationshintergrund, Männer und Menschen unter 45 Jahren, vgl. dazu Grosse, a.a.O.. Auf bisher  ungenutztes Engagementpotential verweist der 2. Freiwilligensurvey, vgl. Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999-2004, hg. von Thomas Gensicke, Sibylle Picot, Sabine Geiss, Wiesbaden 2006.
  14. Zur Sinnfindung im Ehrenamt vgl.  Hoof, Matthias/ Schnell, Tatjana: Sinn-volles Engagement. WzM 5/61, 2009, S.405-422.
  15. Vgl. dazu www.csrgermany.de
  16. Der Bereich der Beteiligung Ehrenamtlicher ist in den einzelnen Landeskirchen sehr unterschiedlich geregelt. So sieht das EAG der ELKB in § 6 Ehrenamtsversammlungen neben regelmäßigen Besprechungen vor und fordert regelmäßige Berichte in den Dekanatssynoden, während das EAG der EKHN lediglich regelmäßige Besprechungen fordert. In den Leitlinien der EKBO z.B. werden Mitspracherechte bei Entscheidungen und Haushaltsplanungen beschrieben. Die Mitsprachemöglichkeiten werden immerhin von 26% der Ehrenamtlichen als unbefriedigend empfunden (Vgl. Grosse, a.a.O. S.13, vgl. auch Hofmann/Puch a.a.O. S.220). Vgl. dazu auch die Modifizierten Thesen aus den Arbeitsgruppen und dem Schlussplenum der ökumenischen Tagung zum ehrenamtlichen Engagement in Kirche und Gesellschaft, epd-Dokumentation 18-19/2009. S.114-116, hier besonders Forum 7, S.115.
  17. Vgl. dazu auch die Empfehlungen von Dirk Rademacher und Christine Schröder im Abschlussbericht über das Projekt Ehrenamt in der ELKH, Lesebuch zur Vorbereitung der EKD-Synode Drucksache IV/2, SS.53-58, bsd. S.57.
  18. Gerade im Blick auf die geistliche Begleitung Ehrenamtlicher gibt es noch viel Entwicklungsbedarf und –potential, um die Phantasie des Glaubens lebendig werden zu lassen. Einige Beispiele finden sich in PGP 2/2009 „Lust auf`s Ehrenamt“.



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