"Mehr Bildungsgerechtigkeit überfällig"

Evangelische Kirche fordert Bildungsreformen

08. November 2010

Klaus Eberl und Christoph Markschies (Foto: ekd.de)

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) verlangt grundlegende Schulreformen, damit alle Kinder gleiche Chancen erhalten. Mehr Bildungsgerechtigkeit sei überfällig, heißt es in einem am Montag auf der EKD-Synode in Hannover diskutierten Papier. In den Haushaltsberatungen wurde deutlich, dass die Kirche die Wirtschaftskrise besser überstanden hat als erwartet. Am Rande der Synode wurde bekannt, dass der badische Diakonie-Chef Johannes Stockmeier als Nachfolger von Klaus-Dieter Kottnik neuer Präsident des Bundesverbands der Diakonie werden soll.

In der Bildungs-Vorlage werden mehr Ganztagsangebote an Schulen sowie bessere Möglichkeiten zur Integration von Behinderten und Migranten gefordert. Kindergartenplätze sollten möglichst beitragsfrei sein, schreiben die Autoren des Papiers mit dem Titel "Niemand darf verloren gehen!". Kein Schulbesuch dürfe ohne Abschluss bleiben und kein Schulabgänger ohne Ausbildungs- oder Studienanschluss. Bund und Länder werden aufgefordert, die Bildungsausgaben bis 2015 auf zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen.

Der Direktor des Deutschen Jugendinstituts, Thomas Rauschenbach, beklagte vor dem Kirchenparlament eine wachsende Bildungskluft in Deutschland. Sie müsse überwunden werden. Der Berliner Theologieprofessor Christoph Markschies forderte, mehr Lehrer und Professoren einzustellen. Die evangelische Kirche will zudem, dass der Religionsunterricht in allen Bundesländern fest verankert bleibt, er müsse Verfassungsrang haben.

Aus der Wirtschaftskrise kommt die evangelische Kirche besser heraus als befürchtet. Für das laufende Jahr werde mit einem Rückgang bei den Kirchensteuereinnahmen um etwa zwei Prozent gerechnet, sagte Ratsmitglied Klaus Winterhoff. Dabei gebe es erhebliche regionale Unterschiede. Im Krisenjahr 2009 fiel der Rückgang der Kirchensteuer mit fünf Prozent geringer aus als erwartet.

Der EKD-Haushalt für 2011, der aus Umlagen der 22 evangelischen Landeskirchen finanziert wird, hat ein Volumen von 187 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg um fünf Millionen Euro gegenüber 2010. Größte Einzelposten sind die entwicklungspolitische Arbeit mit 47,7 Millionen Euro sowie der Bereich Ökumene und Auslandsarbeit mit 63 Millionen Euro.

Der 62-jährige Stockmeier wurde am Rande der Synode vom Diakonischen Rat für die Nachfolge Kottniks vorgeschlagen, der zum 1. Oktober als Diakonie-Chef zurückgetreten Stockmeier. Er soll am 9. Dezember offiziell gewählt werden. Kottnik hatte für seinen überraschenden Rücktritt gesundheitliche Gründe angeführt. Wenige Wochen zuvor waren enge personelle Verflechtungen zwischen seinem Präsidialbüro und einer Stuttgarter Beratungsfirma bekannt geworden, die für die Diakonie tätig war.

Das Diakonische Werk hatte sich daraufhin von Kottniks persönlichem Referenten Walter Merz getrennt und der Beraterin Christiane Dithmar alle Aufträge entzogen. Am Montag nahm der Diakonische Rat einen Prüfbericht der Kölner Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Solidaris entgegen. Demnach gibt es keine Hinweise auf Korruption oder persönliche Bereicherung bei Auftragsvergaben durch den Diakonie-Vorstand.

Am Dienstag wählt die EKD-Synode einen neuen Ratsvorsitzenden. Einziger Kandidat für das Spitzenamt des deutschen Protestantismus ist voraussichtlich der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider. Er übt das Amt seit dem Rücktritt von Margot Käßmann im Februar bereits kommissarisch aus. Die Synode endet am Mittwoch.

(epd)



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