3. Tagung der 11. Synode der EKD

Hannover, 07. bis 10. November 2010

Lesebuch zum Schwerpunktthema der 3. Tagung der 11. Synode der EKD

„Niemand darf verloren gehen!“ - Evangelisches Plädoyer für mehr Bildungsgerechtigkeit


Herausgeber:
Kirchenamt der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Herrenhäuser Str. 12
D-30419 Hannover
http://www.ekd.de/

Comenius-Institut
Evangelische Arbeitsstätte für Erziehungswissenschaft e. V.
Schreiberstraße 12
D-48149 Münster
http://www.comenius.de/

 

Bezugsadresse:
Comenius-Institut
Evangelische Arbeitsstätte für Erziehungswissenschaft e. V.
Schreiberstraße, 12, D-48149 Münster
Tel. 0251/98101-0; Fax 0251/98101-50
e-mail: info@comenius.de, Internet: http://www.comenius.de/

ISBN 978-3-924804-92-3


Hier geben wir Ihnen einen Überblick über den Inhalt des Lesebuchs.

Inhalt


Einleitung in das Lesebuch (Rolf Bade, Volker Elsenbast)

I Theologisch-ethische Annäherungen

Reformatorische Impulse: Martin Luther und Philipp Melanchthon
Heinrich Bedford-Strohm:
Bildung und Gerechtigkeit

II Pädagogische Herausforderungen

1. Vorschulische Bildung – Ausgangslagen und Startbedingungen
Mariana Grgic, Thomas Rauschenbach, Matthias Schilling:
Nachwuchs im Nachteil

Klaus Fröhlich-Gildhoff:
Resilienzförderung und Bildungsgerechtigkeit – zentrale Aufgaben der Kindertageseinrichtung
und Grundschule (Auszug)

Praxisbeispiele:
Stiftung „Haus der kleinen Forscher“; Aktion „Kein Kinderkram“; Kampagne „KITA
– Weil wir´s wissen wollen!“

2. Schulische Bildung – Soziale Herkunft und Bildungserfolg
Klaus-Jürgen Tillmann:
Viel Selektion – wenig Leistung. Ein empirischer Blick auf Erfolg und Scheitern in
deutschen Schulen

Autorengruppe Bildungsberichterstattung:
Allgemeinbildende Schule und non-formale Lernwelten im Schulalter (Auszüge
aus dem Bericht „Bildung in Deutschland 2010“)

Bernd Schröder:
Quo vadis Religionsunterricht? Was leistet der Religionsunterricht für junge
Menschen?

Praxisbeispiele:
Evangelische Schule Berlin Zentrum; Tage ethischer Orientierung; Projekt
„Schoolworker“

3. Berufliche Bildung – Abschlüsse und Übergänge
Autorengruppe Bildungsberichterstattung:
Ausbildungsanfänge – Strukturentwicklungen der beruflichen Bildung (Auszug
aus dem Bericht „Bildung in Deutschland 2010“)

Tilly Lex, Nora Gaupp, Birgit Reißig:
Verloren im Lern-Labyrinth

Praxisbeispiele:
Patenschaftsmodell; Jugendwerkstatt Hameln; Ausbildungsprojekt carpo

4. Außerschulische Bildung – Reichweite und Teilnahme
Mike Corsa:
Beteiligung – Kein Thema für Jugendliche in Jugendverbänden?

Gunda Voigts:
Beteiligung von Kindern und Jugendlichen aus prekären Lebensverhältnissen in
der Jugendverbandsarbeit

Praxisbeispiele:
Hearing „Politik für junge Menschen“; Themenfeld Migration/interkulturelles Lernen;
Juleica-Diversity-Schulung; Kompetenznachweis Kultur; Emmaus: dein Weg
mit Gott; Kindergottesdienst – Ein Blitzlicht aus dem Gemeindealltag

III Perspektiven für die Zukunft

Spiegel Gespräch mit Prof. Dr. Jürgen Baumert – Schlichte Utopie

Rolf Werning:
Inklusion zwischen Überforderung und Innovation (Auszug)

ALPIKA-Arbeitsgruppe Sonderpädagogik und Gemeinde:
Index Inklusion für Bildungseinrichtungen in der EKD

Praxisbeispiel:
Schulportrait: Waldhofschule, Templin

Uta Hallwirth:
Netzwerk Bildungsgerechtigkeit – eine Perspektive zur Entwicklung
evangelischer Schulen

Jeannette Otto:
Die ideale Schule

Praxisbeispiel: Weiterentwicklung der Wartburg-Grundschule in Münster – Leben
und Lernen in einer Schule von Jahrgang 1 bis 10

Christine Steiner:
Mehr Chancengleichheit durch die Ganztagsschule? (Auszug)

Natalie Fischer, Felix Brunner, Hans Peter Kuhn, Ivo Züchner:
Individuelle Wirkungen des Ganztagsschulbesuchs in der Sekundarstufe

IV Fundstellen: Texte aus EKD und Landeskirchen zu Bildung und Bildungsgerechtigkeit




Vorwort

Immer noch hängt der Bildungserfolg stark vom Bildungsstand und Geldbeutel der Eltern ab und entscheidet so über den zukünftigen Werdegang der kommenden  eneration. Dieser Zusammenhang muss aufgebrochen werden, damit die Bildungsverlierer von heute nicht die beruflichen und gesellschaftlichen Außenseiter von morgen  werden. Untersuchungen zeigen, dass die Kluft zwischen bildungsnahen- und fernen Schichten weiter zunimmt. Angesichts der wachsenden Ungleichheiten im  Bildungsbereich gewinnt die biblisch in der Menschenwürde begründete Forderung nach mehr Bildungsgerechtigkeit an Aktualität und Schärfe. Auch für uns selbst als Kirche, als Kindergartenträger oder Schulverein.

Wir brauchen besondere Bildungsangebote für diejenigen, deren Förderung durch das herkömmliche Bildungssystem nicht gelingt, sowie die kritische Auseinandersetzung mit gerechten und ungerechten Verhältnissen in der Gesellschaft als Thema von Bildung. Wir brauchen aber auch eine stärkere Förderung jedes einzelnen Kindes oder Jugendlichen in der Schule für die, die besonders gut sind, genauso wie für diejenigen, die mehr Unterstützung benötigen. Zur Bildung gehört es auch, dass alle Kinder und alle Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, etwas von den Dingen des Glaubens, dem Trost, den Gott gibt, und der Zuversicht in christlicher Gemeinschaft zu erfahren. Der latente Analphabetismus in religiösen Fragen nimmt, auch bei den Gliedern unserer Kirche, erst recht aber im säkularen Raum, weiter zu. Ihn zu überwinden, ist nicht nur eine Aufgabe des Religionsunterrichts. Dieser Bildungsauftrag gilt ebenso für Kirchengemeinden und letztlich für jeden einzelnen Christen, jede einzelne Christin. Da ist es wichtig, selbst auskunftsfähig über den Glauben zu sein. Religiöse Bildung gehört elementar zum Glauben dazu, sie ist Auftrag und Herausforderung für uns alle.

Wie aber können wir mehr Bildungsgerechtigkeit verwirklichen? Unter dem Motto „Niemanddarf verloren gehen!“ wird die 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland auf ihrer3. Tagung gemeinsam mit Experten Antworten auf diese Frage suchen. Für den Hintergrundder Diskussionen und zur Information der Synodalen legt der Vorbereitungsausschuss fürdas Thema ein Lesebuch vor, dessen Texte und Beispiele in die verschiedenen Facetten des Themas einführen, um fundiert und umfassend zur gemeinsamen Meinungsbildung beizutragen. So wünsche ich allen Leserinnen und Lesern eine fruchtbare Vorbereitung auf die Beratungen der Synode.

Hannover, im September 2010
Katrin Göring-Eckardt
Präses der Synode der
Evangelischen Kirche in Deutschland



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