Kirchen müssen sich für mehr Gruppen öffnen

Theologe warnt vor zuviel Beschäftigung mit der eigenen Organisation

04. November 2011

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Um mehr Menschen zu erreichen, müssen die Kirchen nach Ansicht des Missionsexperten Hans-Hermann Pompe stärker auf die Alltagswelt verschiedener Milieus eingehen. "Wenn ich ein Milieu erreichen will, müssen die Angebote und Gestaltungsmöglichkeiten der Lebenskultur dieser Menschen entsprechen", sagte der Leiter des Zentrums "Mission in der Region" der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in einem epd-Gespräch in Dortmund. "Sonst fühlen sie sich in der Kirche nicht zu Hause."

Als Beispiel nannte Pompe die Musik: In der Kirche dominierten die Orgel und die Musik der Hochkultur, die aber nur ein sehr kleines Segment der gesellschaftlichen Vorlieben repräsentierten. Für "den ehemaligen Konfirmanden, spaß- und erlebnisorientiert, der von gesellschaftlichen Konventionen nicht viel hält", werde dagegen häufig nichts angeboten.

Der 56-jährige Theologe vermisst mehr Möglichkeiten, mitzuarbeiten und das Gemeindeleben zu gestalten. "Eine Kirche, in der 200 Zuschauer am Rand sitzen und dem Pfarrer als einzigem Feldspieler zusehen, hat keine Zukunft", sagte er. Wichtig sei außerdem die Qualität der Gottesdienste als wichtigster Veranstaltung der Kirchen. Hier müsse das Bestmögliche investiert werden. Vor allem müsse der Inhalt stimmen.

Auf der am Sonntag beginnenden EKD-Synode in Magdeburg, die sich schwerpunktmäßig mit Mission beschäftigt, soll laut Pompe auch gefragt werden, "wo wir als Kirche selbst ein Bremsklotz sind". Es könnte sein, "dass wir uns zu sehr mit uns selbst beschäftigen und zu viel Energie und Zeit für unsere eigene Organisation verbrauchen", mahnte der rheinische Theologe.

Die Kirche ist nach Einschätzung des EKD-Experten zudem nicht gut auf die Situation vorbereitet, dass sie mit anderen Religionen und Weltanschauungen konkurriere. Die Strukturen seien noch immer darauf ausgerichtet, dass der christliche Glaube automatisch weitergegeben werde, etwa innerhalb der Familie und im Konfirmandenunterricht. "Das klappt aber nicht mehr so wie früher." (epd)



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