Anständig essen

13 Literaturtipps zum Schwerpunktthema der EKD-Synode

05. November 2013

Synodendokumente sind manchmal nicht ganz leichte Kost: das Evangelische Literaturportal „Eliport“ hilft weiter. Ausgewählte Buchtipps für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bieten abwechslungsreichen „Stoff“ zum Einstieg und Vertiefung ins Schwerpunktthema.

Es geht los mit dem Klassiker: „Wie kommen eigentlich die Löcher in den Käse?“ Ganze Generationen von Kindern haben diese Frage schon gestellt. Und das ist ja nur der Anfang, denn wer danach fragt, will auch wissen, was es sonst noch mit Milch, Kühen und der Molkerei alles auf sich hat. Dass Schokolade nicht auf Bäumen wächst, sollte allenthalben bekannt sein. Weit gefehlt – viele Kinder wissen nur sehr wenig über unsere Nahrungsmittel und wo sie eigentlich herkommen.

Eine vegetarische Ernährung steht derzeit gerade bei Jugendlichen hoch im Kurs. Das führt schnell zu Konflikten, wenn Eltern oder Großeltern aus einer Nachkriegsgeneration stammen, in der sich alles um Fisch und Fleisch drehte. „Teenager auf Veggiekurs“ ist eine wunderbare Orientierungshilfe.

Wer tiefer ins Thema einsteigen möchte, beschäftigt sich mit den Literaturempfehlungen am Ende der Liste. Hier geht es um grundlegende Fragen, wie eine globale Ernährung von immer mehr Menschen aussehen und funktionieren kann. Wo müssen wir umdenken und wo liegen unsere Chancen? Und was hat das alles mit dem christlichen Glauben zu tun?

Die Literatur-Tipps von "Eliport"

  • Katja Reider: Was wird aus der Milch gemacht?
    Illustriert von Christian Zimmer. Hamburg: Carlsen 2013. 16 S. (Schritt für Schritt erklärt).ISBN 978-3-551-25016-2, geb.: 9,99€
    Pappbilderbuch mit Klappen, das den Weg der Milch von der Kuh bis zum Käse, eingebunden in eine Rahmenerzählung, erklärt.

    "Wie kommen eigentlich die Löcher in den Käse?" - fragen sich Emma und Max, die ihre Ferien auf einem Bauernhof verbringen. Gemeinsam mit der Bäuerin begeben sich die Kinder auf eine Rallye, bei der sie den Weg der Milch Schritt für Schritt verfolgen. Mit Emma und Max erfahren die kleinen Leser somit viel Wissenswertes, etwa über die Haltung von Kühen, das Melken oder die Verarbeitung der Milch in der Molkerei. - Die an den Anfang gestellte Frage, die insgesamt sehr kindgerechten Erklärungen, die Einbindung des Sachthemas in eine erzählende Rahmengeschichte sowie die stabilen Pappklappen, unter denen sich so manche Überraschung verbirgt, motivieren Kinder sich mit diesem Sachthema zu beschäftigen.

    Insbesondere zu empfehlen für den Einsatz im Kindergarten.

  • Norbert Golluch: Das esse ich... und was isst du?
    Illustriert von Hans-Günther Döring. Berlin: Annette Betz Verl. 2013. 32 S. ISBN 978-3-219-11524-6, geb.: 12,95€
    Wissenswerte und interessante Aspekte aus der Welt des Essens kindgerecht erklärt.

    Auf dieser Reise durch die Welt des Essens führt ein Abstecher den Leser zwar auch zu den Ernährungsgewohnheiten in anderen Ländern, aber die kurzen erklärenden Texte und die bewährten Illustrationen von Hans-Günther Döring geben vor allem Einblicke in interessante Aspekte rund um die Gewinnung, Verarbeitung, Konservierung und Verteilung von Lebensmitteln. - Ausgangspunkt des informativen Streifzuges ist dabei die heutige Überflussgesellschaft, in der viele Kinder die Herkunft ihrer Nahrung nicht mehr kennen und der Begriff „Fast Food“ in aller Munde ist. Danach geht es kontrastreich zurück zu den Ursprüngen, als die Menschen sich als Jäger, Sammler und später auch als Bauern ihre Nahrung hart erarbeiten mussten. Wie hat zu dieser Zeit der Speisezettel eigentlich ausgesehen? Werden wir uns dagegen in Zukunft mit Pillen oder mit Essen aus der Tube ernähren? Wie essen wir gesund und ausgewogen?

    Eine Menge Fragen werden kurz andiskutiert und lassen viel Spielraum für erste weiterführende Gespräche.

  • Susanne Orosz: Warum wächst Schokolade nicht auf Bäumen.
    Vorlesegeschichten rund ums Essen. Illustriert von Yayo Kawamura. Hamburg: Ellermann 2013. 123 S. ISBN 978-3-7707-3422-1, geb.: 12,95€
    Das Buch vermittelt Kindern Wissen über einige Grundnahrungsmittel.

    Die Autorin hat bei Führungen auf einem Demeterhof die Erfahrung gemacht, wie wenig Kinder oft wissen über unsere Nahrungsmittel.  Deshalb erzählt sie in 13 Geschichten etwas über bestimmte Grundlebensmittel. Ein Lebensmittel steht jeweils im Mittelpunkt einer Geschichte, es geht u.a. um Tomaten, Brot, Milch, Kartoffeln, Honig, Salz und Schokolade. In der Geschichte „Die Wunderpille“ wird z.B. erzählt, dass die kleine Schwester keinerlei Gemüse isst und der Bruder mit seinem Freund für sie etwas sucht, was sowohl zu süßen wie zu salzigen Nudeln passt.  Mit Hilfe der Lehrerin kommen sie auf frische Erbsen. Im Anschluss an die Geschichte gibt es ein Rezept zum Selbermachen oder einen Blick auf die Geschichte des betreffenden Lebensmittels. So erfahren die Kinder etwas über Herkunft, Herstellung und gesundheitliche Aspekte des Essens. Die praktischen Hinweise machen Lust aufs Selbermachen, aufs Backen, Kochen und Pflanzen. Die farbigen Illustrationen wecken die Aufmerksamkeit der Kinder.

    Eine Anregung für Eltern und Lehrer, um Kindern Sachwissen über Ernährung zu vermitteln und dieses zugleich mit praktischen Tätigkeiten zu festigen. Für Schule und Kindergarten.

  • Sabine Jaeger: Schmeckts? Alles übers Essen.
    Illustriert von Jörg Mühle. Mannheim: Sauerländer 2012. 137 S. ISBN 978-3-411-81205-9, kt.: 12,99€
    Dass Essen auch sehr viel mit Politik zu tun hat, lernen Heranwachsende mit diesen Betrachtungen übers Essen.

    "Es kann mir nicht egal sein, was auf den Tisch kommt", das machen Sabine Jaeger und Hermann Schulz deutlich. In ihrem Buch erfahren die Leser nicht nur viel über die sinnvolle Zusammensetzung von Mahlzeiten und warum ein selbstgekochtes Essen wertvoller ist, als das praktischere Fastfood. Sie lernen auch, dass es noch besser ist, Gemüse aus dem eigenen Garten zuzubereiten und deshalb vielleicht sogar einen Schulgarten anzulegen oder Bio-Lebensmittel zu verwenden. Außerdem vermitteln die Autoren das Bewusstsein, dass die Heranwachsenden mit ihrem Essverhalten mehr beeinflussen können, als sie bisher geglaubt haben: "Was bei dir auf den Teller kommt, ist immer auch ein Stück Politik." Ein geringerer Fleischkonsum beispielsweise macht es möglich, dass mehr Tiere artgerecht gehalten werden können. Der Einkauf von Fairtrade-Produkten ermöglicht vielen Kleinbauern aus der Dritten Welt ein besseres Leben. Zum Verständnis tragen die eingebauten Info-Kästen und das Lebensmittel-Lexikon bei.

    Ein Buch, das Kindern vielleicht Lust macht, sich auch mal an den Herd zu stellen, und das ihnen beibringt, bewusster zu essen. Politisches Denken fängt beim Essen an, lernen sie.

  • Irmela Erkenbrecht: Teenager auf Veggiekurs. Vegetarische Lieblingsgerichte für Jugendliche.
    Ill. von Renate Alf. Darmstadt: Pala Verl. 2013. 197 S. ISBN 978-3-89566-321-5, geb.: 14,00€
    Mit 160 Rezepten zeigt Irmela Erckenbrecht den Weg in die vegetarische Familienküche, die auch Jugendlichen schmeckt.

    Eine Zeiterscheinung bringt viele Eltern in Schwierigkeiten in der Familie: Immer mehr Jugendliche lehnen es ab, weiterhin Fleisch und Fisch zu essen. Doch was kochen Mütter und Väter, die groß geworden sind mit Gerichten, in denen sich alles eben darum dreht? Mit Erckenbrechts Kochbuch können sie viele Probleme lösen. Kaum halten sie es in den Händen, werden ihre heranwachsenden Kinder es ihnen abnehmen und selbst eine Weile darin stöbern. Und es wird nicht lange dauern, bis sie das eine oder andere der "vegetarischen Lieblingsgerichte für Jugendliche" einmal ausprobieren wollen. Erckenbrechts Erfolgsrezept: Sie ist selbst Mutter eines Jugendlichen und dadurch mitten drin im Thema. Für ihr Buch hat sie viel mit Jugendlichen geschnippelt und sich dabei auch mit ihnen unterhalten. So ist ihr Buch nicht reines Kochbuch, sondern gibt eine Beschreibung der Jugend und ihrer Beziehung zum Essen. Angereichert ist das Buch mit viel Wissen über (vegetarisches) Essen und die Nährstoffe darin.

    Mit vielen Kommentaren der Jugendlichen und Cartoons von Renate Alf ist das Buch Einführung in neue Familienküche und Spiegel dessen, wohin sich die Jugend beim Thema Essen bewegt.

  • Karen Duve, Karen: Anständig essen. Ein Selbstversuch.
    Berlin: Galiani 2011. 335 S. ISBN 978-3-86971-028-0, geb.: 19,95€
    Selbstversuch zu einer ökologisch und ethisch konsequenten Ernährung jenseits der Massentierhaltung.

    Karen Duve schildert in ihrem Buch "Anständig Essen" ihren Entschluss, die Tierquälerei, die hinter der modernen Massentierhaltung steht, nicht mehr länger zu akzeptieren und ihre Essgewohnheiten zu ändern. Unterhaltsam und zugleich faktenreich berichtet sie über ihren einjährigen Selbstversuch, sich jeweils zwei Monate lang biologisch-organisch, vegetarisch, vegan und schließlich frutarisch zu ernähren. Duve, die mit ihren Haustieren auf einem Bauernhof in der Märkíschen Schweiz lebt, gelingt es gut nachvollziehbar, ihre eigenen Erlebnisse und auch ihre Probleme mit den unterschiedlichen Ernährungsmöglichkeiten und den dahinter stehenden Weltsichten zu schildern. Die auch für sie überraschenden Erfahrungen führen sie schließlich zu weitreichende Entschlüssen für ihre Lebensgestaltung, die vom Einkauf in Bio-Läden und Verzicht auf Fleisch aus Massentierhaltung hinführen zum reduzierten Konsum von Fleisch-, Fisch- und Milchprodukten und zur Veränderung liebgewonnener Konsumgewohnheiten.

    Das humorvoll geschriebene Buch bereitet ein großes Lesevergnügen und kann einer breiten Leserschaft uneingeschränkt empfohlen werden. Für Alle, die sich auf unterhaltende und anregende Weise mit dem Thema Ernährung auseinandersetzen und nebenbei wichtige Hintergrundinformationen erhalten wollen.

  • Jonathan Safran Foer: Tiere essen. Aus dem Englischen von Isabel Bogdan, Ingo Herzke und Brigitte Jakobeit.
    Köln: Kiepenheuer & Witsch 2010. 399 S.; 22 cm. ISBN 978-3-462-04044-9, geb.: 19,95€
    Was essen wir, und warum? Aufrüttelndes Buch über den Fleischkonsum und seine Folgen.

    Die bevorstehende Geburt seines Sohnes war für den Autor Anlass über seine Ernährungsgewohnheiten, genauer gesagt über seinen Fleischkonsum, nachzudenken. Woher kommen die Steaks und die Würste, die Fische und Meeresfrüchte in den Auslagen der Lebensmittelläden? Wie leben und sterben die Tiere, die massenhaft verzehrt werden? Foer ist tief in die Materie eingetaucht. Hat Fakten gesammelt und hat mit vielen Menschen gesprochen, die in der Tierproduktion und der Fleischindustrie arbeiten. Diese Tatsachen präsentiert er nicht als nüchternes Sachbuch, sondern er erzählt die Geschichte seiner Nachforschungen und ihrer Ergebnisse. Er erzählt von gigantischen Rinder-, Schweine-, Fisch- und Geflügelfarmen, die im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel stinken, von fürchterlichen Zuständen bei Tiertransporten und in Schlachthöfen. Er berichtet von Menschen, die im Umgang mit der gequälten, geschunden Kreatur verrohen und abstumpfen. Und das alles, weil die Ernährungsindustrie den Konsumenten weismacht, ihr tägliches billiges Stück Fleisch auf dem Teller sei ein Stück Lebensqualität. Aber Fleisch, das so "produziert" wird, ist minderwertig und macht krank. Die Menschen, die Tiere und die Umwelt. - So war "macht euch die Erde untertan" nicht gemeint! - Dieses Buch lässt einen nicht mehr los. Es zwingt zum Umdenken. Welche Ausrede gibt es nach der Lektüre noch, die weltweite Tierquälerei und Umweltverseuchung durch Massenhaltung mitzumachen?

    Allen sehr empfohlen, die Verantwortung für sich, ihre Angehörigen und für die Umwelt übernehmen wollen.

  • Tanja Busse: Die Ernährungsdiktatur. Warum wir nicht länger essen dürfen, was uns die Industrie auftischt.
    München: Random House 2010. 334 S. ISBN 978-3-641-04826-6, E-Book. 13,99€
    Sachbuchthriller über die zweifelhaften Segnungen der industriellen Nahrungsmittelproduktion.

    Während in den Industrienationen die Menschen aufgrund von Fehlernährung immer dicker und kränker werden, nimmt der Hunger in anderen Teilen der Welt weiter zu. Tanja Busse zeigt auf, warum dies so ist, mit welchen Methoden die Großkonzerne der Agroindustrie Gewinne scheffeln, und was dabei auf der Strecke bleibt: Geschmack und Nährstoffe in Nahrungsmitteln etwa. Billige Rohstoffe werden z.B gerne mit Aromen aufgepeppt - die Konsumenten aber dank lauer Gesetze in die Irre geführt. Der Preiskrieg der Handels- und Agrargiganten führt letztlich zu Hunger, Umwelt- und Klimazerstörung, zur Verdrängung einer mittelständischen Landwirtschaft, zur Verarmung des Angebots. Besonders bedrückend sind Busses Beispiele dafür, wie die Politik die aberwitzigen Agrar-Strukturen noch unterstützt - etwa wenn durch Exportsubventionen für Fleischmäster in der EU die Existenz afrikanischer Bauern vernichtet wird. Ein wichtiges Buch, das dazu anregt, sein eigenes Einkaufsverhalten zu hinterfragen.

    Als Diskussionsgrundlage für eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen Hunger und Armut, Globalisierung, gesunde Ernährung und Umweltzerstörung bestens geeignet.

  • Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn: Die Essensvernichter. Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist.
    Köln: Kiepenheuer & Witsch 2012. 319 S. ISBN 978-3-462-04454-6, kt.: 8,99€
    Ein Großteil der weltweit produzierten Nahrungsmittel gelangt entweder nicht zum Verbraucher oder wird ungenutzt in den Müll entsorgt.

    Mittlerweile hat die Menge des vernichteten Essens unvorstellbare Ausmaße angenommen. Der Wunsch der Konsumenten, über alles jederzeit verfügen zu können, verschärft den weltweiten Hunger. Würden wir weniger wegwerfen, fielen die Weltmarktpreise und es stünde genug für die Hungrigen der Welt zur Verfügung. Die Autoren verfolgen den Weg der produzierten Waren von der Erzeugung bis zum Mülleimer der Supermärkte und Haushalte. Sie zeigen auf, welche ökologischen und ethischen Konsequenzen der unverantwortliche Umgang mit Lebensmitteln vor allem in den Industrienationen und welchen Anteil die Nahrungsmittelproduktion am Klimawandel hat. Damit leisten sie einen Beitrag zu der Bemühung, die Schöpfung Gottes zu bewahren.

    Das Buch enthält viele Anregungen, wie jeder Einzelne umsteuern kann: durch regionale Einkaufsgemeinschaften etwa, die Bauern und Kunden direkt zusammenbringen, oder durch eine saisonale, regionale Küche, die sich auch auf das Verarbeiten von Resten versteht. Aber auch durch Verbraucherdruck auf Supermärkte, Waren kurz vor Ablauf billiger zu verkaufen oder zu verschenken.

  • Jean Ziegler: Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der dritten Welt.
    Aus dem Französischen von Hainer Kober. München: C. Bertelsmann 2012. 319 S. Ill. ISBN 978-3-570-10126-1, geb.: 19,99€
    Leidenschaftliches und kenntnisreiches Buch im Kampf gegen den Hunger und für das Menschenrecht auf Nahrung.

    Jean Ziegler, Sonderbotschafter der UNO für das Recht auf Nahrung, kämpft unermüdlich gegen die weltweite Gleichgültigkeit angesichts von Millionen Menschen, die verhungern. Es gäbe genügend Nahrung für alle - deshalb spricht er provokativ von Mord und Massenvernichtung angesichts der Hungertoten. Kenntnisreich und engagiert nennt er die Verantwortlichen für dieses schreiende Unrecht: Großkonzerne des Agrobusiness, die Milliarden Gewinne mit Lebensmitteln machen und Politiker, die sich dem Neoliberalismus verschrieben haben. Beeindruckende Beispiele aus den Ländern des Südens, konkrete Zahlen und Analysen zeigen jedoch, dass Hunger kein unabwendbares Schicksal ist, kein Naturgesetz. Die Schilderung des Leidensweges von Kindern, die an den Hungerkrankheiten Noma und Kwashiokor langsam zugrunde gehen, wird niemanden mehr loslassen. Nach der Lektüre dieses Buches ist man für Diskussionen gerüstet und kann Zieglers Satz nur unterstreichen: "Ein Kind, das am Hunger stirbt, wird ermordet!"

    Kein einfaches, aber ein notwendiges Buch, allen zur Lektüre empfohlen, die sich mit dem Skandal des Hungers in der Welt nicht abfinden wollen. Fundierte Quelle für den Schul- und Konfirmandenunterricht.

  • Sarah Wiener: Zukunftsmenü. Warum wir die Welt nur mit Genuss retten können.
    München: Riemann 2013. 219 S. Ill. ISBN 978-3-570-50150-4, kt.: 19,99€
    Plädoyer für einen verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln und Anregungen für eine genussvolle Bewahrung der Schöpfung.

    "Warum wir die Welt nur mit Genuss retten können", erklärt Sarah Wiener in ihrem Buch für einen achtsamen Umgang "mit dem, was uns ernährt". Auch essen kann politisch sein, wird deutlich. Denn es ist eine Entscheidung, ob man Lebensmittel im Discounter einkauft oder versucht, möglichst umweltschonend hergestellte und biologisch wertvolle Produkte zu bekommen. Um die Zusammenhänge deutlich zu machen, führt sie Tischgespräche - mit einem Imkermeister, einem Holzofenbäcker und einem Veterinärmediziner. Sie erklärt den Erzeugercode auf einem Ei und erzählt von einer Afrika-Reise, die ihr die Augen für den Zusammenhang zwischen Wohlstandsmüll und Fischsterben geöffnet habe. In einem klimafreundlichen Speiseplan kommt mehr pflanzliches Essen auf den Tisch und das wird saisongerecht eingekauft. Wiener wehrt sich gegen die Wegwerfgesellschaft und spricht dafür, wieder selbst zu kochen und es den Kindern beizubringen. Rund wird ihr Plädoyer mit Rezepten wie "Muttis Kohlrouladen" und Kutteln.

    Nicht nur lesenswert, sondern auch schön ist das Buch, das den LeserInnen neuen Zugang zum Essen beschert. Eine Bereicherung für jeden Speiseplan, und das in ganz politischem Sinne.

  • Guido Fuchs: Gott und Gaumen. Eine kleine Theologie des Essens und Trinkens.
    München: Claudius 2010. 159 S. Ill. ISBN 978-3-532-62411-1, geb.: 19,95€
    Christlicher Glaube und die Bedeutung von Essen und Trinken im biblischen Kontext und in der Gegenwart.

    Dieser griffige Titel, eingeengt auf einen unserer Sinne und seine Beziehung zu Gott, birgt jedoch laut Untertitel weit mehr an Inhalt. Der Autor, katholischer Liturgiewissenschaftler, Professor in Würzburg, nähert sich der Thematik des "christlichen Essens" von verschiedenen Bereichen her. In 12 Kapiteln wie "Genuß und Sünde", "Dank und Segen", "Brot und Wein" wird die Theologie des Essens durch biblische Texte, religiöse Überlieferung und Volksfrömmigkeit dargelegt. Hervorgehoben wird der Umgang mit dem "Lebensmittel" von der Essenszubereitung bis zum gemeinschaftlichen Mahl; dem wird gleichsam ritueller Charakter zugeschrieben. Die Küche wird als magischer Ort der Verwandlung angesehen. Doch auch dem Fasten wird ein hoher Stellenwert beigemessen. Achtsamkeit mit der Schöpfung, Bedanken, Mäßigung, Gemeinschaft und Solidarität kennzeichnen das Wesen des "christlichen Essens".

    Ein schön gemachtes, anspruchsvolles Buch mit einer speziellen Thematik, ausgestattet mit Farbfotos religiösen und profanen Charakters.

  • Gerhard Staguhn: An einem Tisch. Religiöse Rezepte von Juden, Christen und Muslimen.
    Neustadt a. d. Weinstraße: Umschau Buchverl. 2013. 208 S. Ill. ISBN 978-3-86528-737-3, geb.: 29,90€
    Ein tolles, interkonfessionelles Buch für alle, die sich der Liebe, die durch den Magen geht, nicht verschließen.

    Wie schön, dass wir kochen, backen und brutzeln können. Wie schön, dass wir über unsere Geschmacksnerven Liebe zu anderen Ländern und Leuten und auch zu anderen Religionen entwickeln können. Dieses Buch will und kann dazu verführen, die drei großen Religionen, die einer Wurzel sind (auch kulinarisch, wie hiermit bewiesen wäre!), am Tisch zu vereinen, Grenzen und Vorurteile zu überwinden und miteinander und ineinander zu schwelgen! Höchste Zeit, dass in den Kirchgemeinden mehr Miteinander und füreinander gekocht wird. Die Frauen der Weltgebetstagsbewegung beweisen es schon viele Jahre, dass das Essen der landestypischen Speisen ganz wesentlich zum Reiz des Tages gehört.

    Mit diesem Buch liegt ein wunderschönes Prachtstück auf dem Tisch und macht mit einfachen Rezepten, die nach den Festen geordnet sind, Mut zum Genießen und zum Hineinschmecken in die geschwisterlichen Religionen. Die gründlichen Einführungen sind gut zu lesen und öffnen lustvoll Augen und Sinne für alles Verbindende.

    Ein Gewinn für den Buchbestand. Zum Selbstlesen und für die Veranstaltungsarbeit (WGT, Gemeindefeste, Pessachfeiern, Gründonnerstag usw.) sehr gern empfohlen.