Beschlüsse

7. Tagung der 11. Synode der EKD, Dresden, 9. bis 12. November 2014

Beschluss zur Willkommenskultur für Flüchtlinge

12. November 2014

Beschluss

der 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland

auf ihrer 7. Tagung

zur


Willkommenskultur für Flüchtlinge

  1. Im Jahr 2013 waren nach dem Bericht des UNHCR 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Ursachen dafür sind vielfältig und komplex. Die Aufnahme von Flüchtlingen ist eine dauerhafte Aufgabe und kein Ausnahmezustand. Mit dem Verweis auf die notwendige Bekämpfung der Fluchtursachen darf die Verantwortung, Flüchtlinge aufzunehmen und sie am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen, nicht verschoben werden.
  2. Die Synode der EKD nimmt mit Respekt und Dankbarkeit das Engagement wahr, mit dem sich Menschen an vielen Orten, in Kommunen, Kirchengemeinden und Diakonie für Flüchtlinge einsetzen. Es entstehen vielfältige Kontakte und Angebote, die nicht von einer Abwehrhaltung geprägt sind, sondern eine neue Kultur des Willkommens aufbauen. Zuhören, nach den Wünschen der Flüchtlinge fragen, Begegnungen, Alltagshilfe und gemein-same Aktivitäten sind Teil dieser Kultur. Die Synode der EKD ermutigt ausdrücklich dazu, eine Kultur der Integration und Teilhabe von Flüchtlingen auf allen Ebenen weiter mit zu gestalten und auch materiell zu unterstützen. Sie weiß sich dabei ihrem biblischen Auftrag verpflichtet.
  3. Die Synode der EKD dankt den Kirchengemeinden, die mit der Bereitstellung eines Kirchenasyls in Ausnahmesituationen eine besondere Verantwortung für Flüchtlinge übernehmen. Ein verantwortliches Kirchenasyl schafft Raum und Zeit dafür, dass Flüchtlinge mit ihren Familien zur Ruhe kommen können und Begleitung finden, aufenthaltsrechtliche Möglichkeiten zu nutzen. Die Begleitung und Beratung von Flüchtlingen, die von Aufenthaltsbeendigung und Abschiebung bedroht sind, erfordert besondere Sensibilität und besondere juristische Kompetenz. Die Synode der EKD versteht das Kirchenasyl als Dienst am Rechtsstaat und dankt den politischen Verantwortungsträgern, die ein Kirchenasyl als Unterbrechung behördlicher Abläufe respektieren.
  4. Die Synode der EKD bittet den Rat der EKD, sich dafür einzusetzen, dass der Bund gemeinsam mit den Ländern und den Kommunen dafür sorgt,

    - Standards für menschenwürdige Flüchtlingsunterkünfte sicherzustellen, die den Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner gewährleisten und eine Teilhabe am gesellschaftli-chen Leben ermöglichen,

    - dem besonderen Schutzbedürfnis minderjähriger und alter, kranker und traumatisierter Flüchtlinge sowie von Flüchtlingen mit Behinderung Rechnung zu tragen

    - den Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung, und zu Angeboten der Freizeitgestal-tung und des Arbeitsmarktes zu ermöglichen

    - ein materielles Existenzminimum zu gewährleisten.
  5. Die Synode der EKD bestärkt alle Christinnen und Christen, Flüchtlingen in offener Geschwisterlichkeit zu begegnen. Sie dankt besonders den Gemeinden anderer Sprache und Herkunft für ihr Engagement für Flüchtlinge und Asylsuchende. Sie bittet die Diakonie, die Kirchengemeinden und Einrichtungen nicht nachzulassen, sich mit konkreten Initiativen und Aktionen für die Menschen einzusetzen, die in der Hoffnung auf Frieden, Gerechtigkeit und eine sichere Zukunft ohne Hunger und Armut zu uns zu kommen.

"Der Fremde soll bei euch leben wie ein Einheimischer; und du sollst ihn lieben wie dich selbst." (3. Mose 19,34)


Dresden, den 12. November 2014

Die Präses der Synode
der Evangelischen Kirche in Deutschland

Dr. Irmgard Schwaetzer


Die Veröffentlichung der Beschlüsse erfolgt unter dem Vorbehalt der endgültigen Ausfertigung durch die Präses der Synode!