Grußworte
2. Tagung der 9. Synode der EKD (2.-7. November 1997, Wetzlar)
Metropolit Augoustinos
Griechisch-Orthodoxe Metropolie und Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland
Sehr geehrter Herr Präses, sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender, Hohe Synode, liebe Schwestern und Brüder in Christo!
Als griechisch-orthodoxer Metropolit von Deutschland und Exarch des ökumenischen Patriarchen für Zentraleuropa möchte ich dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und dem Herrn Präses der Synode von Herzen für die Einladung danken, an dieser Synodaltagung als Gast teilzunehmen. Alle Teilnehmer dieser Kirchenversammlung grüße ich sehr herzlich und tue das nicht nur im Namen der griechisch-orthodoxen Metropolie von Deutschland, sondern auch für die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland als deren stellvertretender Vorsitzender. Alle Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die sich in dieser Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben, gedenken der Synode fürbittend und mit ihren Segenswünschen - wie die Geistlichen und Gläubigen unserer Metropolie. Die Tradition, daß der griechisch-orthodoxe Metropolit von Deutschland als Gast an der jährlichen EKD-Synode teilnimmt, aber auch unsere nun bereits Jahrzehnte dauernde Mitwirkung in der ACK von Deutschland sind für mich sichere Anzeichen der Integration unserer orthodoxen Kirche in die deutsche Ökumene.
Heute begegnet man oft der Meinung, daß die Ökumene stagniere. Ich teile diese Meinung nicht. Seit über 30 Jahren lebe und arbeite ich in Deutschland als Pfarrer, Bischof und Metropolit. Während dieser Jahrzehnte ist in diesem Land in der ökumenischen Arbeit viel geschehen: ein immer besseres gegenseitiges Kennenlernen, die Abschaffung mancher Vorurteile und die Klärung wichtiger Fragen, eine gute kirchliche Zusammenarbeit auf allen Ebenen, Verständnis und Verstehen für die jeweils andere Position. Das alles hat dazu geholfen, daß wir uns nicht mehr so fremd gegenüberstehen wie noch vor 30, 40 Jahren.
Vor acht Tagen konnten die Evangelische Kirche in Deutschland und das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel auf der Insel Rhodos ihr elftes Gespräch im theologischen Dialog durchführen. Ich darf Ihnen versichern, daß dieses brüderliche Beisammensein weder von Resignation noch von ökumenischem Stillstand oder gar Rückschritt geprägt war. Eine ernsthafte und beharrliche theologische Arbeit, verbunden mit Gottesdiensten, Gemeindebesuchen und gemeinsamen Gebeten, hat uns wiederum wichtige Schritte auf dem Weg zur Einheit tun lassen. Dafür sind wir sehr dankbar, und ich möchte unseren Dank vor der Synode öffentlich zum Ausdruck bringen.
Auch wenn natürlich noch viel zu tun ist, bin ich doch der Meinung, daß das, was wir ökumenisch bisher erreicht haben, nicht einfach wieder rückgängig gemacht werden könnte. Deshalb glaube ich, daß nicht allein die großen und spektakulären ökumenischen Veranstaltungen und ein die kirchlichen Grenzen und Unterschiede überfliegender ökumenischer Enthusiasmus die Früchte der ersehnten kirchlichen Einheit hervorbringen werden. Vielmehr brauchen wir den ständigen theologischen Austausch, die geduldige Zusammenarbeit im Geist Christi, d. h. im Geist der Liebe und Wahrheit, damit wir uns in den Grundfragen des Glaubens und in seiner Verwirklichung im christlichen Leben einander noch mehr annähern und schließlich in Christo zusammenwachsen.
Auch das Schwerpunktthema Ihrer Synode, der Gottesdienst, kann für unsere Kirchen ein Anstoß sein, aufs Neue zwar die Unterschiede zwischen uns nicht zu übersehen, uns aber dennoch unserer Gemeinsamkeiten stärker bewußt zu werden. Wer von uns sehnte sich nicht danach, daß wir im gemeinsamen eucharistischen Gottesdienst zur wahren, gottgewollten Einheit des Leibes Christi gelangen? Der Gottesdienst ist Ursprung und Mittelpunkt allen geistlichen Lebens in der Kirche und deshalb auch von ganz entscheidender Bedeutung für eine Ökumene, die sich auf die wahre Einheit zubewegen will.
Im Gottesdienst dürfen wir zudem erleben, wie Gott immer wieder in diese Welt eingeht. Im Gottesdienst dürfen wir uns der Ökumene aller Zeiten und der Kirche des Himmels und der Erde verbunden fühlen. Mit großem Interesse werden wir den Gesprächen auf Ihrer Synode folgen.
Ich möchte dieses Grußwort schließen mit einem warmen und sehr herzlichen Dank an den scheidenden Ratsvorsitzenden, den hochwürdigen Herrn Landesbischof Dr. Klaus Engelhardt. Er hat das Amt eines Vorsitzenden des Rates der EKD in einer Zeit innegehabt, da die deutschen evangelischen Kirchen sich wieder zusammenschließen konnten und zu gemeinsamem kirchlichem Handeln finden mußten. Das war nicht leicht und erforderte Geduld, Weisheit, Gelassenheit und die Fähigkeit zum Ausgleich. Wir möchten Bischof Engelhardt unseren Respekt und unsere Bewunderung für seine Wirksamkeit ausdrücken, dazu unsere Dankbarkeit für alles, was er für die deutsche Ökumene getan hat.
Ihnen allen wünschen wir eine von Gott gesegnete Synodaltagung und den Beistand Seines Heiligen Geistes bei allen Entscheidungen und bei den Wahlen auf dieser Synode.
Bei den Grußworten handelt es sich um nicht redigierte Texte!

