Grußworte
2. Tagung der 9. Synode der EKD (2.-7. November 1997, Wetzlar)
Oskar Lafontaine
Schriftliches Grußwort des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
Sehr verehrte Synodale,
zur Tagung der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland übermittle ich meine herzlichen Grüße.
Ihr Schwerpunktthema "Gottesdienst" hat eine große gesellschaftliche Bedeutung.
Um Gottesdienste auch in Zukunft unbeschwert feiern zu können, darf der gesellschaftliche Schutz des Sonn- und Feiertages nicht angetastet werden.
Ich erinnere daran, daß das gültige Arbeitszeitgesetz, mit dem das Arbeitsverbot an Sonn- und Feiertagen erheblich gelockert wurde, gegen die Stimmen der SPD im Deutschen Bundestag angenommen wurde.
Wir brauchen ein neues Nachdenken über das Kulturgut Sonn- und Feiertag. Im Gemeinsamen Wort der Kirchen "Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit" heißt es dazu: "Ein unersetzliches Gut der Sozialkultur ist der Sonntag. Der Schutz des Sonntags ist immer mehr dadurch bedroht, daß ihm ökonomische Interessen vorgeordnet werden. Der Sonntag muß geschützt bleiben."
Die SPD tritt dafür ein, diesen Freiraum nicht Stück um Stück zu beschneiden. Wir brauchen (und das nicht nur am Sonntag) Zeiten, in denen äußere und innere Ruhe gefunden werden kann. Diese Zeiten können nicht ohne schwerwiegende Folgen für den einzelnen und die Gemeinschaft zur Disposition gestellt werden.
Evangelische Christen, ihre Gemeinden, Synoden und Kirchenleitungen haben mit dem Gemeinsamen Wort dazu beigetragen, die Diskussion über eine solidarische und gerechte Gesellschaft zu verstärken. Für die SPD ist der Dialog mit der Kirche unverzichtbar. Er gibt ihr wichtige Anregungen für die Bewältigung der politischen Herausforderungen.
In diesem Sinne hoffe ich auf eine weitere konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Evangelischen Kirche und der SPD.
Mit herzlichen Grüßen
Oskar Lafontaine
Bei den Grußworten handelt es sich um nicht redigierte Texte!

