Grußworte

7. Tagung der 8. Synode der EKD (3.-7. November 1996, Borkum)

Konrad Raiser

Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen

Konrad Raiser

Im Namen des Ökumenischen Rates der Kirchen grüße ich Sie herzlich zu dieser Tagung der EKD-Synode in Borkum. Schwierige Beratungen und Entscheidungen liegen vor Ihnen in diesen Tagen. Möge Gott Ihr Zusammensein und Ihre Arbeit segnen, so daß durch Ihre Entscheidungen Einheit und Zeugnis der Evangelischen Kirche in Deutschland gestärkt werden.

Die Mandatsperiode dieser Synode neigt sich ihrem Ende zu. In diesen sechs Jahren haben sich in Kirche und Gesellschaft in Deutschland umwälzende Veränderungen vollzogen. Der Ökumenische Rat der Kirchen hat daran fürbittend und mitdenkend teilgenommen, wie dies u.a. durch den ökumenischen Teambesuch im Jahr 1993 zum Ausdruck gekommen ist. Die wiedergewonnene Einheit Deutschlands und der Prozeß des Zusammenwachsens zwischen Ost und West in Europa haben Fragen aufgeworfen, für die wir noch keine abschließenden Antworten gefunden haben.

Wie werden die Kirchen präsent sein im neuen Europa: als Brückenbauer und Werkzeuge der Versöhnung oder als Verteidiger von konfessionellen, nationalen bzw. ethnischen Eigeninteressen? Wie kann Einheit Gestalt gewinnen, solange wir noch nach Wegen suchen, mit unserer getrennten Vergangenheit ehrlich umzugehen? Die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung in Graz im Juni des nächsten Jahres unter dem Thema "Versöhnung - Gabe Gottes und Quelle neuen Lebens" könnte wichtige Impulse vermitteln - gerade in der kritischen Schlußphase der Verhandlungen zur Revision des Maastricht-Vertrages.

Die hier nur angedeuteten Fragen und Aufgaben werden die ökumenische Arbeit noch auf lange Zeit beschäftigen. Wie Sie wissen, bereitet sich der Ökumenische Rat darauf vor, im Rahmen seiner Achten Vollversammlung in zwei Jahren sein 50jähriges Jubiläum zu begehen. Innere und äußere Faktoren tragen dazu bei, daß diese Vollversammlung wahrscheinlich einen Einschnitt im Leben des Ökumenischen Rates markieren wird.

Der schon vor einigen Jahren in Gang gesetzte Prozeß der Klärung von Zielorientierung und Aufgaben des Ökumenischen Rates am Vorabend des 21. Jahrhunderts hat zu der Einsicht geführt, daß der Ökumenische Rat stärker als bisher seinen Charakter als "Gemeinschaft von Kirchen" zum Ausdruck bringen muß. Darüber hinaus nötigt uns die kritische finanzielle Situation des Ökumenischen Rates dazu, uns stärker zu konzentrieren auf die Kernbereiche, die durch die Verfassung des Ökumenischen Rates selbst vorgegeben sind. Der Entwurf einer Grundsatzerklärung zum "Gemeinsamen Verständnis und der gemeinsamen Vision" wird allen Mitgliedskirchen in Kürze zur Stellungnahme zugesandt werden.

Der Ökumenische Rat ist dankbar für die verständnisvolle Begleitung und nachdrückliche Unterstützung seiner Arbeit während der Amtszeit dieser Synode und des von ihr gewählten Rates. Viele Beispiele könnten genannt werden. Sie werden aus Anlaß der Beratungen über das Gesetz zur Mitarbeit der EKD in der Ökumene, aber auch bei den Haushaltsberatungen und anderen ökumenisch relevanten Punkten der Tagesordnung Gelegenheit haben, die ökumenische Verpflichtung der EKD zu bekräftigen. Ich erwähne hier nur die Entscheidung des Rates, die vom Ökumenischen Rat der Kirchen initiierte Petitionskampagne zum Klimawandel vom 1. Oktober 1996 bis zum 31. Januar 1997 unter der Trägerschaft der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der Gliedkirchen der EKD durchzuführen. Dieser Dank verbindet sich mit der Hoffnung, daß die in den letzten Jahrzehnten gewachsene Verpflichtung auch in Zeiten der Krise und des Übergangs nicht aufgegeben wird und daß wir auch in Zukunft auf die aktive Mitarbeit von seiten der Evangelischen Kirche in Deutschland und der sich im Mai nächsten Jahres neu konstituierenden Synode zählen können.

Den Beratungen während dieser Synodaltagung wünsche ich einen fruchtbaren Verlauf.


Bei den Grußworten handelt es sich um nicht redigierte Texte!



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