Grußworte

3. Tagung der 9. Synode der EKD (1.-6. November 1998, Münster)

Metropolit Augoustinos

Griechisch-Orthodoxe Metropolie, Bonn

Metropolit Augoustinos

Herr Präses, Hohe Synode, liebe Schwestern und Brüder in Christo!

Als griechisch-orthodoxer Metropolit von Deutschland möchte ich alle Teilnehmer der 3. Tagung der 9. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland sehr herzlich grüßen. Ich tue dies auch im Namen unserer Geistlichen und Gläubigen, die die Beratungen und Verhandlungen der Synode mit Interesse verfolgen, vor allem das Schwerpunktthema der Tagung, die Diakonie.

Vor 150 Jahren haben die evangelischen Christen in Deutschland die Aufgabe der Diakonie neu für sich entdeckt, die Johann Hinrich Wichern für seine Kirche mit dem klassisch gewordenen Satz "Die Liebe gehört mir wie der Glaube" bezeichnete. Die kirchliche Liebesarbeit der evangelischen Christen im 19. Jahrhundert wurde 100 Jahre später zum Diakonischen Werk der Kirche. Beide haben mit immer neuen Initiativen, mit Erfindergeist, Einsatzfreude und Opferbereitschaft in den Katastrophen unserer Epoche nicht nur den evangelischen Christen in Deutschland, sondern auch den Menschen anderer Völker und Länder in der weiten Welt tausendfach spontan und doch vorzüglich organisierte Hilfe geleistet. Hier wurde deutlich, daß diakonischer Dienst immer die christliche Antwort auf die Nöte der Zeit ist. Unsere Metropolie durfte dieses Engagement des Diakonischen Werkes selbst erfahren. Deshalb fühlen wir uns in Dankbarkeit für die diakonische Arbeit der evangelischen Christen Deutschlands allen Menschen verbunden, die einen solchen Dienst erfahren durften.

Diakonie wurzelt im Glauben an den Dreieinigen Gott. Für die orthodoxen Christen ist deshalb Diakonia der Kirche stets mit der Liturgia und dem Martyria verbunden. Der Dienst der Liebe am Nächsten ist also von der verherrlichenden Anbetung Gottes und dem Glaubenszeugnis nicht zu trennen. Daran sollte sich die Kirche immer wieder erinnern und allein von hier aus kann sich die Diakonie erneuern. Wenn ich es recht verstehe, geht es auf Ihrer Synodaltagung auch um eine solche Erneuerung der diakonischen Arbeit. Dazu wünsche ich Ihnen Gottes Segen.

Es sei mir erlaubt, an dieser Stelle vor dieser Synode noch folgendes zur augenblicklichen ökumenischen Situation zu sagen. Zur Zeit gibt es, wie Sie alle wissen, innerorthodoxe Schwierigkeiten, die auch mit dem Ende des "real existierenden Sozialismus" zusammenhängen. Sie drohen, sich auf das ökumenische Verhältnis zu den evangelischen Kirchen negativ auszuwirken. Ich selbst hoffe zuversichtlich, daß die Vollversammlung von Harare nicht ernsthaft beeinträchtigt wird und die ökumenische Gemeinschaft zwischen uns keinen Schaden nimmt.

Das gemeinsame Gebet muß uns erhalten bleiben. Darum sollen wir Gott nachhaltig immer wieder bitten.

Für die diesjährige Synodaltagung spreche ich Ihnen meine guten Wünsche aus. Möge der Heilige Geist Gottes bei Ihren Beratungen und Beschlüssen mitwirken zum Wohle Ihrer Kirche und aller Menschen, die in Deutschland leben. Ich danke Ihnen.


Bei den Grußworten handelt es sich um nicht redigierte Texte!



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