Grußworte
3. Tagung der 9. Synode der EKD (1.-6. November 1998, Münster)
Ministerpräsident Wolfgang Clement
Landesregierung Nordrhein-Westfalen
Herr Ratsvorsitzender, Herr Präses, Frau Bischöfin, meine Herren Bischöfe und Präsides, meine Damen und Herren!
Ich freue mich sehr, daß ich Sie zusammen mit der Frau Oberbürgermeisterin und meiner Kollegin Bulmahn heute begrüßen darf, hier an Allerheiligen im katholischen Münster. Dies ist, wie Sie wissen und in diesen Tagen sicherlich noch oft hören werden, die Stadt des Westfälischen Friedens. Bei den Kategorien des Westfälischen Friedens oder, besser gesagt, des Dreißigjährigen Krieges, der ja ein Konfessionskrieg war, in seinem Ursprung jedenfalls, hätten Sie eigentlich in Osnabrück tagen müssen, wo ja die evangelische Seite seinerzeit getagt hat und ihren Kontakt zu Münster gehalten hat. Aber wir freuen uns, daß Sie diese Grenze überschritten haben und hier in Nordrhein-Westfalen zu Gast sind. Präses Sorg hat vorhin gesagt, daß mit dem Westfälischen Frieden vor 350 Jahren so etwas wie ein zaghafter Ansatz zur Ökumene gelegt worden sei. Dann geht einem natürlich durch den Kopf, daß seither eben 350 Jahre vergangen sind, denn Ökumene ist eine sehr langwierige Veranstaltung.
Wir freuen uns sehr, daß die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland 1998 bei uns in Nordrhein-Westfalen tagt. Ich begrüße Sie sehr herzlich in unserem Land. Ich wünsche Ihnen gute Beratungen, natürlich möglichst einmütige, wer wünscht sich das nicht. Dabei weiß ich natürlich auch aus unserer Arbeit, aus der Arbeit der Landespolitik und der Landesregierung, daß es in Zeiten knapper Kassen und knapper werdender Mittel insgesamt nicht leicht wird, zu solchen einmütigen Entscheidungen zu finden. Aber gerade in einer solchen Zeit ist es besonders ratsam - nicht nur in solchen Zeiten, aber erst recht in solchen Zeiten -, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wenn man das tut, dann wird man eine große Schnittmenge der Aufgaben finden, vor denen die demokratischen Kräfte unserer Gesellschaft, vor denen Kirche und Staat, vor denen alle Institutionen in unserem Lande stehen. Wahrscheinlich geht es Ihnen oder einigen von Ihnen auch so, daß wir spüren, daß wir stärker als sonst aufeinander angewiesen sind. Natürlich steht jeder an seinem Platz, jede an ihrem Platz, aber wir wissen, das, was uns verbindet, hat ein stärkeres Gewicht bekommen. Vor allen Dingen die Frage, die Präses Sorg vorhin in den Mittelpunkt gerückt hat, wie wir die Menschen im Lande wieder in Arbeit und Brot bringen können.
Ich denke, das ist die Hauptaufgabe, vor der wir stehen, die Menschen wieder in Arbeit und Brot zu bringen, vor allem die jungen Leute in Ausbildung und Arbeit und Brot zu bringen, woran Sie, Herr Präses Sorg, schon erinnert haben. Das ist der Hebel, das A und O, und alle anderen Fragen - jedenfalls, soweit sie materieller Natur sind - hängen davon ab, wie wir sie beantworten, also in meiner Sprache gesagt, die verdammte Arbeitslosigkeit herunterzubringen. So werden wir auch der Gesellschaft wieder mehr Orientierung geben können.
Über diese eine große Aufgabe hinaus gibt es viele Aufgaben, vor denen wir stehen und die nach einer Lösung verlangen. Ich habe das Thema der Arbeitslosigkeit nicht nur beispielhaft erwähnt, sondern weil es aus meiner Sicht absoluten Vorrang hat. Ich möchte Ihnen gerne versichern, daß wir - trotz der Verschiedenheit der Bereiche, in denen wir tätig sind - das Land Nordrhein-Westfalen, wir als neue Landesregierung, ich als neuer Ministerpräsident in der Nachfolge von Johannes Rau, der ja Ihrer Arbeit in einer ganz besonderen Weise verbunden ist, dankbar sind für die Arbeit der Kirchen und daß das Land Nordrhein-Westfalen und diese Landesregierung ein verläßlicher Partner, besonders auch der Kirchen, sein und bleiben werden.
Das möchte ich Ihnen an diesem Tage gerne versichern und Ihnen ein herzliches Willkommen sagen. Ein Glückauf und Gottes Segen.
Bei den Grußworten handelt es sich um nicht redigierte Texte!

