Grußworte

4. Tagung der 9. Synode der EKD (7. - 12. November 1999, Leipzig)

Metropolit Augoustinos

Metropolit Augoustinos

Liebe Schwestern und Brüder in Christo! Herrn Präses Dr. Schmude und der Synode danke ich sehr herzlich für die Einladung, an der 4. Tagung der 9. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland in Leipzig teilzunehmen.

Wie immer bin ich dieser Einladung sehr gern gefolgt; einmal weil das die ökumenische Verbundenheit zwischen unseren Kirchen weiter fördert - Westchristen und Ostchristen gehören zusammen und können unendlich viel voneinander lernen -, zum anderen aber auch wegen des Schwerpunktthemas der Synode, das sich mit dem missionarischen Auftrag der Kirche beschäftigt.

Auch für uns orthodoxe Christen ist dieses Thema aktuell und bedeutungsvoll. Der Sendungsauftrag, den uns unser Herr Jesus Christus hinterließ, will - so glaube ich - in jedem Jahrtausend, zu jeder Zeit vollzogen und erfüllt werden. Wie in den westlichen Kirchen ist auch in der orthodoxen Kirche die Sendungspflicht stets ein grundlegendes Element ihres kirchlichen Bewusstseins gewesen und ist es noch.

Wir unterscheiden zwischen pastoraler Fürsorge in unseren Gemeinden und der christlichen Sendung, die als ein Zeugnis für den lebendigen dreieinigen Gott zum Heil ruft und Menschen in der Kirche verbindet, die entweder noch nicht zur Kirche gehören oder die Bindung an sie zerrissen und verloren haben. Diese Sendungspflicht, die ihren Grund im Evangelium selbst hat, ist jedem Christen aufgetragen.

So war es in apostolischer Zeit, und auch in Byzanz wurde missionarische Verkündigung nicht nur von einer Gruppe von Spezialisten wahrgenommen, sondern auch von Bischöfen, Priestern und Mönchen ebenso wie von Kaisern, Prinzessinnen und Diplomaten, von Soldaten, Gefangenen, Seeleuten, Auswanderern, Reisenden, Händlern und vielen anderen, anders ausgedrückt: von der ganzen christlichen Gemeinde. Missionarisches Wirken ist aber nicht nur durch den großen Kreis der Ausübenden umfassend, sondern vor allem auch durch sein Wesen, das von Apostolizität, Katholizität und Ökumenizität geprägt ist.

Fraglos ist es in unserer Zeit für die Christen notwendiger denn je, ihrem Sendungsauftrag nachzukommen. Tatsächlich sehnt sich die Welt nach Frieden, Gerechtigkeit und wahrer Gemeinschaft. Oder christlich ausgedrückt: Die Menschen warten auf die Verkündigung des Evangeliums der Freiheit, der Liebe und des neuen Lebens in Christo. Deshalb müssen wir Christen uns unserer missionarischen Verantwortung immer wieder aufs Neue bewusst werden. Jedes geistige und geistliche Vakuum, das durch unsere Trägheit, Ängstlichkeit und Nachlässigkeit entsteht, wird durch andere Kräfte gefüllt - nicht immer zum Segen der Menschen. Das lehrt uns die Geschichte.

Ich möchte mit einem Zitat aus der Veröffentlichung des derzeitigen orthodoxen Erzbischofs Anastasious von Tirana und Albanien schließen, der über die christliche Mission schreibt: "Die verwandelnde Herrlichkeit und die Kraft des dreieinigen Gottes müssen in die Zeit, in jeden Ausdruck des menschlichen Lebens und in die Schöpfung durch die Sendung der Kirche hinein strahlen." In der Tat kann sich der Sendungsauftrag der Christen nur auf diese Weise verwirklichen, damit sich der Wille Gottes zur Rettung der Welt erfüllt.

Ihnen und Ihrer Tagung wünsche ich, dass sie im Blick auf den missionarischen Auftrag die Früchte bringt, die wir uns alle für unseren Dienst erhoffen. Ich grüße Sie mit meinen Segenswünschen und erbitte für diese Synode den Beistand des dreieinigen Gottes.


Bei den Grußworten handelt es sich um nicht redigierte Texte!



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