„Vertraut den neuen Wegen“: Die friedliche Revolution und neue Aufbrüche

Kalenderblatt Oktober 2014

Monatsthema Oktober

„Menschen bewegen die Welt: Das haben wir in erstaunlicher Weise in den 1980er-Jahren erleben dürfen! […] Eine Friedliche Revolution ohne Blutvergießen! Eine Revolution, die aus der Kirche kam, die die Alternative Jesu der Gewaltlosigkeit in die Handlungsmaxime »Keine Gewalt« übersetzte und auf der Straße konsequent praktizierte. Eine Revolution, die in dem Ruf »Wir sind das Volk« ein Selbstbewusstsein freilegte, das nach Jahrzehnten der Einschüchterung und Angst niemand erwartete.“, so Christian Führer, einer der führenden Köpfe friedlichen Revolution 1989, der wir diesen Monat gedenken.

Am 9. Oktober 1989 war die Großdemonstration in Leipzig, ausgehend von dem Friedensgebet in der Nikolaikirche; dies wurde von Christian Führer und Team gehalten. Das Wort „Vertraut den neuen Wegen“ stammt wiederum aus dem gleichnamigen Lied von dem Jenaer Theologieprofessor i.R. Klaus Peter Hertzsch, das in der Friedlichen Revolution die Menschen getragen hat. Es geht in diesem Monat einerseits um das Gedenken an den Widerstand in der ehemaligen DDR und andererseits um den Umgang mit den negativen Folgen der Diktatur. Zu diesen negativen Folgen gehören ein erhöhtes Ausmaß an Raubbau an der Natur, Konfessionslosigkeit und verfallende Kirchengebäude in manchen Dörfern.

Es gibt Menschen, die bestehende Partnerschaften aus der Zeit der DDR heute weiterpflegen und ausbauen. Es gibt das Institut „Kirche im Dialog“, das sich besonders um den Dialog mit Konfessionslosen bemüht. Es gibt Konzepte, die Folgen von Raubbau an der Natur, Flutfolgen und deren seelische Folgen zu kompensieren.

Das Projekt des Monats ist der „Förderkreis Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.“, der Dörfer darin unterstützt, eigene Vereine zur Erhaltung der Kirchengebäude vor Ort zu gründen. Besondere Vereine können sich bei ihm um ein Startkapital bewerben. Der Förderkreis Alte Kirchen unterstützt die Vereine darin, wiederum Fördergelder zum Erhalt der Kirchen zu beantragen. Er hat selber Stiftungskapital, um andere Vereine zu unterstützen.

Er versucht dafür zu sorgen, dass diese Kirchen für Touristen zugänglich gemacht werden. Er bringt neben der Website jährlich eine Zeitschrift heraus, die diese Kirchen und ihre Ansprechpartner auflistet. Indem er die Gebäude erhält er den Identifikationspunkt des Ortes auch für Nicht-Konfessionelle. Indem er die Zugänge zur Kirche schafft, gewährt er den Bewohnern und Touristen besondere Räume der Stille und der Andacht.

Mit diesem Monatsthema beenden wir den Reigen von 12 Monatsthemen, mit denen wir das Themenjahr „Reformation und Politik“ von verschiedenen Perspektiven beleuchten.

Eine Gesellschaft, die es nicht wagt, sich der Aufarbeitung der Diktaturen ihrer Vergangenheit zu stellen, und nicht den Mut aufbringt, deren negativen Folgen durch neue Aufbrüche zu kompensieren, nimmt sich selber Entfaltungsmöglichkeiten. Wir zeigen hier Berichte und Ansätze, die neue Wege weisen.

Zum Themenjahr "Reformation und Politik" ist ein umfangreiches Magazin erschienen.

Einen Beitrag zum demThema aus dem Heft zeigen wir hier:

  • Alles auf Anfang
    Der DDR-Staat wies die Kirche zurück. Sie musste Federn lassen. Und fand - auch dadurch - zu ihrer eigentlichen Aufgabe
  • Zu nah gerückt?
    Die Evangelische Kirche in der DDR setzte dem Staat zu, aber machte auch Zugeständnisse. Ließ sie sich zu sehr vereinnahmen?

Aus der Praxis


Rückblick