2017: Worum es geht

20. Oktober 2015

Mut! Eigentlich ist es unerschütterlicher Mut, den das Reformationsjubiläum 2017 mit dem Datum des Thesenanschlags in den Fokus rückt und feiert. Da hat es jemand gewagt, gegen alle Autoritäten aufzustehen und Gott ganz neu zu sehen. Zweifelsohne war Martin Luther ein begabter Mann, ein scharfer Denker, ein Kundiger des Glaubens und seiner Traditionen. Was seinen Ideen aber die entscheidende Wucht verliehen hat, war sein Mut – Gott neu zu denken und ins Gespräch zu bringen.

Die 95 Thesen, die Luther am 31. Oktober 1517 publik gemacht hat, haben viel in Bewegung gebracht und Neues angestoßen. Genau genommen ist diese Bewegung 500 Jahre lang nie wieder ganz zum Stillstand gekommen. Und das soll sie auch nicht. Weil die Begegnung mit Gott immer wieder neu ist – anders als vormals, anders als bei meinem Mitmenschen. Zum 500. Reformationsjubiläum gilt es, dem mutigen Mönch auf die Finger zu schauen und ihn zum Vorbild zu nehmen: den Reformator, der seine Kritik an der Kirche seiner Zeit in Flugblättern verbreitet, der festgefügten Ordnungen widerspricht und die Bibel in einem ganz neuen Zungenschlag erzählt.

Durch die Vielfalt der Gottesdienste, Feste und Veranstaltungen, die zum Reformationsjubiläum geplant werden, soll sich daher ein Faden ziehen. Ein Erzählfaden, der die Geschichte dieser Bewegung aufnimmt: "Gott: neu“ lautet die Narration, die dazu einlädt in ganz unterschiedlichen Räumen nach neuen Begegnungen mit Gott zu suchen. Ihn neu zu erfahren, zu denken und zu bitten, neu zu erzählen, zu feiern, zu entdecken und zu glauben. In allen Variationen setzt "Gott: neu“ an bei der Sehnsucht, der Suche nach Gott. Wir halten Ausschau, im doppelten Sinne: suchend und ausblickend nach Neuem.

Der Blick zurück auf 500 Jahre Reformationsgeschichte bietet ein beeindruckendes, in Teilen auch erschreckendes, immer aber bewegtes Bild. Die Themenjahre der Reformationsdekade gehen seit 2009 den Impulsen der Reformationsbewegung nach, die weit über die Kirche hinaus, Gesellschaft, Politik und Kultur geprägt haben. Mit dem Themenjahr "Reformation und die eine Welt“, das am Reformationstag 2015 eröffnet wurde, weitet sich der Blick noch mal über den deutschsprachigen Raum hinaus auf die protestantischen Traditionen rund um den Globus. Das Jubiläum reflektiert aber nicht nur die Reformation in der Vergangenheit, sondern gibt den Impuls weiter an die Zukunft. Darum soll es 2017 wieder darum gehen: Gott selbst neu ins Gespräch zu bringen. In einer zunehmend säkular denkenden Gesellschaft braucht es dafür – nach wie vor – Mut. 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag macht das aber auch: Mut.