...alles stirbt einmal...
I. Erste Annäherung an das Thema Tod
"Was ist das" fragt der Frosch?
Schwanenwinter
II. Abschied und Trauer
Der rote Faden
Leb wohl, lieber Dachs
Meine Schwester ist ein Engel?
III. Tod aus nächster Nähe
Hat Opa einen Anzug an?
Ein Wolkenlied für Omama
Abschied von Rune
Sadako
IV. Leben und Tod gehören zusammen
Kannst du pfeifen, Johanna
Der rote Wolf

Der rote Faden

Heike Ellermann

Vier Kinder finden beim Versteckspielen einen roten Faden. Sie folgen der "heißen Spur" und kommen so an das Friedhofstor. Der Faden läuft genau auf ein Grab mit einer Windmühle zu: "Ulla Neumann 1950-1959". Sie ist schon lange tot und wäre jetzt erwachsen. Offensichtlich hat kürzlich jemand die Blumen gegossen. Der mit dem roten Faden? Die Kinder folgen der Spur weiter und holen eine alte Frau ein, aus deren Korb sich die Wolle abgewickelt hat.

Frau Neumann, Ullas Mutter, lädt die "Detektive" in ihr Haus ein. Sie zeigt den Kindern Fotos von ihrer Tochter und erzählt aus deren Leben. Ihre Trauer um Ulla hat nicht aufgehört. Aber: "Ich denke oft an die schönen und lustigen Erlebnisse mit ihr. Ich bin glücklich, daß es Ulla gab." Zum Abschied schenkt Frau Neumann den vieren bunte Windräder, wie sie eines auf dem Grab gesehen haben. Die ganzseitigen Temperabilder bestechen durch großzügige Flächen und den Stimmungsreiz der Farben: Blau und Gelb der Kinderjacken vor hellen und dunklen Grün- und Grau-Blau-Tönen. Der rote Faden, spielerisch wichtiges Utensil, der auch als Sinnbild für den Zusammenhang von Leben und Tod zu sehen ist, schlängelt sich über die Bilder und leuchtet auch auf den weißen Textseiten.

Thematischer Schwerpunkt:

Mit dem Detektivspiel weckt die Autorin die Neugier der Betrachter auf die Geschichte und zieht diese zu einem Thema, das sie selten von selbst ansteuern. So wird eine Kindergruppe mit dem Tod einer Gleichaltrigen konfrontiert. Die vier haben sie nie gekannt, sind darum nicht direkt betroffen, aber sie reagieren nachdenklich. "Mit neun Jahren ist die gestorben." Die Kinder müssen Ullas Mutter nicht trösten. Sie erfahren im Gespräch mit ihr, dass Trauer nicht einfach aufhört, aber dass man mit ihr leben kann. Man muß sie nicht verstecken, sie wird durch schöne Erinnerungen erträglich, und sie öffnet für andere.

Das klar aufgebaute Buch enthält viel wörtliche Rede. Es ist unsentimental und auch ohne christliche Aussage wichtig, weil es sich in einer völlig unbelasteten Stimmung dem Thema Sterben und Tod annähert. Trauer erscheint hier nicht von ihrer düsteren und bedrückenden Seite. Die Kinder erleben, dass man Trauernden ganz "normal" begegnen kann. Der Schluß signalisiert Lebensfreude in Text und Bild.

Irmgard Schmidt-Wieck

2. Aufl. - Oldenburg: Lappan
1994 - 31 S.; 22 x 28 cm
ISBN 3-89082-112-x geb.: 24,80

Zielgruppe:

Kinder ab 5-6 Jahren

Weitere Anregungen:

Es liegt nahe, nach dem Betrachten die Freude der Kinder darüber, dass sie spielen und singen und laufen können, aufzunehmen.

Vorschlag:

Ein Kinderlied singen und/oder Windräder basteln. So wie für die Kinder in der Geschichte die Windräder die Erinnerung an den Besuch bei der Mutter der toten Ulla Neumann verfestigen, können sie bei betrachtenden Kindern die Erinnerung an das Buch verstärken. (Liedbeispiel und Bastelanleitung nebenstehend)

Herausgeber:
Deutscher Verband Evangelischer Büchereien e.V. (DVEB)
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