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Der rote Faden
Heike Ellermann
Vier Kinder finden beim Versteckspielen einen roten Faden. Sie folgen der
"heißen Spur" und kommen so an das Friedhofstor. Der Faden läuft genau auf
ein Grab mit einer Windmühle zu: "Ulla Neumann 1950-1959". Sie ist schon
lange tot und wäre jetzt erwachsen. Offensichtlich hat kürzlich jemand die
Blumen gegossen. Der mit dem roten Faden? Die Kinder folgen der Spur weiter
und holen eine alte Frau ein, aus deren Korb sich die Wolle abgewickelt hat.
Frau Neumann, Ullas Mutter, lädt die "Detektive" in ihr Haus ein. Sie zeigt den
Kindern Fotos von ihrer Tochter und erzählt aus deren Leben. Ihre Trauer um
Ulla hat nicht aufgehört. Aber: "Ich denke oft an die schönen und lustigen
Erlebnisse mit ihr. Ich bin glücklich, daß es Ulla gab." Zum Abschied schenkt
Frau Neumann den vieren bunte Windräder, wie sie eines auf dem Grab
gesehen haben.
Die ganzseitigen Temperabilder bestechen durch großzügige Flächen und
den Stimmungsreiz der Farben: Blau und Gelb der Kinderjacken vor hellen und
dunklen Grün- und Grau-Blau-Tönen. Der rote Faden, spielerisch wichtiges
Utensil, der auch als Sinnbild für den Zusammenhang von Leben und Tod zu
sehen ist, schlängelt sich über die Bilder und leuchtet auch auf den weißen
Textseiten.
Thematischer Schwerpunkt:
Mit dem Detektivspiel weckt die Autorin die Neugier der Betrachter auf die
Geschichte und zieht diese zu einem Thema, das sie selten von selbst
ansteuern. So wird eine Kindergruppe mit dem Tod einer Gleichaltrigen
konfrontiert. Die vier haben sie nie gekannt, sind darum nicht direkt betroffen,
aber sie reagieren nachdenklich. "Mit neun Jahren ist die gestorben." Die
Kinder müssen Ullas Mutter nicht trösten. Sie erfahren im Gespräch mit ihr,
dass Trauer nicht einfach aufhört, aber dass man mit ihr leben kann. Man muß
sie nicht verstecken, sie wird durch schöne Erinnerungen erträglich, und sie
öffnet für andere.
Das klar aufgebaute Buch enthält viel wörtliche Rede. Es ist unsentimental
und auch ohne christliche Aussage wichtig, weil es sich in einer völlig
unbelasteten Stimmung dem Thema Sterben und Tod annähert. Trauer
erscheint hier nicht von ihrer düsteren und bedrückenden Seite. Die Kinder
erleben, dass man Trauernden ganz "normal" begegnen kann. Der Schluß
signalisiert Lebensfreude in Text und Bild.
Irmgard Schmidt-Wieck
2. Aufl. - Oldenburg: Lappan
1994 - 31 S.; 22 x 28 cm
ISBN 3-89082-112-x geb.: 24,80
Zielgruppe:
Kinder ab 5-6 Jahren
Weitere Anregungen:
Es liegt nahe, nach dem Betrachten die Freude der Kinder darüber, dass
sie spielen und singen und laufen können, aufzunehmen.
Vorschlag:
Ein Kinderlied singen und/oder Windräder
basteln. So wie für die Kinder in der Geschichte die Windräder die
Erinnerung an den Besuch bei der Mutter der toten Ulla Neumann
verfestigen, können sie bei betrachtenden Kindern die Erinnerung an
das Buch verstärken. (Liedbeispiel und Bastelanleitung nebenstehend)
Herausgeber:
Deutscher Verband Evangelischer Büchereien e.V. (DVEB)
Bürgerstraße 2a
37073 Göttingen
Telefon: 0551/ 500 759-0
Telefax: 0551/704415
e-mail: dveb@dveb.info
Redaktion:
DER EVANGELISCHE BUCHBERATER
Gabriele Kassenbrock
Design: Sabine Steiner, Arbeitsstelle Internet
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