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Meine Schwester ist ein Engel
Ulf Stark (Text)
Anna Höglund (Ill.)
Ulfs Schwester ist gestorben, im Bauch der Mutter, längst bevor Ulf und sein
älterer Bruder geboren wurden. Aber für Ulf ist Marie-Luise (so hätte
sie heißen sollen) die beste Schwester, die er sich vorstellen kann: lieb
und lustig, manchmal wild und frech und in schwierigen Situationen
(unsichtbar) für ihn da. Kein Wunder deshalb sein brennendes Interesse an
der Frage, ob es im Himmel auch Schokoriesen, Orangenlimo und Hunde
gibt. Ulfs Lehrerin hält diese Frage für einen schlechten Witz und stellt ihn
vor die Tür.
Kein Wunder auch, dass es in Ulfs Logik einleuchtend erscheint,
dass, wenn er seine Schwester lieb genug hat, sie durch Ulfs Augen, seine
Zunge und seine Ohren ein Stück seiner irdischen Welt wahrnehmen kann.
Und als seine Mutter zum Trost dafür, dass er keinen Hund bekommt, ihm
eine blonde Faschings-Perücke kauft, ist es nur noch ein kleiner Schritt,
bis er - verwandelt durch Kleid und Perücke - so aussieht, wie seine
Schwester ausgesehen haben könnte. Nun kann er ihr seine kleine Welt
in Stureby zeigen mit all den irdischen Genüssen wie Schoko-Sahne-
riesen und Orangenlimo und mit ihr ins Kino gehen und dabei auf einer
gefalteten Eintrittskarte pfeifen. Bei seinen Freunden allerdings kommt er
mit seiner Schwester nicht so gut an. Die Erwachsenen zeigen Befremden
und Belustigung. Für Ulf folgt daraus ein ernstes Vater-Sohn-Gespräch,
in dem er dem Vater die Einmaligkeit seiner Verwandlung in ein Mädchen
versichert.
Seine Schwester verabschiedet sich nun von ihm, sie läßt sich
vom Wind davontragen. "Aber eines Tages sehen wir uns trotzdem wieder",
sagt Ulf und geht mit dem ganz irdischen Nachbarshund spazieren.
Thematischer
Schwerpunkt:
Die Auswirkungen eines totgeborenen Kindes aufs Familiengeschehen
werden hier (erstmalig?) in einem Bilderbuch thematisiert. Es geht dabei um
Identitätsfindung, das übernehmen einer anderen Rolle und auch um Trauer
und Abschied. Ganz konsequent wird aus der Perspektive des Kindes erzählt.
Unbeeindruckt von den Vorstellungen der Erwachsenen lebt Ulf seine
Geschichte mit seiner Engelsschwester bis zu einem- wenn auch nicht
endgültigen - aber annehmbaren Ende. Die Geschichte bietet Kindern
Identifikationsmöglichkeiten mit einer Lebenswelt, in der die Vermischung
von Realität und Phantasie beflügeln kann.
Die humorvolle Erzählweise baut für die Leser /-innen aber auch immer
wieder Distanzierungsmöglichkeiten ein.
Ulrike Pagel-Hollenbach
Hamburg: Carlsen
1997 - 40 S.; 24 cm
Aus dem Schwedischen übersetzt.
ISBN 3-551-51476-3
geb. 24,90
Zielgruppe:
Kinder ab 6
Jahren, auch für Erwachsene ansprechend, da die Komplexität des
Themas in Text und Bildern zum Nach- und Weiter- denken reizt.
Herausgeber:
Deutscher Verband Evangelischer Büchereien e.V. (DVEB)
Bürgerstraße 2a
37073 Göttingen
Telefon: 0551/ 500 759-0
Telefax: 0551/704415
e-mail: dveb@dveb.info
Redaktion:
DER EVANGELISCHE BUCHBERATER
Gabriele Kassenbrock
Design: Sabine Steiner, Arbeitsstelle Internet
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