...alles stirbt einmal...
I. Erste Annäherung an das Thema Tod
"Was ist das" fragt der Frosch?
Schwanenwinter
II. Abschied und Trauer
Der rote Faden
Leb wohl, lieber Dachs
Meine Schwester ist ein Engel?
III. Tod aus nächster Nähe
Hat Opa einen Anzug an?
Ein Wolkenlied für Omama
Abschied von Rune
Sadako
IV. Leben und Tod gehören zusammen
Kannst du pfeifen, Johanna
Der rote Wolf

Meine Schwester ist ein Engel

Ulf Stark (Text)
Anna Höglund (Ill.)

Ulfs Schwester ist gestorben, im Bauch der Mutter, längst bevor Ulf und sein älterer Bruder geboren wurden. Aber für Ulf ist Marie-Luise (so hätte sie heißen sollen) die beste Schwester, die er sich vorstellen kann: lieb und lustig, manchmal wild und frech und in schwierigen Situationen (unsichtbar) für ihn da. Kein Wunder deshalb sein brennendes Interesse an der Frage, ob es im Himmel auch Schokoriesen, Orangenlimo und Hunde gibt. Ulfs Lehrerin hält diese Frage für einen schlechten Witz und stellt ihn vor die Tür.

Kein Wunder auch, dass es in Ulfs Logik einleuchtend erscheint, dass, wenn er seine Schwester lieb genug hat, sie durch Ulfs Augen, seine Zunge und seine Ohren ein Stück seiner irdischen Welt wahrnehmen kann. Und als seine Mutter zum Trost dafür, dass er keinen Hund bekommt, ihm eine blonde Faschings-Perücke kauft, ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis er - verwandelt durch Kleid und Perücke - so aussieht, wie seine Schwester ausgesehen haben könnte. Nun kann er ihr seine kleine Welt in Stureby zeigen mit all den irdischen Genüssen wie Schoko-Sahne- riesen und Orangenlimo und mit ihr ins Kino gehen und dabei auf einer gefalteten Eintrittskarte pfeifen. Bei seinen Freunden allerdings kommt er mit seiner Schwester nicht so gut an. Die Erwachsenen zeigen Befremden und Belustigung. Für Ulf folgt daraus ein ernstes Vater-Sohn-Gespräch, in dem er dem Vater die Einmaligkeit seiner Verwandlung in ein Mädchen versichert.

Seine Schwester verabschiedet sich nun von ihm, sie läßt sich vom Wind davontragen. "Aber eines Tages sehen wir uns trotzdem wieder", sagt Ulf und geht mit dem ganz irdischen Nachbarshund spazieren.

Thematischer Schwerpunkt:

Die Auswirkungen eines totgeborenen Kindes aufs Familiengeschehen werden hier (erstmalig?) in einem Bilderbuch thematisiert. Es geht dabei um Identitätsfindung, das übernehmen einer anderen Rolle und auch um Trauer und Abschied. Ganz konsequent wird aus der Perspektive des Kindes erzählt. Unbeeindruckt von den Vorstellungen der Erwachsenen lebt Ulf seine Geschichte mit seiner Engelsschwester bis zu einem- wenn auch nicht endgültigen - aber annehmbaren Ende. Die Geschichte bietet Kindern Identifikationsmöglichkeiten mit einer Lebenswelt, in der die Vermischung von Realität und Phantasie beflügeln kann. Die humorvolle Erzählweise baut für die Leser /-innen aber auch immer wieder Distanzierungsmöglichkeiten ein.

Ulrike Pagel-Hollenbach

Hamburg: Carlsen
1997 - 40 S.; 24 cm
Aus dem Schwedischen übersetzt.
ISBN 3-551-51476-3
geb. 24,90

Zielgruppe:

Kinder ab 6 Jahren, auch für Erwachsene ansprechend, da die Komplexität des Themas in Text und Bildern zum Nach- und Weiter- denken reizt.

Herausgeber:
Deutscher Verband Evangelischer Büchereien e.V. (DVEB)
Bürgerstraße 2a
37073 Göttingen
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Redaktion: DER EVANGELISCHE BUCHBERATER
Gabriele Kassenbrock

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