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Der rote Wolf
Friedrich Karl Waechter
Russische Soldaten marschieren auf einem Bild über die Hakenkreuzfahne,
kurz vorher flieht der "rote Wolf" als Welpe mit den Menschen von Osten
nach Westen. Aber er fällt vom Wagen, wird von einer Wölfin aufgenommen und
mit deren Jungen aufgezogen. Der kleine Hund bewährt sich innerhalb des Rudels
und darf bleiben. Dieses freie Leben geht zu Ende, als seine Wolfsgefährtin
in ein Fangeisen gerät und vom kleinen Hund zu der Schlucht gezogen wird, an
deren Grund "der Vater aller Wölfe liegt."
Nun kehrt der Hund zu den Menschen zurück, wo er bei dem Mädchen Olga ein
gutes und behütetes Leben führt, bis Olga ihn, den Gealterten, auf eigenen Wunsch
ebenfalls zur Schlucht führt.
Auf den letzten Seiten lässt Wächter die Erinnerungen des Hundes an sein
vergangenes Leben in schneller Folge wie vor dem inneren Auge vorbeirauschen:
Er schafft dazu eine verkleinerte, gleichsam zeitraffende Bildfolge, die alle
Seiten des Buches noch einmal aufnimmt. Noch im Sterben ist das Bewußtsein
ganz dem diesseitigen Leben zugewandt, der Tod bleibt ohne jenseitiges Ziel.
"Mein Leben zog noch einmal an mir vorbei, und ich freute mich an meinem
langen, wunderbaren und reichen Leben".
Thematischer Schwerpunkt:
Wächter erzählt in einer knappen und direkten Sprache, die keine Nebensätze
kennt. Es geht um Flucht, Krieg, um Verlorengehen und Gefundenwerden.
Der "rote Wolf" führt eine Existenz, deren Rückseite immer-fort Bedrohung
und Tod heißt, und die den alten Spruch, dass der Tod zum Leben gehöre,
in jedem Augenblick bewußt und wahr werden läßt.
Während die Tiere wie auch das Kind Olga einen natürlichen Tod akzeptieren
können, hat der Mensch dies verlernt; dafür macht er sich überall auf der Welt
schuldig am gewaltsamen Tod. In den Kriegsszenen, die auch in das Leben
der Tiere eingreifen, macht Wächter dieses Paradox deutlich. In der Wildnis
und im Tierreich entpuppt sich der Tod als ständiger Begleiter des Lebens,
und als unvermeidliches Ende wird er weniger tragisch erfahren. Dies kann
das Gespräch mit Kindern über den Tod erleichtern.
Barbara von Korff-Schmising
Zürich: Diogenes-Verlag
1998-58 S.; 28 cm
ISBN 3-257-00848-1
geb.: 29,90
Zielgruppe:
Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene jeden Alters
Weitere Anregungen:
In dem Maße,
in dem der kleine Hund ihre Herzen erobert, werden Kinder in die
Geschichte eintauchen und im Gespräch mit Älteren die historische
Einbettung erfahren. Ebenfalls einsetzbar ist das Buch im Gespräch
mit älteren Menschen, z.B.als Bilderbuch-Kino bei Veranstaltungen
mit anschließender Gesprächsmöglichkeit.
Herausgeber:
Deutscher Verband Evangelischer Büchereien e.V. (DVEB)
Bürgerstraße 2a
37073 Göttingen
Telefon: 0551/ 500 759-0
Telefax: 0551/704415
e-mail: dveb@dveb.info
Redaktion:
DER EVANGELISCHE BUCHBERATER
Gabriele Kassenbrock
Design: Sabine Steiner, Arbeitsstelle Internet
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