Statement auf der Pressekonferenz anlässlich des Zukunftsforums

Nikolaus Schneider

15. Mai 2014

Eingangsstatement

„Informieren – transformieren – reformieren“, unter diesem Motto gestaltet die  Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) vom 15. bis 17. Mai das „Zukunftsforum 2014“. Erstmals in der Geschichte der EKD findet ein Treffen für die so genannte „mittlere Ebene“  statt – also für die Verantwortlichen der Kirchenkreise, Kirchenbezirke, Dekanate, Synodalverbände in den Landeskirchen der EKD. Nach den großen Zukunftskongressen 2007 in der Lutherstadt Wittenberg und 2009 in Kassel ist dieser Kongress ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017.

Wir haben ganz bewusst Superintendentinnen, Pröpste und ehrenamtliche Leitungsverantwortliche der Kirchenkreise eingeladen. Denn sie sind es, die zentrale Aufgaben beim „Informieren, Transformieren und Reformieren“ in unserer  Kirche schultern. Die jüngste Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der EKD zeigt, welch gravierende Herausforderungen vor uns liegen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass die evangelische Kirche in den kommenden Jahren kleiner werden wird.

Die vor uns liegenden Veränderungsprozesse kann keine Kirchengemeinde alleine schultern. Es braucht die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden in der Region. Daher kommt den Kirchenkreisen und Synodalverbänden und ihren Verantwortlichen eine Schlüsselrolle beim Wandel unserer Kirche zu. Die gegenseitige Information und der persönliche Austausch über die Erfahrungen mit Kirchenreform haben eine große Bedeutung.

Dass unser dreitägiges EKD-Zukunftsforum hier in Wuppertal und im Ruhrgebiet (Bochum, Herten, Dortmund, Herne, Gelsenkirchen) stattfindet, ist auch eine programmatische Weichenstellung.

Das Ruhrgebiet: Weil es wie kaum eine andere Region in Deutschland für einen Transformationsprozess steht, der auch für die Evangelische Kirche in Deutschland Herausforderung und Aufgabe ist und bleibt. Und Wuppertal: Weil damit die geographische Nähe zu einem Ort gegeben ist, an dem vor 80 Jahren, im Mai 1934, eine theologische Vergewisserung stattfand, die in der „Barmer Theologischen Erklärung“ ihren sprachlichen Ausdruck fand. Die sechs Thesen dieses Textes wurden in der Zeit des Nationalsozialismus zum theologischen „Rückgrat“ des Widerspruchs und des Widerstandes gegen die falsche Theologie und das Kirchenregime der so genannten „Deutschen Christen“.

Mit der Wahl des Ortes Wuppertal wird an dieses historische Datum erinnert. Es geht aber nicht nur um Kirchengeschichte. Wir machen damit auch deutlich: Die Barmer Erklärung gibt uns bis heute zentrale Wegweisungen für den Auftrag der Kirche in unserer Welt. Individuelle und kirchliche Nachfolge Christi gründen sich in der Gewissheit, dass Jesus Christus das eine Wort Gottes ist. Darauf haben wir zu hören, ihm haben wir zu vertrauen und zu gehorchen.

Diese Bindung an Christus macht aber gerade frei, das Gewohnte zu hinterfragen und nach Wegen der Reformation und Transformation von Kirche zu suchen. Die kommenden Tage werden zu dieser Orientierung am Wort Gottes und zum Hinterfragen des Gewohnten beitragen.

All unser kirchliches Handeln ist vom Wort Gottes her theologisch zu verantworten, zu leiten und zu gestalten – hier auf dem EKD-Zukunftsforum, aber auch vor Ort in den 563 Kirchenkreisen in ganz Deutschland. Wir hoffen, dass der Austausch, die Begegnungen und Erfahrungen der kommenden Tage die Verantwortlichen auf der mittleren Ebene für ihre wichtigen Aufgaben stärken und ermutigen. Damit unsere Gemeinden auch in Zukunft ein lebendiges Haus Gottes bleiben.

Schluss-Statement

Heute Nachmittag wird der Kongress mit einem Gottesdienst auf dem Laurentiusplatz in Wuppertal eröffnet. Das Gegenüber zu der katholischen St. Laurentius - Kirche soll unsere ökumenische Verbundenheit deutlich machen.

In der historischen Stadthalle Wuppertal steht das sich anschließende Programm ganz im Zeichen von Transformationsprozessen:

Am Nachmittag werden die Transformationsprozesse rund um das Ruhrgebiet als ungewöhnliche Perspektive für die Kirche erschlossen; am Abend werden nach dem Grußwort des Bundespräsidenten gesamtgesellschaftliche Transformationsprozesse und ihre Auswirkungen auf den Bereich der Religion und der Kirche durch einen Vortrag beleuchtet.

Von dieser Grundlage ausgehend ist der Freitag praxisnah ausgerichtet: In Workshops am Vormittag und Nachmittag wird der Frage nachgegangen, was diese Transformationsprozesse für das kirchliche Leben bedeuten.

Am Samstag wird der Blick auf die Zukunft gerichtet: Im Gespräch mit der Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017 und weiteren Gesprächspartnern aus europäischen Kirchen werden wir gemeinsam über die Frage nachdenken, welche Impulse die Vergegenwärtigung der Reformation uns für die zukünftige Gestalt der Kirche gibt. Von hier aus werden die möglichen Gestalten der evangelischen Kirche im Jahr 2030 sowie die Quellen, aus denen sie ihre Kraft schöpfen, in den Blick genommen.

Drei informative, transformierende und hoffentlich auch reformierende Tage liegen vor uns!