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Besuch im mintgrünen Kittel
Ökumenische Krankenhaushilfe, ein ehrenamtlicher Dienst im Krankenhausalltag
Jutta Kirchhof
Der mintgrüne Kittel ist heute in vielen Krankenhäusern nicht mehr wegzudenken. Er signalisiert, dass "Grüne Damen und Herren" bereit sind, im Krankenhausalltag für die Patienten da zu sein. Sie begleiten neu ankommende Patienten zur Aufnahme und zu ihren Zimmern, fahren sie zu Untersuchungen oder zu den verschiedenen ärztlichen Diensten im Krankenhaus, machen Besorgungen für sie, leiten Wünsche oder Beschwerden weiter und sind vor allem da, wenn ein Gesprächspartner gewünscht wird. Dieser ehrenamtliche Dienst, der meist einmal in der Woche für einige Stunden geleistet wird, wurde 1969 nach dem Vorbild des Volunteer Service in den Vereinigten Staaten gegründet. Er wird ergänzend zu den Fachdiensten angeboten und verbindet eine Gruppe von Helfern über Konfessionen und Weltanschauungen hinweg zur "Ökumenischen Krankenhaushilfe", die aus dem Grundverständnis der Nächstenliebe ihren Dienst als Beitrag zu einer ganzheitlichen Betreuung der Patienten versteht.
In diesem Sinne mache ich mich einmal in der Woche auf den Weg in die Orthopädische Klinik Heidelberg. Mein Ziel sind Stationen mit querschnittgelähmten Patienten. Dabei melde ich mich zunächst bei der Stationsleitung, die mich über Neuzugänge oder besondere Probleme bei den Patienten informiert. Diese liegen oft wochenlang im Krankenhaus und freuen sich deshalb über den Besuch einer grünen Dame oder eines grünen Herrn ganz besonders. Unsere Gruppe im Besuchsdienst ist noch sehr klein, es gehören ihr aber auch zwei Herrn an, die zuverlässig ihren wöchentlichen Dienst mit erfüllen.
Bis zu 20 Patienten werden von uns an einem Vormittag besucht. Wir helfen beim Frühstück oder Mittagessen ohne Zeitdruck, machen Besorgungen am Krankenhauskiosk oder bringen notwendige Artikel aus den umliegenden Supermärkten mit. Wir begleiten zu Friseur-terminen und Untersuchungen oder fahren die Patienten im Rollstuhl durch das riesige Areal, damit sie aus dem Zimmer kommen und das Haus kennen lernen, das für eine lange Zeit ihr Zuhause sein wird. Manche Patienten denken zwar, dieser Dienst sei nur für die Besorgungen da und verlangen auch nicht mehr. Aber wenn einer ein Gespräch sucht und erfährt, hier hat jemand Zeit für mich, lohnt sich das Engagement ganz besonders. Die Gespräche geben uns selbst sehr viel, und wir gehen oft beschenkt und erfüllt nach Hause. So ist ein kleiner Patient, der nach einem Verkehrsunfall beatmet werden muss, für seine Betreuerin so wichtig geworden, dass sie auch außerhalb der Dienstzeit für ihn da ist und auf Anfrage in die Klinik kommt, um ihm etwas vorzulesen.
In regelmäßigen Abständen treffen wir uns mit der Pflegedienstleitung, um Erfahrungen auszutauschen, von Experten der Klinik über die Patienten und ihre ganz spezifischen Probleme zu erfahren, mit dem Krankenhausseelsorger die Nöte der Kranken und unsere Anliegen zu besprechen oder einfach einander zuzuhören. Diese Nachmittage sind uns sehr wichtig, geben sie uns doch auch die Rückmeldung, dass wir in den Klinikalltag integriert sind.
Fühlt sich der Kranke einsam oder mit der medizinischen Technik allein gelassen, fehlen ihm Willen und Antrieb, gesund zu werden. Ein Gespräch ohne Zeitdruck trägt dann zur Gesundung bei. Manchmal hilft ein Buch zur rechten Zeit geschickt ausgewählt über trübe Gedanken und leere Stunden hinweg. Mit Geduld und freundlichem Zureden angeboten wird auch kranken und hilfsbedürftigen Menschen das Essen schmecken. Schließlich bieten das Gespräch und die Kunst des Zuhörens Erleichterung, ja Genesungshilfe, die nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Wir machen die Erfahrung, dass unser freiwilliger Dienst den Patienten hilft und die Schwestern und Pfleger bei ihrer Arbeit unterstützt. Wir verstehen uns mit diesem Dienst als Mittler zwischen den Ärzten, Schwestern, Pflegern und Patienten und bieten das an, worüber Ärzte, Schwestern und Pfleger am wenigsten verfügen: Zeit.
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