Das Jahresthema 2010: Gesunde Verhältnisse
Die von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland gemeinsam getragene Aktion möchte einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung über den Wert und die Würde des menschlichen Lebens leisten.
Gesunde Verhältnisse
Zum Abschluss des laufenden Dreijahreszyklus stellt die Woche für das Leben 2010 die Frage nach einer gerechten Verteilung der Ressourcen im Gesundheitssektor. Denn die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen wird weiter steigen. Aufgrund der medizinischen, technischen und pharmazeutischen Entwicklung nehmen in allen wohlhabenden Gesellschaften die Therapiemöglichkeiten und damit auch die Ansprüche zu. Mit der Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen wächst darüber hinaus der Bedarf an professioneller Pflege und anderen Dienstleistungen. Diese neuen Aufgaben belasten die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung finanziell erheblich.
Wir stehen vor der Herausforderung, das solidarisch finanzierte Gesundheitssystem unter wachsendem Kostendruck zu erhalten, um auch in Zukunft Risiken abzudecken, die die Möglichkeiten des Einzelnen übersteigen. Gesundheit ist mehr als eine Ware, die sich ökonomisch kalkulieren lässt. Die Pflege und professionelle Begleitung Demenzkranker, Sterbender oder geistig Behinderter lässt sich zwar berechnen, doch Zuwendung, Respekt und Gemeinschaft gehen in solchen Kostenrechnungen nicht auf.
Gesunde Verhältnisse – für uns und für andere
Es geht um mehr als um den Auftrag, das solidarische Versicherungssystem lebendig zu erhalten. Wenn eine Gesellschaft sich bewusst macht und akzeptiert, dass alle Menschen grundsätzlich verletzlich, sterblich und immer auch gefährdet sind, kann Solidarität als gemeinsame Verpflichtung erkannt und als Grundhaltung gelebt werden. Der christliche Glaube kann helfen, ein gesundes Verhältnis zu Gesundheit und Krankheit zu gewinnen, mit den eigenen Verletzlichkeiten und Grenzen leben zu lernen und andere dabei zu unterstützen. Christen wissen: Gesundheit ist kein Selbstzweck, sie ist auch nicht das höchste Gut.
Was unser Leben lebenswert macht, ist vielmehr eine gesunde Balance – im eigenen Leben und im Miteinander der Generationen. Dazu braucht es Vertrauen, Lebensbejahung und eine solidarische Gemeinschaft, die die Schwachen schützt.



