Am besten gemeinsam

Kirche und Sport werben beim Studienkurs „Heilige Räume - Bewegte Räume“ in Sils Maria (Schweiz) für gemeinsame Raumgestaltung

„Die Religiosität wandert aus den herkömmlichen Kirchenräumen aus“, referierte Oberkonsistorialrat Dr. Bernhard Felmberg aus Berlin beim Studienkurs „Kirche und Sport“ in Sils Maria im Schweizer Engadin, „deshalb muss die Kirche zu den Menschen gehen und dort, wo die Menschen sind, neue Räume gestalten, an denen Gott erfahrbar wird.“  Die auf Initiative des Theologen zur Fußball Weltmeisterschaft  2006 neu errichtete Kapelle im Berliner Olympiastadion ist solch ein neuer Raum, der von einer rasant wachsenden Zahl von Menschen aufgesucht und genutzt wird – überzeugendes Ergebnis „einer guten Zusammenarbeit von Kirche und Sport“, so Felmberg.
 
Durch deutlich abnehmendes Bewegungsverhalten der Menschen und vor dem Hintergrund demografischer Veränderungen und sozialer Herausforderungen in Städten und Kommunen sind auch für den Sport neue Räume erforderlich. Am Beispiel der Um- und Neugestaltung traditioneller Sportstätten, z.B. als familienfreundliche Sportplätze, sowie der Reintegration von Bewegung und Spiel in den öffentlichen (Stadt-) Raum hoben Prof. Hans Wieland und Henrik Schrader von der kooperativen Stadtentwicklungsplanung Stuttgart die wichtige Rolle der Kirchen bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Ideen hervor.

„Heilige Räume – Bewegte Räume“ lautete in diesem Jahr das Leitthema des 37. Studienkurses „Kirche und Sport“ der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Expertinnen und Experten aus den Bereichen Architektur, Kultur, Soziologie, Sportwissenschaft und Theologie kamen vom 01. – 09. Februar in Sils Maria zusammen, um -inspiriert von der eindrücklichen Landschaft und dem besonderen Ort- in ungestörter Atmosphäre im interdisziplinären Austausch neue Ideen zur Gestaltung und Nutzung von Räumen vorzustellen, zu reflektieren und gemeinsam zu entwickeln. Den rund 50 Tagungsteilnehmern, die aus dem ganzen Bundesgebiet ins Engadin angereist waren, erschlossen sich nicht nur neue Raum- und Bewegungserfahrungen durch die zum Konzept des Studienkurses gehörende Sportpraxis und gemeinsame Feier von Andachten und Gottesdiensten. Sie profitierten auch durch die vorgetragenen innovativen Gedanken zum Leitthema. So erläuterte u.a. der renommierte Architekt Prof. Dr. Meisenheimer aus Aachen den Anwesenden die Kriterien für „bewegte Räume“, während Stadtsoziologin Prof. Dr. Gabriele Klein aus Hamburg die Bedeutung von Ritualen für die Gestaltung von Sport- und Kirchenräumen aufzeigte. Über die Möglichkeiten und Chancen von Kirchenräumen sprachen u.a. die Stadtplanerin Prof. Kerstin Gothe aus Karlsruhe (Kirche im und für das Quartier) sowie die Theologen Dr. Helmut Umbach aus Fritzlar und Dr. Thomas Erne aus Bielefeld. Welchen besonderen Anforderungen Räume für Nichtbeweger genügen müssen, beschrieb Prof. Dr. Alfred Rütten aus Erlangen.

„Es ist deutlich geworden, dass Kirche und Sport trotz  jeweils eigener Voraussetzungen und  Herausforderungen wichtige Partner für die anstehenden Aufgaben der öffentlichen Raumgestaltung sind“, resümierte der Vorsitzende des Arbeitskreises Kirche und Sport in der EKD, Dekan Bengt Seeberg aus Fulda, die Ergebnisse des Studienkurses. „So wie Kirche und Sport in der Vergangenheit öffentliche Plätze und Räume gestaltet haben, müssen sie auch heute ihrer Verantwortung nachkommen und die zum Wohl der Menschen notwendigen lebensdienlichen Veränderungen angehen – am besten gemeinsam!“