Eine gemeinsame evangelische Identität

Gliedkirchliche Zusammenschlüsse in der EKD

Symbolfoto mit Bannern von UEK und VELKD.
Die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) und die Union Evangelischer Kirchen (UEK) sind unter dem Dach der EKD vereint.

Kein Protestant ist nur evangelisch. Unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Deutschland sammelt sich eine Gruppe von Konfessionsfamilien. Jeder Protestant gehört auch zu einer davon. Und nur wenige evangelische Christen sind sich dessen bewusst, auch wenn sie die Namen der Konfessionen kennen: Lutheraner, Reformierte und Unierte.

Aber dass nur wenige sich dessen bewusst sind, dahinter steckt eine große Leistung der innerevangelischen Ökumene. Sie hat die Unterschiede so weit theologisch bewältigt, dass sie nicht mehr trennend zwischen evangelischen Christen stehen. Daraus hat sich eine gemeinsame evangelische Identität entwickelt.

Protestanten verstehen sich als Kirchengemeinschaft

Denn Protestanten in Deutschland und darüber hinaus verstehen sich als Kirchengemeinschaft. 1973 haben evangelische Kirchen aus ganz Europa in einem gemeinsamen Dokument, der „Leuenberger Konkordie“, erklärt, dass sie im Verständnis des Evangeliums übereinstimmen und daher miteinander in Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft stehen.

Für evangelische Christen in Deutschland bedeutet das eine Vereinfachung: Wer aus der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens nach Köln zieht, wird dort selbstverständlich in der unierten Evangelischen Kirche im Rheinland willkommen geheißen. Im Kirchenjargon nennt man das eine „Möbelwagenkonversion“: Durch Umzug wird aus einem Lutheraner ein unierter evangelischer Christ.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) vereint 20 Landeskirchen. Unter ihrem Dach gibt es die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) mit sieben lutherischen Landeskirchen und die Union Evangelischer Kirchen (UEK) mit zwölf Landeskirchen unterschiedlicher Bekenntnisse. Die drei haben sich darauf verständigt, Organe und Dienststellen der EKD und der beiden Vereinigungen zusammenzulegen.

Profile erhalten – Doppelarbeit vermeiden

So soll das jeweilige konfessionelle Profil mit seinen Prägungen und Stärken erhalten bleiben, aber Doppelarbeit vermieden werden. Die Kirchenparlamente von EKD, UEK und VELKD tagen inzwischen örtlich und zeitlich verbunden. Die Zentralen der beiden Konfessionskirchen arbeiten unter dem Dach des Kirchenamtes der EKD zusammen und sollen fusionieren. Der Prozess, intern als „Verbindungsmodell“ bezeichnet, begann im Jahr 2007 und soll 2017 abgeschlossen werden.

Die VELKD pflegt nach wie vor Kontakt zum Lutherischen Weltbund, der Weltvereinigung ihrer Konfession, und beherbergt dessen Deutsches Nationalkomitee. Der Lutherische Weltbund wiederum hält als internationaler Zusammenschluss Verbindung mit der römisch-katholischen Weltkirche – mit theologischen Dialogrunden und gemeinsamen Kommissionen. Zudem arbeitet die VELKD schwerpunktmäßig an aktuellen theologischen Themen. Die ökumenische Arbeit der UEK wird durch die EKD wahrgenommen.

Gemeinsamkeit und Differenzierung

Die Union Evangelischer Kirchen (UEK) sieht sich theologisch besonders der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 verpflichtet, mit der evangelische Christen den totalitären Anspruch des Nationalsozialismus zurückwiesen. Zudem arbeitet die UEK besonders an der Entwicklung des gemeinsamen Gottesdienstes, da sie selber ein Zusammenschluss von Kirchen mit unterschiedlichen Bekenntnissen ist. Bei Theologie und Liturgie arbeiten die Gremien von UEK und VELKD inzwischen eng zusammen.

VELKD und UEK nehmen ihre Aufgaben jeweils in eigener Verantwortung wahr. So steht es in den Verträgen, die beide mit der EKD geschlossen haben. Die Arbeit folgt aber dem Ziel weiter wachsender Kooperation. Gemeinsam haben sie beschlossen, „so viel Gemeinsamkeit aller Gliedkirchen der EKD zu erreichen wie möglich und dabei so viel Differenzierung vorzusehen, wie aus dem Selbstverständnis der gliedkirchlichen Zusammenschlüsse nötig ist.“

wt