Kirche gehöre „in die Mitte der Gesellschaft“

Festjahr zum 500. Reformationsjubiläum in Brandenburg

Nikolaikirche in Potsdam
Am 7. September findet in der Potsdamer Nikolaikirche ist eine gemeinsame Festveranstaltung von Landesregierung und Evangelischer Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz statt. Diese Veranstaltung gilt als Höhepunkt des Jubiläumsjahres.

Potsdam (epd). Kurz vor dem Höhepunkt des brandenburgischen Festjahres zum 500. Reformationsjubiläum haben Land und evangelische Kirche die aktuelle Bedeutung der historischen Umbrüche gewürdigt. Die Kirche spiele bei der Vermittlung grundlegender Werte wie Toleranz weiter eine wichtige Rolle und gehöre „in die Mitte der Gesellschaft“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am 30. August in Potsdam.

Höhepunkt des Jubiläumsjahres ist eine gemeinsame Festveranstaltung von Landesregierung und Evangelischer Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz am 7. September in der Potsdamer Nikolaikirche, bei der der Ministerpräsident die Festrede hält. Das Land hat die verschiedenen Vorhaben zum 500. Reformationsjubiläum nach Angaben der Staatskanzlei seit 2011 mit rund 1,8 Millionen Euro gefördert.

Die Reformation habe einen Weg geebnet

Zentrales Thema der reformatorischen Theologie sei die Idee der Freiheit des Menschen, die mit der Verpflichtung zum Handeln für das Gemeinwohl verbunden sei, betonte Bischof Markus Dröge. Martin Luther habe seinerzeit diese Freiheitsidee „unüberholbar genial“ formuliert. Dieses Denken habe bis heute eine entscheidende Bedeutung für das Land, sagte der Bischof. Deshalb passe auch „die Botschaft der Reformation in unsere Zeit“.

In Brandenburg sei die Reformation seinerzeit statt mit Gewalt „pragmatisch und weise“ mit der Bemühung um moderate Neuerungen und die Bewahrung von Traditionen eingeführt worden, sagte Dröge: „Das hat das Land Brandenburg geprägt.“ Die Reformation habe unter anderem den Weg für religiöse und weltanschauliche Vielfalt geebnet und das Bildungswesen für Mädchen und Jungen sowie die Hilfe für Kranke und Behinderte „auf eine neue Grundlage gestellt“, betonte Dröge. Das Jubiläumsjahr trage dazu bei, „die Geschichte unseres Landes besser zu verstehen und Schlussfolgerungen für die Zukunft zu ziehen“, betonte Woidke.

Sehr positive Resonanz – innerhalb und außerhalb der Kirche

Die Resonanz auf das Jubiläumsjahr erlebe er nicht nur innerhalb der Kirche als sehr positiv, sagte der Bischof. Ziel sei gewesen, die kirchliche Botschaft „neu zum Leuchten zu bringen“. Dadurch werde auch für kirchenferne Menschen und überzeugte Atheisten ein anderer Blick auf das Christentum möglich gemacht.

Dass Luther unter anderem mit seiner Freiheits-Schrift vor rund 500 Jahren „einen Nerv der Zeit getroffen“ habe, werde auch in der großen Jubiläumsausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte aufgegriffen, betonte Direktor Kurt Winkler. Die Ausstellung „Reformation und Freiheit“ wird am 7. September eröffnet und ist bis zum 21. Januar zu sehen.

Polen sagt Schirmherrschaft für Reformationsausstellung ab

Überschattet wird das brandenburgische Kulturprogramm zum 500. Reformationsjubiläum von der politischen Situation in Polen. Die länderübergreifende wissenschaftliche Kooperation bei der Vorbereitung der Ausstellung sei zwar „überwältigend“ verlaufen, sagte Kuratorin Ruth Slenczka. Auf politischer Ebene sei es jedoch „nicht ganz so einfach“ gewesen.

Zunächst sei eine gemeinsame Schirmherrschaft des deutschen und polnischen Außenministers geplant gewesen, die dann jedoch aus Polen abgesagt worden sei, sagte Slenczka. Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) bleibe hingegen Schirmherr.

Die Ausstellung wird am 7. September im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte eröffnet und ist bis zum 21. Januar zu sehen. Thema sind die Folgen der von Martin Luther angestoßenen Erneuerungsbewegung für Brandenburg und Preußen. Einige wichtige Exponate der Ausstellung kommen aus Polen.